Irgendwo in Japan: Ein junges Pärchen schlendert eine Unterführung entlang, wo ein finster dreinblickender Typ in einem Kastenwagen schon mit einem Hammer wartet: Zack! sind die Opfer niedergeschlagen, in die Kiste verfrachtet und erwachen geknebelt und auf metallene Platten gefesselt in einem fensterlosen, künstlich beleuchteten Raum. Dort werden sie von dem emotionslos metzelnden Arzt(?) zu klassischer Musik langsam zu Tode verstümmelt.
In den ersten Minuten dieses kameratechnisch amateurhaft wirkenden Folter-Filmchens dachte ich noch an eine fernöstliche Variante von Saw, aber schon kurz später wird klar, daß hier eher eine GuineaPig meets AugustUnderground-Variante vorliegt. Während man bezüglich des ersten Verweis´ einige ausgewählte, allerdings alles andere als ausgeklügelte Folterpraktiken mit reichlich spritzendem Blut vorgesetzt bekommt, drängt sich der Vergleich mit Fred Vogels Werk(en) eher bezüglich der kompletten Sinnlosigkeit auf: Nicht nur, daß zu keiner Zeit auch nur die allergeringste Spannung aufgebaut wird (der "Arzt" sagt es gleich zu Beginn, daß er beide töten wird), ist vor allem der dröge Verlauf des Folterns, zwischenzeitlichen Aufpäppelns und erneuten Folterns so wenig überraschend wie das vorhersehbare Ende. Der vermeintlich lustige(?) Showdown mit der einzigen Gegenwehr, die das Pärchen (bzw. Sie) während der ermüdend langen etwa 70 Minuten zeigt, kommt natürlich viel zu spät, passt in keinster Weise zu den vorangegangenen Geschehnissen und ändert auch nichts an der von vorn herein feststehenden Tatsache, daß die beiden Jungen die Torturen nicht überleben werden. Hierunter leidet auch jegliches Mitfiebern, da man über die drei Darsteller so gut wie nichts erfährt - speziell die beiden Jungen, die gerade ein erstes zögerliches Date hinter sich haben, scheinen nur zur falschen Zeit am falschen Ort herumspaziert zu sein. Sie verhalten sich - den Umständen entsprechend - vollkommen normal, etwa so wie sich jeder Mensch verhalten würde, der unvermittelt in so eine Situation gerät.
Zur Motivation des "Arztes" fehlt fast jeder Hinweis, die weiteren Umstände der fast kammerspielartigen vorgetragenen Folterei werden auch trotz weniger kleiner Rückblenden kaum aufgelockert und so ist es auch für den Zuseher eine Qual, dieser Orgie abgestumpfter Gewalt zu folgen. Noch einmal Fred Vogel: Nach dem Ansehen von dessen Werken fühlte ich mich (wenigstens) einigermaßen verarscht, nach Grotesque herrscht eher ein Gefühl der Langeweile vor - beabsichtigte Schockwirkung: Null.
Tricktechnisch mögen die eine oder andere Splatter-Szene ganz ordentlich geraten sein, dennoch wird einiges nur verdeckt gezeigt - nicht daß man noch mehr Gemetzel sich zu sehen gewünscht hätte, aber in manchen Momenten blendet die Kamera dann doch weg, filmt verdeckt oder kommt mit dem bekannten Gegenschnitt. Ob Regisseur Kōji Shiraishi da der Mut verlassen hat? Eigentlich wäre es ohnehin egal gewesen, denn daß Grotesque auch mit dem nunmehr Gezeigten weltweit mehr oder weniger auf den Index kommt, war wohl vorhersehbar.
Ein Torture-Porn ohne Seele, ohne Clou und ohne die geringste Erklärung. Muß man sich kein zweites Mal gönnen, sofern man es geschafft hat, es auch nur einmal am Stück anzuschauen. Grotesk fad. 1 Punkt.