Review

*** SPOILERWARNUNG ***

Claude Rains hatte eine undankbare Rolle, denn man sieht ihn nicht wirklich. Und wenn, dann nur komplett verhüllt. Allein in den letzten Sekunden bekommt man ihn dann noch zu Gesicht, nachdem die Geschichte seiner Figur wie auch deren Leben zu einem Ende gekommen ist. So beschränkt sich seine Verkörperung auf eben das, das Körperliche und seine Stimme. Für diese wurde er auch geholt und so setzt Rains sie entsprechend theatralisch ein. Das verleiht der Figur zwar mehr Wirkung, kratzt aber auch immer daran, etwas „drüber“ zu sein. Allerdings ist das Szenario nun auch nicht alltäglich.

Denn sein Dr. Griffin hat es mit der Wissenschaft etwas übertrieben, was dazu führte, dass er verschwand. Er ist unsichtbar. Hinzu kommt, dass eine der dies bewirkenden Substanzen seinen Charakter dergestalt verändert hat, dass er sich Allmachtsfantasien hingibt, Mordpläne schmiedet – und diese auch umsetzt.
Der von James Whale („Frankenstein“, 1931) inszenierte Film ist da nicht gerade zimperlich. Griffin schreckt nicht vor Mord zurück, er lässt auch mal einen Zug entgleisen und ist nahezu permanent auf Krawall gebürstet. Das macht ihn nicht gerade sympathisch. Einen Helden, mit dem man mitfiebert, hat man hier nicht vor sich. Die späte Einsicht in seinen letzten Sekunden rüttelt daran nicht mehr, macht das Ende aber eine Ecke runder. Die Charakterisierung der Figuren ist recht einfach, eine Weiterentwicklung findet nicht merklich statt.
Ungewöhnlich, aber interessant bei dem Ganzen ist, dass man nicht zu sehen bekommt, wie sich das Unglück zutrug. So wird das Publikum von Beginn an mit dem Ergebnis konfrontiert, ohne Entstehungsgeschichte.

In Erinnerung bleiben die Spezialeffekte, die für ihre Entstehungszeit sehr gelungen sind. Die unsichtbaren Körperpartien wurden, vereinfacht beschrieben, schwarz überdeckt und vor einem ebensolchen Hintergrund gefilmt. Später wurden die Aufnahmen in die bereits gefilmten Szenen eingefügt. Mit aktuellen Maßstäben nicht zu messen, ist das Ergebnis aber auch heute noch beeindruckend. Auch die vielen Objekte, die von unsichtbarer Hand bewegt werden, unterstützen eine Atmosphäre, die von der stetigen Bedrohung durch eine nicht sichtbare Gefahr genährt wird. Der eingestreute Humor passt hingegen nicht immer zum Ton des Films. Aufgrund seiner rücksichtslosen Titelfigur empfand ich diesen eher als ernst.

H. G. Wells, auf dessen Roman der Film überwiegend basiert, war vom Ergebnis nicht so begeistert. Vermutlich auch aufgrund einiger Änderungen, sowohl in Bezug auf das Verhalten von Griffin, als auch wegen mancher Hinzudichtung.
Heute gehört „Der Unsichtbare“ zu den Klassikern des Horrors aus den 1930er Jahren und ist immer noch sehenswert.

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