Review

FREITAG DER 13. 2009:

Jetzt wird es persönlich...
...und ich muss etwas weiter ausholen.

Die meisten Gelegenheitskinobesucher werden meine Sorgen und Beschwerden wahrscheinlich nicht verstehen können, doch ich bin ein Fanboy und für mich ist die FREITAG DER 13. Filmreihe nicht einfach nur Popcorn-Horror für zwischendurch. Sie war für mich die Filmreihe schlechthin und ist es in gewisser Weise noch. Sie hat mich Jahre lang begleitet, u.a. durch die Pubertät, hat mir unzählige Stunden Freude am heimischen Videogerät beschert und hat meine Liebe zum Horrorgenre geprägt wie kaum etwas anderes auf Zelluloid Gebanntes. Ich habe die einzelnen Filme der Saga so oft gesehen, dass ich sie nahezu auswendig kenne. Jason war mein Held und der Crystal Lake war für mich geheiligtes Terrain. Es soll Trekkies geben, die sich darüber aufregen, dass in einer Folge von einer der Serien über Raumschiff Enterprise die Baupläne des Antriebs einmal nicht korrekt dargestellt werden. Hält man sich das vor Augen, dann ist mein Ärger darüber, dass jemand an Jason Voorhees und den FRIDAY THE 13THs rumpfuscht, doch wohl noch verständlich. Denn wir reden hier schließlich über die Reihe, bei der ich in der Vergangenheit gleich dreimal die Höchstwertung 10 von 10 vergeben habe. Etwas, das nun wirklich eine ehrliche und persönliche Auszeichnung von mir ist, da ich dies nur sehr selten tue.

Der Grund für meinen Groll: Die Tatsache, dass der neue Freitag kein straightes Sequel ist, sondern ein Remake, Reboot, Restart, Re-Imaging, was auch immer. Das sind viele nette und unsinnige Bezeichnungen für etwas, das im Grunde keine Existenzberechtigung hat. Meine große Befürchtung bzw. der Anlass dafür, dass ich diesen Film regelrecht wie die Pest in den vergangenen Monaten mied, war einfach der, dass an Jasons Vergangenheit grob rumgespielt werden könnte. Generell muss ich jenes Argument, dass Remakes in der noch jüngeren Vergangenheit Wunder an tot geglaubten Horror Franchises bewirken konnten, strikt zurückweisen, weil es im Falle von Jason einfach nicht greift. FREITAG DER 13. ist kein verstaubtes Einzelwerk, das längst in Vergessenheit geraten ist und 30 Jahre lang brach lag, sondern eine noch lebendige Endlosreihe. Anders als bei TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder DAWN OF THE DEAD, wo die meisten Leute nicht einmal wissen, dass zu den alten Originalen erfolglose Sequels überhaupt existieren, wurde FRIDAY stets als Serienkonzept mit unendlich vielen Nachschlägen wahrgenommen. Was bei TCM 2003 und dem neuen DOTD also durchaus legitim war, nämlich eine Neuinterpretation eines uralten Stoffs zu präsentieren, kommt im Falle von FREITAG DER 13. viel zu verfrüht und ist daher völlig unnötig. Lägen zwischen dem letzten Teil (von 2003) und dem Remake aber etliche Jahre, in der eine völlig neue Generation von Kinogängern herangewachsen wäre, die Jason Voorhees nur noch aus alten TV-Wiederholungen kennen würde, dann wäre die Situation natürlich eine andere und ein Restart ein notwendiges Übel. Ich sage es, wie es ist: Nichts von dem, was ein noch so starkes Remake zu bieten in der Läge gewesen wäre, hätte nicht auch in ein viel geschmeidigeres und nahtlos anknüpfendes Sequel hinein gepasst. Mehr Spannung? Mehr Düsternis? Wieder ernsthaftere Stimmung? Wäre alles auch im Rahmen einer Fortsetzung möglich gewesen.

