„Kommen Sie, kommen Sie. Ergreifen Sie die einmalige Chance in die tiefsten Tiefen des Folterhorrors hinabzusteigen. Ja, Sie hören richtig! Folter! Horror! Das Genre des angehenden 21. Jahrhunderts. Ach, Sie können sich gar nicht vorstellen, dass es auf dieser großen Welt Produzenten und Regisseure gibt, die nur des Geldes wegen Filme schaffen? Sie können nicht glauben, dass es Zuschauer gibt, die schon von den niedersten aller menschlichen Reize stimuliert werden? Denen es reicht, Menschen zu zusehen die anderen Menschen nur um der Gewalt Willen Gewalt antun? Dann lassen Sie sich vom Gegenteil überzeugen. Ergreifen Sie meine Hand und folgen Sie mir. Nur noch ein paar Stufen. Merken Sie wie es dunkler wird? Schnürt Ihnen der Gestank schon die Kehle zu?
Ja, dieser Keller ist modrig, feucht und dunkel. Wer würde hier schon gerne länger verweilen? Oder ist es gerade der Reiz des Verruchten, der Grenzerfahrung, des Schmutzigen. Hier in diesem Keller werden Sie nicht viele Gleichgesinnte finden. Aber es gibt sie. Schauen Sie genauer hin. Sehen Sie die bleichen Gesichter, die Sie mit wirrem Blick aus dunlen Ecken heraus taxieren? Sehen Sie, wie sie sich erwartungsvoll die Hände reiben? Wie ihnen der Geifer aus dem Mundwinkel tropft. Sie alle warten, warten auf das eine Werk, den Film aller Filme, der ihnen das zeigt, was bisher kein anderer zeigen konnte.
Wie bitte? Was flüstern Sie da? Nein, diese lichtscheuen Kreaturen erwarten beileibe keine Drehbücher die an die intellektuelle Grenze stoßen, nein, keine Schauspieler, für die der Oscar eine Beleidigung wäre, keine fantastischen Kamerafahrten, keine bombastischen Sets. Sehen Sie sich doch diese Wesen an, so scheu und doch so fordernd. Nein, die Wesen hier sind genügsam, sind Minimalisten. Doch sie sind hungrig! Oh ja so unfassbar hungrig. Und das Einzige, mit dem man ihren nahezu unstillbaren Hunger ansatzweise befriedigen kann ist roter Lebenssaft. Für ein paar abgeschnittene Brustwarzen, für amputierte Finger, für einen ausgeweideten Körper können Sie für wenige Minuten von der Tristesse ihrer Existenz abgelenkt werden. Im Tausch gegen Blut erlangen Sie kurz einen Funken Glanz zurück. Was macht es da, wenn die Schauspieler keine einzige Emotion transportieren können, wenn die Mono- und selten auch Dialoge unter Grundschulniveau liegen, wenn Kamera und Schnitt nicht mal einem Amateurniveau Paroli bieten können? Wichtig ist das Jammern, das Schreien, das Kotzen, das Bluten und das Ejakulieren – männlicher wie weiblicher Seite.
Ja Sie haben es richtig erkannt. Genau deswegen musste der Film auch dreimal so lang werden, als er sein müsste. Denn je länger diese Kreaturen so etwas wie Freude, also eine Emotion, verspüren, so wahrscheinlicher ist es, sie eines Tages komplett aus der Dunkelheit in das Licht zerren zu können, sie von ihrer jämmerlichen Existenz zu erlösen. Dafür sei dem Regisseur und seinem Team Dank!
Sie haben genug gesehen? Sie haben das Leid, die Verzweiflung hier unten gespürt? Dann lassen Sie uns gehen, sehen Sie das Erlebte als Warnung. Verlassen wir diesen Ort des Grauens!
Was sagen Sie da? Sie haben Gefallen gefunden an dieser Art des Dahinvegetierens? Sie wollen bleiben? Sie genießen es hier in der Dunkelheit? Der feuchten, schimmligen Wärme?
Sie sind nicht der Erste. Und ich fürchte, Sie werden nicht der Letzte sein.“