Kaum etwas ist so armselig wie der Typ, dem seine Eltern alles geschenkt haben, der sich aber genau deswegen unbedingt in deinen Freundeskreis einkaufen will. Außer vielleicht deine Freunde, die auf die Masche auch noch eingehen, weil sie glauben, daß sie davon auch noch profitieren könnten.
So eine Klette der Anbiederung ist Marcus Nispels „Freitag der 13.“-Remake/Re-Imagination/Best-Off, das es zu einem erhofften Massenstart in den Weltkinos gebracht hat, in der trefflichen Annahme, die neue Generation von Teenagern hätte genügend Taschengeld parat, um erfahren zu wollen, worüber Mom und Dad sich vor einem Vierteljahrhundert gegruselt haben, in der irrigen Annahme, man hätte das Rezept des totalen Horrors mittels einer wahren Ikone des Splatters in irgendeiner Art und Weise verstanden oder verfeinert.
Nispel, ohnehin eher ein egozentrischer Clip-Regisseur, der sich mittels eines zwar kontrovers aufgenommenen, aber genauso einträglichen „Texas Chainsaw Massacre“-Remakes einen Namen, aber keine Reputation außer der oben beschriebenen gemacht hat und der dann mittels eines weiteren Remakes seinen optisch ansprechenden, aber kreativ untalentierten Bankrott erklären durfte, konnte hier wieder auf sein bewährtes Rezept zurückgreifen: man nehme einen bekannten Film oder eine Filmreihe, montiere das alles neu zusammen, statte das alles aufwändig aus und verkaufe es möglichst teuer, so daß hoffentlich noch einmal keiner merkt, daß man keine Ideen hat.
Jetzt also ran an den großen Jason Vorhees, dessen endlos scheinende Filmreihe schon kein Maßstab an Originalität war, aber dennoch solide Massen von Fans anzog, um 10 Fortsetzungen zu generieren.
Vorgegangen wird nach dem bewährten Rezept: man suche sich das scheinbar Beste aus den Vorgängern raus und schustere das alles irgendwie zusammen. Ergo gibt’s schon zu den Credits die Enthauptung von Mama Vorhees (Original), dann meuchele man eine erste Gruppe junger Leute, die in der Crystal-Lake-Gegend nach einer Haschplantage suchen oder vögeln wollen und dann noch eine Gruppe von juvenilen Arschgeigen, die in einem Seehaus Party machen, während ein dynamischer Jungmime nach seiner Schwester (Gruppe 1) fahndet.
Das ist dann serientreu der ganze Plot, der einzig darauf ausgerichtet ist, zu garantieren, daß im Publikum auch niemand einnickt, weswegen die Metzeleien hier auch in Schüben kommen, damit die nervigen Alibi-Charakterisierungen wegfallen, die man auf VHS und DVD sowieso immer überspult.
Stattdessen müssen die Kids natürlich was Prickelndes bekommen und daher gibt’s von allem das vermeintlich Beste: die dümmsten Kiddies/Opfer, die höchste Frequenz an Titten, die schicksten Flüche, die dollsten Saufereien (auf American-Pie-Niveau), den längsten Freitagssex und im Drei-Minuten-Takt Gemeuchel.
Damit will man zwar um den Anschein des Behelfsplots rumkommen, doch dabei kommt nicht mal eine Selbstparodie des Genres heraus, sondern etwas dermaßen Künstlich-Übergroß-Albernes, daß es schon wieder ein wunderbarer Abgrund an Lächerlichem ist. Kein Klischee, daß nicht gewollt selbstironisch überhöht dargeboten wird: der asiatische Kiff-Dummschwätzer, sein schwarzer Kumpel mit dem Rap-Labelplan (die einzigen, haha, ohne Mädel), der arrogant-arschige reiche Hausbesitzer, das nette Häschen, das lieber mit dem geplagten Brüderchen auf die Suche nach Schwesterchen geht und die rallige Bumsblondine, die sich den Gastgeber krallt, von den Marihuanasuchern (klar, Plantagen für sowas stehen im dunklen Forst...!!!), die Sex und Drogen zugleich wollen, mal ganz zu schweigen.
Als Ausgleich ist Jason allüberall, kommt mit Sack und ohne und ab dem zweiten Drittel dann mit Eishockeymaske daher, hackt, schießt, harpuniert, verbrennt, häckselt und machetet sich durch das brünstige Gewürm, nur Steigerungen sind irgendwie nie drin. Als humaner Gegenpart bemüht sich Jared Padalecki (Gilmore Girls, Supernatural) vergeblich um Profil, weil ja seine Schwester Jasons Mutti ähnelt und er sie im Keller versteckt. Dargeboten wird das alles in einem nominell-bruchreifen Camp Crystal Lake, das Nispel aber vor allem für eines nutzt, nämlich um den erfolgreichen Look seines Horrorvorgängers, „TCM“ zu zitieren, bedient sich aber auch reichhaltig bei „Wrong Turn“, „House of 1000 Corpses“ oder „Hills have eyes“, präsentiert stolz den guten alten Schmutz- , Schrott- und Schimmellook, wenn die Protagonisten durch dunkle Tunnel voller Unrat unter den Hütten krabbeln.
Anstatt nun mal etwas Ruhe, Majestät und Brillianz in die Schnellschußsaga zu bringen, läßt Nispel seine Kameraleute wie wild drehen und kreiseln, die Handkamera ist öfters im Einsatz, nur echte Atmosphäre bringt das nicht, maximal Selbstzitate. Und der Plot rettet nichts, wo man dem Ganzen Substanz hätte verleihen können: ein Cop tritt auf und stirbt, die umliegenden Bewohner scheinen von der Existenz des Metzlers mal zu wissen und mal nicht und im Wesentlichen zielt der Fokus darauf, die nervtötenden Teenager um die Ecke zu bringen, die außer Sex, Drogen, Wichsen und Saufen natürlich nüscht im Kopf haben. Jaja, will Onkel Nispel sagen, so war die Moral damals, heute halten wir euch damit hoffentlich bei der Stange.
Besondere Sorgfalt sein in der Szene angemerkt, in der Jason einen Bootsfahrer harpuniert, woraufhin der mit seinem Boot auf seinen im Wasser treibenden Blondbimbo zuraßt, die jubelnd so lange winkt (ungeachtet eines direkten Kollisionskurses) bis das Boot sie am Kopf rammt, was sie jedoch in einer folgenden Szene unter einem Steg nicht daran hindert, ihre Platzwunde komplett verschwinden zu lassen.
So gerät die Neuauflage zu dem 281.Aufguß bekannter Schemata, ohne Witz oder Pfiff und nur mit der marginalsten Psychologisierung, daß sich klebrig an das Publikum anschleimt, das hoffentlich ja sowieso nur die harten Gore-Effekte abfeiern will und das ggf. auch getan hat. Ein Musterrezept vom Gröbsten, was das Untergenre bietet, solide ausgestattet, aber ohne Größe oder echte Präsenz. Für einen schnellen Cash-In-Erfolg wird es reichen, danach wird kaum noch jemand darüber sprechen wollen, außer beim unvermeidlichen Sequel.
Und dem prophezeie ich schon mal einen Gewinnmargeneinbruch, weswegen das Konzept baldigst eingemottet wird. (3/10)