"Ihr Vater war 12 Minuten Captain eines Schiffes. Er rettete 800 Leben. Ich weiß, sie können mehr."
Mit frischen Gesichtern, modernisierten Kulissen, aktuellen Trickeffekten und satter Action beginnt Innovationsregisseur J.J. Abrams ("Lost", "Cloverfield") ein völlig neues Star-Trek-Kapitel mit der ersten Crew des modernsten Raumschiffes der zukünftigen Sternenflotte.
Während eines Angriffes auf die U.S.S. Kelvin durch einen romulanischen Transporter kommt George Kirk (Chris Hemsworth) ums Leben. Noch während der Evakuierung wird sein Sohn James Tiberius Kirk (Chris Pine) geboren, der fortan ein rebellisches Dasein fristet. Allerdings erkennt Captain Christopher Pike (Bruce Greenwood) die verborgenen Fähigkeiten, die schon sein Vater inne trug, und bewegt ihn dazu der Sternenflotte beizutreten. Dort trifft er auf die intelligente Nyota Uhura (Zoë Saldaña), die er in der Akademie mehrfach versucht hat anzugraben, jedoch jedesmal abgewiesen wurde, sowie den ruppigen Dr. Leonard McCoy (Karl Urban) der die Erde durch eine gescheiterte Beziehung verlässt.
Nachdem Kirk den Kobayashi-Maru-Test, eine Simulation eines Angriffes mit auswegloser Situation, manipuliert und besteht, steht er wegen Verdachts auf Betrug vor Gericht. Der Kläger ist der Erschaffer der Simulation, ein Vulkanier namens Spock (Zachary Quinto), der durch seine menschliche Mutter Amanda Grayson (Winona Ryder) von seiner Rasse seit Kindheitstagen Opfer von Vorurteilen ist. Noch während der Verhandlung wird die Sternenflotte zur Verteidigung von Vulkan gerufen. Ein romulanisches Schiff ist im Begriff den Planeten zu zerstören. Dabei handelt es sich um das gleiche Schiff, dass bereits die U.S.S. Kelvin angegriffen hat. Nero (Eric Bana), der Kommandierende des Schiffes, ist im Begriff Spock für eine Tat zur Rechenschaft zu ziehen, die erst Jahre in der Zukunft passieren wird.
Star Trek rebooted. Mit diesen drei Worten könnte man den elften "Star Trek" zusammenfassen. Paramount ließ Abrams relativ freie Hand, der mit seiner Produktionsfirma Bad Robot eine neue Sichtweise in das Star Trek Universum integriert.
Die ersten Filme und die originale Serie "Raumschiff Enterprise" definierte sich meist durch ein thematisch angelegtes moralisches oder philosophisches Problem. Abrams umgeht dieses Merkmal und passt seine Definition der Weltraumreise an den Massengeschmack an. Allerdings nicht ohne markante Attribute der Serie völligst zu ignorieren.
Es ist immer ein hohes Risiko eine schon vorgefertigte Reihe neu aufzulegen. Gerade im Bereich der Charaktere und Schauspieler kann hier vieles schief gehen, ist das eingeschworene Publikum doch meist schon auf die Akteure und Figuren eingestimmt. Als erstes sei hier Entwarnung gegeben. Abrams und die Autoren legten großen Wert auf den Spagat zwischen Authenzität und Generalüberholung. Kirk & Co. ähneln somit der Originalbesetzung, bringen gleichfalls aber genug eigenes Charisma mit. Die visuellen Ähnlichkeiten sind teilweise verblüffend.
Aber auch das Charakterdesign selbst orientiert sich weitgehend an den Figuren des Spock oder McCoy, die man schon seit jeher kennt. Hierbei ist erstaunlich mit wie wenig Einstellungen Abrams die Figuren charakterisiert. So lässt er den jungen Kirk beispielsweise mit einem gestohlenen Auto zu Beastie Boys‘ "Sabotage“ über eine staubige Piste auf einen Abgrund zurasen. Das reicht, um die Figur greifbar zu machen. Vielfach kommt es vor, dass man noch vor Namensnennung weiß, mit welcher Figur aus dem Universum man es zu tun hat.
Wie schon erwähnt lehnt das Erzählmuster nicht an die Originalserie an, sondern bleibt weitestgehend anspruchslos. Dies ist sicher nicht die optimalste Voraussetzung ein alteingesessenes Publikum zufrieden zu stellen. Allerdings ist dies hier auch nicht nötig. "Star Trek" kaschiert dieses Manko durch die komplexe Entwicklung der Charaktere. Dies kommt allerdings nur den Helden des Films zu Gute. Die Gegenspieler, wie beispielsweise sämtliche Romulaner, bleiben entsprechend blass, stehen allerdings auch nur für den Grund eines sinnvoll abgeschossenen Effektfeuerwerks Pate. Und das hats wirklich in sich.
