Review

Entschuldigung, aber was ich gerade gesehen habe, kann ich einfach nicht glauben. Marcus Nispel, der Regisseur, der das texanische Kettensägenmassaker auf vollkommen überzeugende Weise reanimiert hat, scheitert an der wohl eindimensionalsten Horrorfigur des gesamten Genres.

Sein "Freitag" ist keine Hommage an die vorangegangenen Teile, sondern vielmehr eine Bestätigung genau jener Klischees, die er eigentlich hätte reinterpretieren und damit überwinden sollen.

Der gesamte Film kann mit keiner einzigen spannenden Minute aufwarten, da immer lange vor dem jeweiligen Mord klar ist, wo genau Jason sich aufhält und wann er zuschlägt. Sicherlich verhielt es sich bei den alten Teilen ebenso. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Selbstironie. Diese sucht man im neusten "Freitag" vergebens. Ob es nun die peinlichen Dialoge zwischen den gesichtslosen Opfern sind, oder aber der den zweiten Teil auf lächerlichste Weise zitierenden Schluss: Keinen Moment lang hat man als Zuschauer das Gefühl, dass die Inszenierung einen ironisch distanzierten Abstand zu der auf der Leinwand zelebrierten verbalen Diarrhö aufbauen will.

Was den wohl wichtigsten Punkt aller Liebhaber der Serie angeht, die Goreeffekte, ist leider ebenso Ebbe angesagt. Wo Cunninghams Erstling für seine Zeit gnadenlos draufhielt, zeigt sich Nispels filmischer Fehlschag überraschend zahm; zumindest für diejenigen, die seine Reinterpretation des Kettensägen-Massakers konsumiert haben. Die meisten Morde passieren im Off.

Genaugenommen kann man Jason dankbar sein, dass er die Welt von einer handvoll schlechter Filmfiguren erlöst hat. Wie in den restlichen "Freitag"-Filmen ist ausgerechnet er als Mörder die einzige Sympathiefigur. Wie fragwürdig die Moral dahinter aufgrund der fehlenden Selbstironie ist, muss wohl nicht ernsthaft diskutiert werden.
1/10

Details
Ähnliche Filme