Review

Hinweis: Wer den Film noch nicht gesehen hat und nicht wissen möchte, was im doch relativ langen "Prolog" passiert, lässt am besten den zweiten Abschnitt (von "Nach dieser Szene..." bis "...erscheint die Titeleinblendung") aus und liest nach dem ersten Abschnitt über Mrs. Voorhees direkt beim dritten ("Erst nach diesem...") weiter.

Noch während der Vorspann läuft wird dem Zuschauer im "Eilverfahren" das Finale des Originals präsentiert. Wir schreiben das Jahr 1980 und die letzte Überlebende schleppt sich im strömenden Regen durch den dunklen Wald. Mrs. Voorhees ist ihr dabei dicht auf den Versen und will ihr ans Leder, weil sie das Mädchen (wie die anderen bereits getöteten Jugendlichen) für den Tod ihres geliebten Sohnes Jason verantwortlich macht. Es gelingt dem Mädchen jedoch die Frau zu enthaupten. Im Anschluss sehen wir, wie ein kleiner Junge - also Jason - zur enthaupteten Mrs. Voorhees geht und einen Anhänger an sich nimmt, den diese um den Hals trug. Dazu ertönt die Stimme der Mutter, die ihrem Sohn befiehlt fortan zu töten, um sich für das zu rächen, was man ihnen angetan hat.

Nach dieser Szene wechselt der Film in die Gegenwart. Eine Gruppe von Heranwachsenden marschiert mit einem GPS-Gerät auf der Suche nach einer Marihuanaplantage durch den Wald. Als man diese nicht direkt findet, schlägt man erst mal ein Lager für die Nacht auf. Dabei erzählt einer von ihnen am Lagerfeuer die Geschichte von Jason, der mit ansehen musste, wie seine Mutter enthauptet wurde und noch heute durch die Wälder streifen soll. Die Geschichte wird als Unfug abgetan und die Gruppe spaltet sich auf. Ein Pärchen macht einen Spaziergang, das andere Pärchen verzieht sich zum Poppen ins Zelt und der übrig gebliebene Junge verzieht sich mit dem GPS-Gerät in den Wald, wo er schließlich doch noch die gesuchte Marihuanaplantage findet, was ihm allerdings nicht mehr viel nützen soll. Nach ihm machen auch die restlichen Heranwachsenden Bekanntschaft mit Jason und nachdem dieser mit ihnen fertig ist, erscheint die Titeleinblendung.

Erst nach diesem "Prolog" beginnt überhaupt die eigentliche Geschichte des Films. Während eine (andere) Gruppe Heranwachsender im Haus eines Freundes ein nettes Wochenende am Crystal Lake verbringen will, ist Clay Miller mit dem Motorrad und einem Stapel Flugblätter auf der Suche nach seiner Schwester, die seit einem Ausflug mit Freunden an den Crystal Lake spurlos verschwunden ist. Das erste Zusammentreffen zwischen Clay und der Gruppe verläuft eher unglücklich. Er und der "Rudelführer" sind sich alles andere als grün. Eines der Mädchen interessiert sich jedoch für Clays verschwundene Schwester und schließt sich ihm bei einem späteren erneuten Zusammentreffen an, um ihm bei der Suche zu helfen. Die anderen Jugendlichen wollen hingegen kaum mehr als saufen, kiffen und poppen. Dumm nur, dass zu diesem Zeitpunkt erneut Jason auf der Bildfläche erscheint...

