Review

Army-Horror mit mystischen Anteilen auszustatten ist natürlich nicht neu, auch wenn der Schauplatz nach Afghanistan verlagert und eine festsitzende Einheit mit dem Spuk eines Dschinn konfrontiert wird, - am Ende bekommt man jedoch mehr Psycho-Thriller denn Horrorzauber geliefert.

So einfach wird der Zorn des Dschinns erzürnt: Einer der in Afghanistan stationierten Soldaten ballert dummerweise eine versteckte Götzenfigur kaputt und alsbald kommt ein Sandsturm auf, eine merkwürdige Einheimische taucht auf und das einzige Fahrzeug wird inmitten der Wüste lahm gelegt.
Schon bald liegen sämtliche Nerven blank und manch einer weiß kaum mehr zwischen Alpträumen und Realität zu unterscheiden…

Der erste Eindruck innerhalb der einführenden Minuten ist okay. Die Ausstattung ist zwar nicht opulent, wirkt aber auch nicht billig, während man gar ein paar Szenen in Kabul eingefangen hat.
Die Figurenzeichnungen wirken erst ein wenig oberflächlich, gewinnen im Verlauf jedoch soweit an Tiefe, dass die wesentlichen Protagonisten eine ausreichende Charakterisierung erhalten, wobei ein gewisser Jeff Keller und sein Vorgesetzter Marcus Howston deutlich hervorstechen. Weitere fallen eher durch ordinäre Sprüche auf, einer noch durchs Übersetzen und ein weiterer aufgrund seiner etwas unberechenbaren Art.
Jene Figuren stehen fortan im Fokus, denn vom Dschinn, dem Dämon aus Feuer der jede Gestalt annehmen kann, ist im Verlauf nicht allzu viel zu sehen.

Vielmehr bauen sich Spannungen innerhalb der Einheit auf, zwischenzeitlich pusten sich zwei Soldaten gegenseitig weg, ohne dass überhaupt etwas Übersinnliches eingreift.
Dass mit der dubiosen Einheimischen etwas nicht stimmt, liegt klar auf der Hand, was überdeutlich, mit einem leichten Schmunzeln quittiert wird, als diese in einer stillen Szene ihren Arm übermenschlich weit ausfährt.
Die restlichen Opfer gehen aber tatsächlich aufs Konto psychischer Labilitäten, die zwar vom Dämon hervorgerufen werden, was das Mystische an sich jedoch weitgehend außen vor lässt.

Atmosphärisch läuft die Chose recht stimmig ab. Der Score kommt mit leicht experimentellen Hüllkurven und Soundeffekten daher und transportiert recht gekonnt die Einsamkeit der Wüste, sowie dessen zermürbende Hitze.
Darstellerisch ist das akzeptabel, während die Kamera solide arbeitet und vor allem die Perspektive der Nachtsichtgeräte gegen Ende effektiv einfängt.
Allerdings kommt auch erst zum Finale merkliche Spannung auf.

Denn besonders im Mittelteil kommt das Geschehen nur schleppend voran. Zu ausladend wird Wache gehalten, sich vergeblich um Funkkontakt bemüht und zu lange die Fremde studiert, die ja doch nichts Brauchbares von sich geben wird.
Kleine Lichtblicke bieten allenfalls die Visionen, die zum Teil in reale Vorkommnisse eingearbeitet werden, etwa, als jemand träumt ein Kind zu erschießen und dieses kurze Zeit später in der Wüste auftaucht.
Sonderlich spooky gestaltet sich das nicht, verschafft aber immerhin leichte Abwechslung.

Die nüchterne Erkenntnis während eines Abgangs verschafft tatsächlich ein zweites Schmunzeln, während sich der Streifen ansonsten sehr ernst nimmt und lediglich gegen Showdown ein paar amüsante CGI in Form mutierter Gesichter und krabbelnder Dämonen einwirft. Erst da wird das übersinnliche Element sichtbar und bei der eher schwachen Qualität der Effekte ist das vielleicht auch gar nicht mal so tragisch.
Auf anderer Ebene gelingt die Erzählung jedoch auch nur partiell. Denn da mangelt es zu deutlich an Konfliktpotential und denkwürdigen Momenten, während diverse Ausraster in Form von übersteigertem Lager-Koller zu unspektakulär ausfallen.
„Red Sands“ bietet zwar gute Ansätze, kommt aber über okaye Unterhaltung kaum hinaus und dürfte von Fans härterer Gangart als viel zu harmlos angesehen werden.
Zweifelsohne ist er das auch.
5 von 10

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