Review

Auf den ersten Blick mutet es schon ein wenig seltsam an, dass sich Starproduzent Michael Bay und sein Genre-Label "Platinum Dunes" ausgerechnet "Friday the 13th (1980)" als neuestes Objekt für ein Remake ausgesucht haben. Wie wohl kaum ein anderes Horror-Franchise der letzten 50 Jahre wurde das Sujet um den unkaputtbaren Macheten-Schwinger Jason Vorhees, der mit Vorliebe unartige Teenies aufschlitzt, immer wieder in gleicher oder sehr ähnlicher Weise neu aufgewärmt. Nachdem Ende der 80er Jahre mit "Todesfalle Manhattan" die immer gleiche Story selbst bei den Hardcore-Fans nicht mehr ankam, übernahm New Line Cinema von Paramount das Ruder und gab der Reihe einen etwas flotteren Anstrich: "Jason goes to Hell" mixte die Slasher-Motive mit Elementen aus "The Hidden" und gab nach dem Finale schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das bevorstehende Aufeinandertreffen von Jason und der anderen großen Horror-"Cash Cow" Freddy Krueger. "Jason X" schickte den Killer schließlich gar in den Weltraum und wußte diese Absurdität geschickt mit Selbstironie zu kompensieren. "Freddy vs. Jason" bot dann 2003 schließlich ein comichaftes "Celebrity Deathmatch", das nun wirklich nicht mehr ernstzunehmen war und die Reihe beinahe schon auf eine Meta-Ebene brachte, in der die "creative Kills" nur noch schmuckloses Beiwerk waren.

Im Prinzip kann eine Neuauflage der frühen Jason-Filme (und also solche ist der Film im Grundsatz konzipiert: als eine Art "Best Of" der Teile 1-3) also nicht viel Neues bieten, und da das Publikum, selbst außerhalb der Hardcore-Fanbase, auch dank postmoderner Slasher wie "Scream" mit der Funktionsweise und den Regeln des Stalk´n´Slash-Genres bestens vertraut ist, fragt man sich, worin der Sinn eines solchen Remakes im Jahre 2009 liegen soll (der schnöde Mammon als Motiv mal ausgenommen).

Letztendlich kann es bestenfalls darum gehen, die alten (und etwas neueren) Fans der Reihe zufriedenzustellen, und dank eines gewissen Nostalgie-Faktors (ja, die guten alten Camp-und Exploitation-Filme der 70er und 80er Jahre. - Auch meine Wenigkeit vermisst diese "seligen" Horror-Kino-Zeiten etwas) könnte die Rechnung durchaus aufgehen.

Das mag wohl auch der Grund dafür sein, dass Regisseur Marcus Nispel, welcher mit dem, ebenfalls von "Platinum Dunes" produzierten, Remake von "The Texas Chainsaw Massacre" seine Fähigkeiten als Genre-Regisseur bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte, "seinen" Jason-Film eher in der Tradition klassischen Terrorkinos inszeniert hat, in der Jason auch mal ein Opfer entführt und in seiner Höhle gefangenhält anstatt es wie üblich sofort zu töten. Dazu passt auch, dass Jason nun sehr schnell zu Fuss ist und eines seiner Opfer schon mal von Weitem mit Pfeil und Bogen erledigen darf. Die selbstironische und selbstreferenzielle Ader der letzten "Friday"-Filme geht Nispel´s Werk fast völlig ab. Stattdessen wirkt der Streifen wie eine Mischung aus Survival-Horror (Jason stellt seinen Opfern gar richtige Fallen!) und dem Slasher-Film der frühen 80er Jahre. Letzteres wird durch die Charakterisierung der Teenies, die wie eh und je ein paar unbeschwerte Tage am Crystal Lake verbringen wollen, besonders deutlich: Die Mädels sind fast nur daran interessiert, ihre markanten Vorzüge zu zeigen und die Jungs denken nur an Sex, sowie ans Saufen und Kiffen. Das Resultat sind dann Dialoge auf dem Niveau der letzten "American Pie"-Machwerke. Das kann man dann lustig finden, wenn man im "richtigen" Alter ist. Ich fand es eher nervig, im Vergleich etwa zu dem bescheuerten Klischee-Hippie aus "Und wieder ist Freitag der 13." oder dem dicken "Spaßvogel"(gleicher Film!) war das "Kanonenfutter" aber noch einigermaßen erträglich.