Ich muss direkt heraus sagen, dass das "Remake" meine Erwartungen nicht vollends erfüllen konnte. Als Maßstab galt für mich das Remake zum Horrorklassiker "Blutgericht in Texas", bei dem ebenfalls Marcus Nispel Regie führte. Dieses Remake empfand ich quasi als "perfekt" und meine Erwartungen an Marcus Nispel waren dementsprechend hoch. Er hat durchaus solide Arbeit geleistet, aber das Jason-Remake bleibt meiner Meinung nach leider doch hinter dem TCM-Remake zurück.
Was mich gestört hat, war dass bis auf wenige Ausnahmen alle Heranwachsenden mehr oder weniger als "Säufer" und "Kiffer" dargestellt werden. Sucht die erste Gruppe schon nach einer Marihuanaplantage im Wald, so packt einer der Heranwachsenden der "neuen" Gruppe nach der Ankunft im Ferienhaus gleich als erstes eine Wasserpfeife aus. Sicher gab es bei den Originalfilmen auch immer mal wieder Szenen mit Drogen, aber es hat mir persönlich weniger zugesagt, dass es mehr oder weniger alle Heranwachsenden als "normal" betrachteten sich zur Unterhaltung die Birne mit Alkohol zuzukippen und das Hirn wegzukiffen. (Dieser Aspekt tritt jedoch zum Glück in den Hintergrund, als Jason mit seiner Machete auf der Fußmatte steht.)
Dennoch kann ich nicht behaupten, dass ich enttäuscht wurde. Man bekommt im Grunde alles geboten, was zu einem ordentlichen Jason-Film dazugehört . Titten und Sex gibt es mehrmals zu sehen und auch die Morde sind durch die Bank "deftig" (wenn auch leider nicht so "abwechslungsreich" wie in den Originalen) geworden. Es ist allerdings meiner Meinung nach noch durchaus Luft nach oben vorhanden, was die bereits angekündigte Unrated Fassung angeht. Wirklich "ausgewalzt" wird in der jetzt vorliegenden Kinofassung eigentlich nur ein einziger Mord. Die anderen Morde sind zwar auch nicht ohne, fallen aber merklich kürzer aus und sind meist recht schnell geschnitten.
Ein entscheidender Unterschied zu den Originalfilmen besteht darin, dass man (also die Opfer) bereits um die Bedrohung durch Jason weiß, als noch relativ viele Heranwachsende übrig sind. Bei den alten Filmen war es eigentlich immer so, dass das bereitgestellte Kanonenfutter nach und nach von Jason dahingemetzelt wurde und die anderen erst etwas davon mitbekamen, wenn nur noch "Held" oder "Heldin" übrig waren. Beim "Remake" erfreut sich zum Zeitpunkt dieser Erkenntnis noch die halbe Gruppe bester Gesundheit, was aber kein Negativpunkt ist. Es ist lediglich ein Unterschied zu den alten Filmen.
Zu den Darstellern der Heranwachsenden bleibt zu sagen, dass sie ihre Sache recht ordentlich machen. Ich fand sie nicht so "ätzend" wie die Heranwachsenden aus "Freddy vs. Jason", wo (aus heutiger Sicht) kaum jemand dabei ist, der mir richtig sympathisch ist und mit dem ich dementsprechen mitfiebern könnte. Zu den Heranwachsenden aus Nispels TCM-Remake sind sie aber dennoch kein Vergleich, denn mit denen habe ich doch deutlich stärker mitgefiebert.
Wenn man bereits "Jason X" und "Freddy vs. Jason" gesehen hat, weiß man in etwa was einem beim neusten Streich erwartet. Richtig "gewöhnen" werde ich mich an den "neuen" Stil des "Remakes" aber wohl erst nach mehrmaligem Ansehen. "Freitag der 13. - Todesfalle Manhatten" war der letzte "klassische" Jason-Film und die Atmosphäre beim Remake ist (erwartungsgemäß) schon eine andere als damals in den 80er Jahren. Was dem Film in meinen Augen nicht geschadet hat, sind ein paar bewusst "alberne" Dialoge. In einer Szene, in der ein Pärchen zum Beispiel gerade im Bett zugange ist, grabscht er ihr an den Möpsen herum und sagt (in etwa) "Baby, du hast so hammergeile Titten!" worauf sie nur antwortet "Oh, du weißt was ein Mädchen hören will!" Das halbe Publikum war am Lachen.
Der finale Kampf war mir persönlich etwas zu schnell geschnitten. Es gab da teilweise Momente wo ich kurzzeitig nicht richtig nachvollziehen konnte, was da gerade auf der Leinwand abgeht. Einfach nur cool fand ich hingegen das Ende. Es ist keine wirkliche Überraschung, aber die Art und Weise, wie man sich entschlossen hat den Film (vor allem an diesem Punkt) enden zu lassen, macht auf mich einen sehr runden Eindruck. Dafür gibt's von meiner Seite einen dicken Pluspunkt.
Bleibt noch positiv anzumerken, dass zwar vieles aber nicht alles nach Schema F abläuft. Wer zum Beispiel glaubt von Anfang an sagen zu können, wer stirbt und wer auf jeden Fall am Leben bleibt, der irrt garantiert. Und wer den "normalen" Trailer noch nicht gesehen hat, sollte dies vor dem Gang ins Kino auch NICHT mehr nachholen, denn dieser verrät im Gegensatz zum Teaser Trailer leider zu viel vom Film. So funktionierten für mich einige "Schocks" und "Überraschungsmomente" nicht mehr, weil ich durch den Trailer schon wusste was (nicht) passieren würde. Das fand ich teilweise doch recht schade.

Jason-Fans ist der neue Film auf jeden Falls ans Herz zu legen. Es mag zwar sein, dass wie in meinem Fall nicht alle Erwartungen erfüllt werden, aber unterm Strich ist es Nispel doch gelungen eine anständiges "Remake" abzuliefern, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt und vor allem von Anfang bis Ende durchgängig gut unterhält. Wer Jason also endlich mal auf einer Kinoleinwand sehen will, der sollte diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen.

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