Warum also plötzlich einen Schluss-Strich ziehen und einfach komplett neu anfangen? Ein solches Vorgehen öffnet nur falschen Neuinterpretationen Tür und Tor. Meine Angst war es nämlich, dass der neueste Teil nun alle bisher am Crystal Lake stattgefundenen Ereignisse für null und nichtig erklären und die Ikone Jason Voorhees all ihrer übermenschlichen Mystik berauben könnte. Darum ließ das Wort „Remake" in Verbindung mit dem Titel FRIDAY THE 13TH in meinem Kopf die Alarmsirenen erklingen. Und all jene selbsternannten Fans, die es wagten, diesen ketzerischen Neuanfang zu dulden oder ihn gar akzeptierten, wurden auf einmal in meinen Augen zu Verrätern an der einst so großartigen Filmreihe. Denn diese Leute, die da sagten „Hauptsache, es geht irgendwie und in irgendeiner Form weiter.", hatten absolut nichts begriffen. Bei den Fridays ging es nämlich immer um sehr viel mehr, als nur irgendeinen Kerl mit Hockeymaske, der unbedarfte Teenies im Wald abschlachtet. Jason durchlief nämlich eine nahezu geradlinige Evolution. Ihn jetzt in irgendeiner Weise menschlicher und nur geringfügig schwächer als zuletzt in FREDDY VS. JASON darzustellen, war und ist für mich ein Sakrileg. Wie gesagt: Wer die Fridays nicht so sehr liebt, wie ich es tue, der kann dies nicht nachvollziehen. Ich wollte jedenfalls keinen Hinz oder Kunz als neuen Jason sehen, wie er nach nur einem Messerstich oder Pistolenschuss ins Bein für den Rest des neuen Films durch die Gegend humpelt, nur um ihn „menschlicher" zu machen.

Der Punkt ist doch, dass ein neuer Teil sich hauptsächlich nach den Wünschen der Fans richten sollte. Schließlich waren es diese treuen Seelen, und nicht etwa die wankelmütigen Durchschnittskinobesucher, die in all den guten wie schlechten Zeiten zu Jason gehalten haben, in ihrer Kreativität Fanart zu Jason fabrizierten, Fanmails an die Studios schickten, Artikel zu FRIDAY THE 13TH kauften, die Reihe überhaupt am Leben erhielten. Warum also einen 08/15-Film mit irgendeinem Killer mit Hockeymaske produzieren, alle Regeln der Saga aus dem Fenster werfen, nur um der breiten Masse ein x-beliebiges Produkt schmackhaft zu machen, während der echte Fan vor Wut schäumt?

Der neue Film wurde auch zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt gedreht, als gerade die langjährige Internetplattform für den harten Kern von Fans durch einen Rechnercrash ausgelöscht wurde. Wenn selbst der Betreiber des damaligen Forums einen Seiten langen, offenen Brief an die Produzenten schrieb, in dem er seine Bedenken gegenüber eines Remakes zum Ausdruck brachte, dann hätte doch allen gedankenlosen Remake-Proleten ein Licht aufgehen müssen: So ein Projekt hätte durch eine Petition verhindert und in ein Sequel abgewandelt werden müssen. Aber nein, da hatten sich schon einige selbsternannte Fachleute mit dem Remake angefreundet. Hätten wir Fans seinerzeit zusammen gestanden und alle an einem Strang gezogen...hm, vielleicht hätte es auch gar nichts gegen die raffgierigen Filmfutzis von Platinum Dunes bewirkt, aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen immer zuletzt.

Nun, im Nachhinein haben sich meine Sorgen teils bewahrheitet und teils zerschlagen. Trotzdem ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung, wenn auch nicht ganz die totale Katastrophe, die ich befürchtet hatte. Aber offenbar haben die Macher kalte Füße bekommen und sich mit ihrer eigenen Courage verschätzt. Darum ist das Remake gar kein echtes Remake, sondern ein hässlicher Bastard und Hybride, der weder echter Neustart noch taugliche Fortsetzung ist. Es gab ja nur 2 Möglichkeiten: Entweder man filmt das alte 1980er Original 1:1 neu ab, was überflüssig und eigentlich abscheulich wäre, oder man wurschtelt eben irgendetwas aus Versatzstücken mehrerer vergangener Teile zusammen, dass sich letztlich hoffentlich halbwegs nach einem alten Friday anfühlt.

