"Bring in the Djinns"!
Wer das besoffen fünfmal hintereinander wegsagen kann, darf sich auch darüber freuen, daß die Filmindustrie den Afghanistan-Einsatz ihrer Truppen nun auch für nicht ganz so kostspielige Horrorfilme ausnutzt - und darüber, daß sie es nicht in den Sand setzen (Geländewitz, hihi...).
Wie der Titel schon andeutet, ist "Red Sands" ein ungemein staubiger Film, der im Wesentlichen dem Mysteryhorrorsubgenre zuzuordnen ist, garniert mit einer Portion orientalischer Mythologie, speziell jetzt eben den Dschinns (der Einsatz der bundesdeutschen Jungs am Hindukusch genügt als Rechtfertigung für die altdeutsche Schreibweise hoffentlich).
Sieben Soldaten der US-Truppen stehen im Zentrum der Story, die irgendwo in der Wüstenei eine kaum erkennbare Straße überwachen sollen und dazu das einzige, halbzerfallene Haus jenseits von Kabul beziehen müssen. Bis es soweit ist, pustet einer von ihnen auf der Anreise aber schon eine alte, halbzerfressene Steinstatue in kleine Bröckchen, was dem Zuschauer dann einige Details über die damit dargestellten bösen Geister einbringt. Von da an geht es nur noch sehr langsam für die schnelle Eingreiftruppe, denn Hitze, Sand, Einsamkeit und eine seltsame, unverständlich sprechende Frau stellen das Beisammensein bald auf den Kopf und die ersten werden von Visionen und bösen Träumen geplagt, welche zumeist mit schlimmen Kriegsverfehlungen (Kameraden versehentlich, Kind vorschnell erschossen) in Verbindung stehen.
Horribel, horribel, allerdings setzt Regisseur Alex Turner mit seiner Produktion mehr auf Verstörung und Verwirrung, weniger auf die gängigen Horrormotive und verunsichert so Zuschauer wie Figuren, was denn nun eigentlich um sie herum vorgeht. Dabei ist er auf ruhige Art effektiv, ohne enorm splattern zu müssen, allerdings wirkt der Stoff wie eine variable Storyidee, die auch in der "Twilight Zone" funktioniert hätte, da allerdings über maximal 45 Minuten mit mehr Drive versehen. Bis es so richtig losgeht mit dem Dämonentrubel, ist der Film nämlich schon halb rum und das ist ohne Schauwerte oder interessante Plot Points dann doch manchmal eine gewisse Geduldsprobe. Besonders vielfarbig sind die Soldaten nicht und das Durchexerzieren möglicher Opfer ist auch nicht sonderlich schwer, da von Szene 1 an der "Emergency Room"-Veteran Shane West hier als der "final man" auszumachen ist. So werden verschiedene bekannte Storyversatzstücke von Männern unter Druck im Krieg rekapituliert, die noch dazu mit einer Frau das Häusle teilen müssen.
Besonders spannend macht es dann die Angelegenheit auch nicht, daß man schon relativ früh die Gewißheit hat, daß die Frau der Dschinn ist, während die Männer noch diverse typische "USA im Nahen Osten"-Aussagen durchkonjugieren.
Trotzdem wäre für die Gruselszenen noch eine solide Note drin gewesen, doch der leider arg amateurhafte CGI-Einsatz beim finalen Angriff des Monsterviechs reizt dann doch eher zum belustigten Auflachen und läßt bis zur viel zu lange herausgezögerten und daher offensichtlichen Pointe nicht mehr viele Pluspunkte zu. Was bleibt, ist ein zeitweise ordentlich produzierter und dann auch recht unheimlicher, bisweilen jedoch auch staubtrockener Film, dem ein paar Extraeinfälle jenseits des Soldatenlebens wesentlich besser getan hätte. Immerhin muß man sich hier aber nicht über die Leihgebühr ärgern. Solide 5/10.