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"Sie müssen bestraft werden, Jason. Für das was sie dir angetan haben."

Whitney (Amanda Righetti) und vier ihrer Freunde sind auf einem Wochenendtrip zum Crystal Lake. Aus einem lässigen Ausflug wird allerdings nichts, denn der Serienkiller Jason Voorhees (Derek Mears) macht dort seine Runde und tötet die Jugendlichen.
Einige Tage später ist Clay (Jared Padalecki) auf der Suche nach seiner vermissten Schwester Whitney. Entgegen den Warnungen der Polizei und der Anwohner begibt er sich zum Crystal Lake, wo eine Spur hin führt. Dort befindet sich mittlerweile eine Gruppe Studenten in einer Ferienwohnung. Die hilfsbereite Jenna (Danielle Panabaker) begibt sich mit Clay auf die Suche während Jason erneut zuschlägt.

"Freitag, der 13." ist der zwölfte Teil der Filmreihe um dessen Kultfigur Jason Voorhees. Obwohl Regisseur Marcus Nispel ("Pathfinder - Fährte des Kriegers") von Anfang an von einem Remake des ersten Teils sprach, verwurstet er gleich die ersten drei und interpretiert sie neu. Frei zu erkennen daran, dass kurz nach Start Pamela Vorhees den Tod findet, Jason zu Beginn mit einem Sack über dem Gesicht herum läuft und während des Films die berühmte Hockeymaske findet.

Auch sonst hält sich die Neuauflage sehr nah an den Originalen. So enthält die Handlung keinerlei Höhepunkte und führt ihre einmal mehr schablonenhaften Identifikationsfiguren nach und nach vor Jason's Machete.
Nachdem die erste Gruppe in ihrer Camping-Nacht dem Machetenmann zum Opfer gefallen ist, beginnt der Film mit der Titeleinblendung offiziell. Dass hierbei bereits 20 Minuten vergangen sind tut den Bezugspunkten zu den Figuren garnicht gut. Denn diese werden ausgetauscht und fortan darf man sich in den folgenden 70 Minuten mit neuen anfreunden.
Beide Stränge werden zwar durch Clay zusammengehalten, der nach seiner Schwester Whitney aus der ersten Gruppe sucht. Aber die Spannungsdramaturgie geht insgesamt an vielen Ecken und Enden schlicht kaputt. Sei es, dass man hier wie da mit den Opfern nicht mal die Mindestzeit verbringt, um ihr Dahinsiechen ein kleinwenig mehr als nur zur Kenntnis zu nehmen oder ein Gefühl für die Zeit und den Ort, an dem alles so irgendwie passiert. Sei es, dass schlicht vieles zu schnell und beiläufig eingeführt, verraten oder verschenkt wird.
Dazu gibt es erbarmungswürdig miese Dialoge, die teils so schlecht sind, dass sie wieder zum beherzten Auflachen animieren und den Unterhaltungsfaktor auf einem konstant vernünftigen Level halten. Ähnlich wie manch weibliches Schreckgeschrei.

Dank der desolaten und wirklich nicht vorhandenen Figurenzeichnung wird recht schnell klar, wer wann seinen geistlosen Geist aushauchen wird. Erstaunlicherweise bietet "Freitag, der 13." hier kaum etwas Neues. Zwar macht Jason ordentlich Gebrauch von seiner Machete, haut sie den Charakteren in den Kopf, schlitzt Kehlen und hängt seine Kontrahenten an ein Geweih, das letzte Quäntchen Härte lässt aber missen während viele Tötungen gar im Off geschehen.
Zumindest sind die weiblichen Darstellerinnen zeigefreudiger und drücken des öfteren ihre künstlichen Brüste niveaulos ins Bild. Das soll manchem Fan des Jason Franchise ja durchaus reichen. Diesem werden auch der billige Witz nicht sonderlich negativ auffallen, sicherlich aber manch Anschlusslücke, die gerne mal für Verwirrung sorgt.

Optisch präsentiert sich "Freitag, der 13." im moderneren und neuen Look. Marcus Nispel beweist nach "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre" erneut, dass er ein Auge für echten Hochglanzhorror hat. Zwar blendet er hier ein wenig das dreckig erdige Moment seines texanischen Kettensägenmassakers aus, verpasst Jason aber einen ganz eigenen, sehr energetischen Look, was auch hervorragend zum wieselflink gewordenen Killer passt.
Kulisse und Atmosphäre sind stimmig. Ebenso der fetzige Soundtrack, der immer wieder für ein paar kurze lockere Momente sorgt.

Klischeehafter Figuren Bedarf es keiner namhaften Darsteller. So dachten wohl die Produzenten und besetzten "Freitag, der 13." mit durchweg unbekannten Gesichtern. Einerseits wirken diese noch frisch und unverbraucht, andererseits fügen sie dem Horror-Thriller nichts an Glaubwürdigkeit oder Bezugspunkten hinzu.
Jared Padalecki ("Cry_Wolf", "Der Flug des Phoenix") ist sichtbar Sympathieträger, bleibt aber weit hinter einprägsameren Rollen zurück. Danielle Panabaker ("Mr. Brooks - Der Mörder in dir") trägt einzig ihr süßes Lächeln bei, für mehr hats scheinbar nicht mehr gereicht. Weitere Artgenossen wie Willa Ford dürfen sich zumindest noch entblößen, mehr ist dann aber auch nicht.

Das frei interpretierte Remake bietet ähnlich wie seine Originale sinnfreie Unterhaltung. Punkte wie die Handlung oder eine nachvollziehbare Figurenzeichnung bleiben vollkommen außen vor. Ohne Höhen und frei von Spannungsdramaturgie rollt die Einmannarmee Jason beherzt über die Bildfläche, erfreut die Fans aber nur mit aufgewärmter Splatterkost, ähnlich wie die barbusigen Darstellerinnen. Durch die Hochglanzoptik ist "Freitag, der 13." aus heutiger Sicht möglicherweise besser als seine Originale. Allerdings nicht viel besser.

4 / 10

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