Mir stieg schon einmal vor Jahren im Kinosaal die Brühe bis zum Hals, als ich mit ansehen musste, wie eine von mir verehrte und heiß geliebte Filmfigur, in diesem Fall Godzilla, in einer beleidigend schlechten Neuauflage völlig verhunzt, ja regelrecht auf der Leinwand vergewaltigt wurde. Ganz so knüppeldick kam es diesmal nicht, aber zufrieden war ich ebenso wenig. Meine monatelange Skepsis wurde größtenteils bestätigt.

Und noch eine Sache stieß mir von Beginn an sauer auf am neuesten FRIDAY THE 13TH: Ein großes Revival der Kultreihe hatte es doch bereits gegeben. Der Titel dieses Kassenhits, der Jason wieder für die breite Masse attraktiv machte, lautete: FREDDY VS. JASON. Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an diesen Knaller. Da wurden sogar gleich 2 große Ikonen durch ein grandioses Crossover wieder auf die große Bühne zurückgebracht. Es folgte eine wahre Flutwelle an Merchandising: Jason Comics, Jason Romane, Jason Plastikfiguren zu sämtlichen Filmteilen, eine erste echte DVD-Box vom ehemaligen Lizenzbesitzer Paramount, und, und, und. Doch was machten die Schnarchnasen von New Line Cinema? Drehten sie innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre die nötige Fortsetzung, um noch kräftig vom Jason-Hype zu profitieren? Nein, sie saßen untätig rum und ließen die kostbare Zeit verstreichen, bis ein weiterer Neustart notwendig wurde. Kein Wunder, dass diese Doofköppe es geschafft haben, von einer vitalen und unabhängigen Filmgesellschaft anno 2003, wo man mit FREDDY VS. JASON und der HERR DER RINGE Trilogie fett im Geschäft war, im Laufe nur weniger Jahre zu einer unbedeutenden Phantomgesellschaft unter der Fuchtel der Warner Brothers zu degenerieren. New Line hat es verbockt und einfach nicht anders verdient.

Zum neuen Film selbst kann nun ich nicht viel Positives sagen. Er schaut von Anfang bis Ende aus wie ein hingerotzter Schnellschuss von Leuten aus, die noch nie einen alten Teil der Saga mit eigenen Augen gesehen haben, die Reihe gar nur vom Hörensagen her kennen und sich dementsprechend in lauter Klischees verrennen, aber dabei die eigentliche Stimmung, die schöne Essenz von FREITAG DER 13., nicht zustande bringen können. Umso enttäuschter bin ich von der Tatsache, dass dieselben beiden Drehbuchautoren wie beim letzten Film, also das geniale Gespann hinter FREDDY VS. JASON, für diese lustlose und abgedroschene Neuauflage verantwortlich sind. Aber vermutlich mussten sie sich dem Diktat der Produzenten beugen und haben womöglich noch das Bestmögliche aus der Sache herausgeholt. Ich hatte mich auf ein anderthalb Stunden langes Film-Martyrium eingestellt, ein respektloses Ins-Gesicht-Gespucke für mich als treuen Fan, doch es blieb zum Glück nur bei einer schallenden Ohrfeige. Aber weh tut es dennoch, sich einzugestehen, dass der neueste Friday reichlich saugt und ganz offensichtliche Defizite offenbart. Die dünne Story ist total aus den Fingern gesaugt und lustlos inszeniert. Es geht ja schon los mit dem rasanten Abspulen des Finales des 1980er Originals. Das ist schauspielerisch so erbärmlich gehandhabt und so nebensächlich. Wie Nana Visitor ihre paar Zeilen als Mama Voorhees runterplappert wie eine Maschine. Und dann diese völlig unnötige Nebenhandlung mit den Drogen und Jason mit dem ollen Sack auf dem Kopf, als ob das eine Huldigung an Teil 2 darstellen würde. Und wie er dann völlig beiläufig die Eishockeymaske ergattert. Das ist alles so lieblos hingeschludert. Das hätte man sich auch alles schenken können. Nostalgie bei meinem haarigen Hintern. Dass Jason ein Mädchen wegen einer Ähnlichkeit zu seiner Mutter (?) Wochen lang einkerkert und am Leben lässt, sein neues Versteck mit den Tunneln, die von ihm aufgestellten Fallen, der völlig unpassende Schlafsack-Kill... Das sind alles Punkte, wo ich nur mit dem Kopf schütteln kann. Das hat mit Jason Voorhees nur noch ganz wenig zu tun. Irgendwann folgt dann das x-beliebig austauschbare Finale mit einer einzigen, lahmen Methode zur Beseitigung Jasons. Ist halt nicht mehr Hodders angepisster Power-Jason, nur noch ein abgeschwächter Bauer-Jason, aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Und es hätte, wie oben kurz angedeutet, ja noch viel schlimmer kommen können. Schade aber, dass der stimmige Teaser Trailer mehr Wucht besitzt als der volle Film.