Im Grunde bietet "Star Trek" alles was sich ein Fan dieses Universums oder eines Science Fiction Filmes an Action vorstellen und wünschen kann. In der modernen Form eines bombastischen Blockbusterkinos setzen sich die Actionsequenzen besonders durch die Special Effects gut in Szene. Neben der grandiosen und packenden Eingangssequenz, die bereits im Sektor der Weltraumschlachten zeigt, was die Technik von heute möglich macht, gibts flotte Nahkampfaction, Phaserbeschuss, spektakuläre Explosionen und detaillierte Gerüste von zerschossenen Raumschiffen zu bewundern.
Unterlegt ist das Geschehen von einer oppulenten Soundkulisse, die die Stimmung ansprechend weitergibt. Neben den krachenden Soundeffekten verschafft insbesonders die emotionale Filmmusik ein episches Gefühl.
Auch im Bereich des Kreaturendesigns bewiesen die Macher den Mut zu Einfallsreichtum. Der ausgefallene Stil zieht allerdings beinahe Parallelen zur "Star Wars" Reihe, was manch ein eingefahrener Trekkie sicherlich anstößig finden könnte.
Überhaupt ist "Star Trek" extrem rasant umgesetzt. Nicht nur die Actionszenen beweisen in ihrer Inszenierung ein enormes Tempo, auch der Rest der einfach gehaltenen Handlung entwickelt sich schnell und geradlinig. Langeweile kommt da garnicht erst auf.
Allerdings kommt auch der elfte Film nicht ganz ohne Mankos aus. Hin und wieder führen die temporeichen Actionsequenzen zu einer unnötig wackeligen Kameraführung.
Der häufig vorkommende, augenzwinkernde Witz zieht zwar Parallelen zum Humor der Film-Reihe und sorgt für etwas Abwechslung, überschreitet aber auch hin und wieder die Grenze zu unnötigen Albernheiten.
Bei der Besetzung handelt es sich um vorwiegend frische Gesichter die, wie schon erwähnt, ihren Vorbildern sehr ähneln. Aber auch sonst bieten die Schauspieler eine solide Performance. Die meiste Arbeit haben dabei Chris Pine ("Smokin' Aces"), Zachary Quinto ("Heroes") sowie Zoe Saldana ("8 Blickwinkel") durch eine recht hohe Rate an Einstellungen vor der Kamera und den bewegensten Figuren des Films. Karl Urban ("Herr der Ringe"-Reihe, "Doom - Der Film"), John Cho und Anton Yelchin ("Terminator - Die Erlösung") habens da etwas leichter, obwohl ihre Rollen als McCoy, Sulu und Chekov ebenso bedeutsam sind.
Simon Pegg ("Shaun of the Dead") bekommt leider nur wenige Möglichkeiten den beliebten Chefingenieur Scotty auszubauen. Ebenso Winona Ryder ("Durchgeknallt", "Alien - Die Wiedergeburt") die trotz langjähriger Berufserfahrung nur eine wenig tragende Rolle erhalten hat.
Zumindest dürfen die beiden "alten Hasen" Eric Bana ("München", "Troja", "Hulk") und Ben Cross ("Der 1. Ritter", "Exorzist: Der Anfang") neue Weichen im Star Trek Universum stellen, bleiben allerdings sehr zurückhaltend in ihren Rollen.
Die größte Freude ist aber sicherlich der Auftritt von "Star Trek“-Legende Leonard Nimoy, der hier noch einmal in seine alt eingesessene Rolle des Vulkaniers Spock treten darf.
"Star Trek" setzt neue Maßstäbe in seinem Genre, verlangt aber eine leichte Toleranz an eingeschworene Fans der Reihe. Diese bekommen zwar die Erklärung eines Zeitparadoxons, welches ihr geliebtes Universum etwas durcheinander würfelt, könnten sich aber durch den Mangel an Ernsthaftigkeit möglicherweise vor den Kopf gestoßen fühlen. Alle anderen bekommen einen Science Fiction-, Action-Reißer der Sonderklasse, mit liebevoll eingeführten Charakteren und einem Effektfeuerwerk das keine Wünsche offen lässt. Gerade nach so langer Abstinenz der Serie ist es ein wahrer Segen, die Enterprise in solch einer Hochglanzoptik wieder neue Galaxien erforschen zu sehen.
10 / 10