Die puritanische Grundhaltung der "Friday"-Filme (Sex und Drogenkonsum bedeuten Tod!) bricht hier ziemlich deutlich hervor, was im Jahre Eins nach George W. Bush schon etwas befremdlich anmutet, an dieser Stelle aber nicht weiter erläutert werden soll.

Über die Story muss man im Prinzip kaum Worte verlieren (Bruder sucht verschollene Schwester, welche nach einem Camping-Ausflug nicht mehr zurückgekehrt ist, und trifft am Crystal Lake auf die Teenie-Clique). Jared Padalecki ("Supernatural") in der Hauptrolle macht seine Sache ordentlich, auch die Darsteller der adoleszenten Opfer-Lämmer fallen zumindest nicht negativ auf, haben aber auch Genre-bedingt nicht viel zu leisten. Derek Mears (der in "The Hills have Eyes 2" vorher schon mal als Monster agieren durfte) als Jason Vorhees überzeugt ebenfalls in seiner bedrohlichen, fast Raubtier-artigen, Präsenz.

Ist der neue "Freitag der 13." nun aber ein guter "Freitag"-Film?

Letztendlich entscheidet über die Beantwortung dieser Frage auch in hohem Maße der gebotene Bodycount und der Blutgehalt, schon immer der wichtigste "Qualitäts-Maßstab" der Reihe.
Der Bodycount ist relativ hoch (zumindest verglichen mit dem Original-Film) und stellt somit zufrieden. Echten Splatter gibt es dagegen kaum: Die Morde sind schnell, brutal und durchaus blutig, allerdings wenig einfallsreich und, bis auf 1-2 Ausnahmen, auch nicht sonderlich detailiert dargestellt. Nispel mochte anscheinend, dem Ansatz, echtes Terror-Kino zu schaffen, geschuldet, den Funsplatter-Gehalt von "Jason X" und "Freddy vs. Jason" nicht besonders und entschied sich daher wohl dafür, auf Übertreibungen in dieser Hinsicht (zumindest in der R-Rated-Kinofassung) weitestgehend zu verzichten. Splatter-Fans werden somit eher enttäuscht. Dennoch gibt es ein paar deftige Szenen (Stichworte: Machete im Kopf; der Schlafsack-Tod am Anfang) und das Gewaltniveau liegt etwa bei dem des Original-Films.

Erfreulich ist auch das hohe Tempo des Films:
Die ersten 20 Minuten reissen den Zuschauer wirklich mit und überraschen mit der hohen Zahl an Toten in diesem Zeitraum.

Auf der technischen Seite gibt es, wie zu erwarten war, nichts zu bemängeln: Das Setting ist bedrohlich-düster (ein Lob an den Set-Designer für das wunderbar heruntergekommene Vorhees-Haus) , der Film ist zwar relativ schnell geschnitten, das Geschehen aber jederzeit leicht überschaubar, die Musikauswahl (von der überflüssigen HipHop-Einlage mal abgesehen) gelungen und der Score unterstützt das Geschehen passend.

Insgesamt also ein durchaus gelungener Neuaufguss, der zwar ruhig etwas blutiger und überraschender hätte ausfallen dürfen, der allerdings gut unterhält. Vielleicht kein wirklich zwingend notwendiges Remake, im filmischen Mikrokosmos der "Friday"-Filme aber ganz sicher kein Reinfall.

(7/10)

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