Wenigstens imitiert man optisch nicht den dreckigen Look von TCM 2003, was ja durchaus zu befürchten war. Dafür hat Regisseur Marcus Nispel, der es mit Leatherface noch so richtig krachen und dabei wahre cineastische Energien frei ließ, mit dem Stoff diesmal wohl nichts anzufangen gewusst, denn sein Freitag wirkt wie eine lieblose Auftragsarbeit ohne jegliche Sorgfalt und Liebe zum Detail. Man merkt dem gesamten Film förmlich an, dass da die Regie nicht mit dem Herzen bei der Sache war.

Während die Bilder erwartungsgemäß poliert, modern und stylish sind, gibt es in akustischer Hinsicht nichts Gutes zu vermelden. Die neue Filmmusik setzt keinerlei Akzente, geht völlig unter und läuft eben so nebenher. Dabei waren doch gerade die mitreißenden Kompositionen eines Harry Manfredini in den frühen Tagen der Fridays ein ganz wichtiger Faktor für das schaurige Gruseln im Camp Blood. Okay, auch Meister Manfredini hat ab dem 5. Teil in seinem musikalischen Werk immer mehr nachgelassen und spätestens bei JASON X nur noch dünnes Gedudel zustande gebracht, aber verdammt noch mal, wenn man nach einem FREITAG DER 13. nicht eine einzige schöne Melodie mehr im Kopf hat, weil es da nichts Markantes auf die Ohren gab, dann ist da doch etwas völlig schief gelaufen. Stattdessen erklingen zu oft und zu laut seelenlose Songs aus den Charts von heute und selbst das geniale Erkennungsgeräusch der Reihe, das Ki-ki-ki-ma-ma-ma, kommt viel zu wenig zum Einsatz. Nur dümmlichste Sprüche über Sex und Drogen dringen ständig gewaltsam in unsere Ohren ein und beleidigen unser Gehirn.

Und da sind wir auch schon bei der größten Schwäche des Friday Remakes angelangt: Den Jugendlichen. Die waren am Crystal Lake stets stupide und nur Kanonenfutter für unseren liebsten Serienmörder, doch in den klassischen Teilen aus den 80ern hatten die wenigstens stets auch eine eigentümlich sympathisch-naive Seite. Man konnte ihnen das Bumsen, Kiffen, Fluchen und Doofsein nie ganz übel nehmen. Ihre neuesten Nachfolger imitieren nur noch ihr nerviges Balzverhalten, aber mit der Sympathie ist es Essig. Noch heute, ein sattes Vierteljahrhundert nach Teil 4, DAS LETZTE KAPITEL, erinnern sich Horrorfans gerne an Gestalten wie Ted und Jimbo zurück, weil die beiden Screwball-Flachpfeifen etwas Menschliches und Lustiges an sich hatten. Man hat ihre gewaltsamen Tode gar bedauert. An die widerlichen Sexjunkies aus dem 2009er Remake wird sich hingegen schon in 2 Jahren niemand mehr zurückerinnern können. Und an ihre bedeutungslosen Tode schon gleich gar nicht. Selbst bei einem FRIDAY THE 13TH kann es doch nicht angehen, dass er uns noch immer mit den selben uralten Stereotypen von anno dunnemals und dann noch in extrem ätzender Variante obendrein anstinkt. Das blonde Luder, das mit dem fiesen Widerling anbandelt und seine operierten Brüste zeigt, der hirntote Kiffer, das ganze hohle Geschwätz dieser Truppe, das ist von A bis Z Schnee von vorgestern.

Kommen wir damit zur eigentlichen Königsdisziplin eines jeden Fridays: Dem Töten. Und hier enttäuscht das neue Werk fast auf ganzer Linie. Die entsetzlich nervigen Charaktere blödeln zu lang rum, leben zu lange, nerven zu lang und werden letztendlich zu rasch und auf zu unbedeutende Weise liquidiert. Ihre schnellen Abgänge stehen in keinem Verhältnis zu den etlichen Minuten zuvor, in denen sie uns Zuschauern das Hinschauen schwer gemacht haben. Wenn es sie dann endlich mal erwischt, dann ist das weder übermäßig blutig, noch originell, noch denkwürdig. Es geschieht eben einfach. Dass ein Remake, welches uns zuvor mit einem harten R-Rating zu ködern versuchte, letztlich so wenig auf der Pfanne hat - und das nach Werken wie HOSTEL, den SAW-Filmen und auch noch einmal FREDDY VS: JASON - ist ein absoluter Hohn. Wir Jason-Fanatics sind doch mit den FX von Tom Savini und KNB groß geworden und dann soll im Jahre 2009 ein popeliger Kehlenschnitt mit der Machete noch ausreichen, um uns in Ekstase zu versetzen? Nichts von dem, was Jason dieses Mal an Schandtaten begeht, ist noch in irgendeiner Weise frisch, schockierend oder gar brutal. Das soll nicht heißen, dass die neuen Morde komplett unbefriedigend gewesen wären, aber sie waren zu banal, zu kurz und nicht zahlreich genug. In den vergangenen paar Fortsetzungen tötete Jason stets mehr als 20 Opfer, aber jetzt wieder auf einen Bodycount von 13 Victims runter zu schalten ist ein totales No-no. Nun könnte man argumentieren, dass weniger Morde mehr Zeit für die Entwicklung der vorhandenen Charaktere bedeuten würden, aber das kommt leider nicht hin. Die Teenies sind dumm wie Brot, möglicherweise sogar dümmer denn je, aber bei Blut und Gore fallen dennoch die überschaubaren Mengen negativ ins Gewicht. Ich habe auch so meine Zweifel, dass die Unrated DVD (übrigens ein immer mehr überstrapazierter Begriff) da noch viel korrigieren kann.

Jason bekommt auch zu wenig zu tun. Er huscht gelegentlich für eine Sekunde durchs Bild, aber neue markante Momente mit ihm gibt es fast nicht. Dabei wurde mit Derek Mears ein viel versprechender und engagierter Mann für diese traditionsreiche Rolle verpflichtet, dessen Bemühungen aber an der Regie und dem Drehbuch scheitern. Der neue Jason ist in vielerlei Hinsicht zu schwach, zu humanoid, zu ausdruckslos und daher von seiner Leistung her nicht im Entferntesten mit einem Kane Hodder, ja selbst kaum mit einem Ted White oder Steve Dash zu vergleichen. Wo doch Mears so einen interessanten Schädel hat, fast wie ein Michael Berryman so natürlich hässlich verformt, und als Jason kaum MakeUp benötigt. Der Mann ist quasi Jason. Aber er wird viel zu wenig gezeigt.

Sehr skeptisch war ich gegenüber Jasons neuem Outfit. Das dreckige, fast hautfarbene T-Shirt und vor allem der viel zu große Mantel, der Jasons Beine wie die eines dürren Storchs ausschauen lässt, aber da Jason im fertigen Film eh immer nur so knapp zu sehen ist, fällt das kaum ins Gewicht. Er hätte ja auch wie Kenny mit seinem Parka aus SOUTH PARK wirken können: „Oh mein Gott, sie haben Jason getötet!" „Ihr Schweine!" War dann doch halb so arg und die Hockeymaske, obwohl eine Nummer zu groß, haben die doch recht ordentlich hinbekommen.

Man kann es letztlich drehen und wenden, wie man will, aber der aktuelle FREITAG DER 13. ist ein mittelschweres Debakel, der zusammen mit Rob Zombies HALLOWEEN nur das Schlimmste für künftige Remakes wie NIGHTMARE ON ELM STREET, HELLRAISER und CHILD'S PLAY erahnen lässt. Die Ikonen des modernen Horrorfilms werden der Reihe nach würdelos verhackstückt. Da muss man als langjähriger Horrorliebhaber in den kommenden Monaten und Jahren sehr tapfer sein. Ganz so übel wie Zombies Vergehen an Michael Myers ist Nispels Friday dann auch wieder nicht, denn er stellt zumindest etwas dar, das ein wenig nach FREITAG DER 13. ausschaut und diese Filmreihe war mir eh immer schon um Welten lieber als das öde Messerstechen in Haddonfield. Es ist eben ein herkömmlicher Slasherfilm im Wald, mit Klischees überladen, eines Jason Voorhees fast unwürdig, aber keine solche Anhäufung an bescheuerten Einfällen wie bei JASON GOES TO HELL, der mir als einziger Teil nie ans Herz gewachsen ist. Darum steht das Remake bei mir in der Hierarchie zumindest an vorletzter Stelle. Ich muss diesen Film nicht komplett ignorieren, wie ich es ursprünglich mal geplant hatte, aber meine Neugier wurde dennoch hart bestraft. Ich kann ihn mit viel Phantasie in die Timeline der alten Reihe einfügen, denn es wird ja auch gesagt, dass es seit 30 Jahren immer wieder zum Verschwinden vieler Camper am See gekommen sei. Der Tod von Jasons Mutter ist halt eine Neuinterpretation, die aber keine Bedeutung hat. Und dass Jason anfangs eben den Sack als Maskierung trägt... naja, das Remake lässt sich mit Mühe und Not wohl doch irgendwo „dazwischen" schieben, wenn es denn sein muss.

Hinterher musste ich mir mal wieder einen richtigen FREITAG DER 13., und zwar Teil 7 JASON IM BLUTRAUSCH geben, nur um den fiesen Nachgeschmack des Remakes loszuwerden und mir selber vor Augen zu führen, was ich liebe und was Jason Voorhees mir bedeutet. Das einzig wirklich Positive am Remake ist die Veröffentlichung einer neuen Dokumentation namens HIS NAME WAS JASON, von der ich mir zehn Mal mehr erhoffe als vom jüngsten Kinofilm.

Meine Hoffnung für die Zukunft: Dass die hohen Einspielergebnisse, welche übrigens nur für das clevere Marketing, nicht aber für die tatsächliche „Qualität" des Films sprechen, zu einer raschen Fortsetzung führen, die nicht direkt am Remake anknüpft, sich wieder wie ein echter FREITAG DER 13. von früher anfühlt, mit einem starken Jason und auch wieder sympathischeren und weniger überzogenen Jugendlichen, mehr Blut, mehr Suspense, mehr Kreativität, usw. Es wäre ja schließlich FREITAG DER 13. TEIL 13 und dieses magische Jubiläum dürfen die uns nicht auch noch verderben.

Kopf hoch, Jason, alter Freund, du hast schon ganz andere Dinge überlebt.

Meine Wertung: Überaus spendable 4 von 10.

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