"Die Entführung der U-Bahn Pelham 1-2-3" ist das Remake von Joseph Sargents rasantem 70ies-Klassiker "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3".
Regisseur Tony Scott, der bereits mit Denzel Washington in der Hauptrolle die Neuverfilmung von "Man On Fire" in Szene gesetzt hatte, erreicht zwar nicht annähernd den Charme, die Klasse und die schwarzhumorige Note des sarkastischen Originals, kann aber mit seiner neumodischen Interpretation dem Thrillerstoff neue Facetten abgewinnen und überzeugt, indem er viel mehr Gewicht auf das Duell zwischen den beiden Kontrahenten Denzel Washington als Walter Garber und John Travolta als skrupellosem U-Bahn-Entführer legt.
Während das Original die straff inszenierte Handlung mit einer satten Portion Witz würzte,setzt die Neuverfilmung verstärkt auf das Duell seiner beiden namhaften Hauptdarsteller und verzichtet weitestgehend auf jeglichen Ansatz von Humor.
Die Verhandlungen zwischen dem *braven* Mitarbeiter der New Yorker U-Bahn und dem *bösen* Entführer eines *seiner* U-Bahnzüge sind dabei intensiver und noch viel dramatischer als im Original und sorgen für ein paar überraschende Neuerungen.
Washington und Travolta spielen dabei ihre Rollen gewohnt souverän, auch wenn man mit Travoltas übertriebenen Zuhälter-Outfit samt Oberlippenbärtchen und Tattoos, einer entsprechend vulgären Fäkalsprache und cholerischen Wutausbrüchen nicht die Klasse und Gelassenheit eines Robert Shaw erreicht, der bei "Stoppt die Todesfahrt" als Bösewicht zu überzeugen wusste.
Trotz einer durchaus akzeptablen Leistung ist Travoltas dargestellter Charakter nichts weiter als das sattsam bekannte, klischeehafte Abziehbild des coolen Schurken mit Hang zum Größenwahn. Nach nahezu identischen Rollen wie in "Operation: Broken Arrow" oder "Face/Off" wirkt Travoltas Auftreten vielmehr wie eine Karikatur seiner hinreichend bekannten Kinorollen als Bösewicht.
Denzel Washington, der dagegen die Rolle von Walter Matthau übernahm, wird - genauso wie im Original - nicht als der typische Gewinner und Held in den Vordergrund gestellt, sondern überzeugt glaubhaft als Antiheld, der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist und sich über Funk ein nervenaufreibendes Psychoduell liefert. Anfangs mit dieser ungewohnten Situation vollkommen überfordert, wird er im Laufe der Handlung seinem Gegner immer ebenbürtiger, ohne dabei übertrieben über sich hinauszuwachsen, um am Ende doch noch als gefeierter Held und mit einem verschmitzten Lächeln mit *seiner* U-Bahn nach Hause zu fahren.
Ansonsten ist dieses Remake nichts weiter als eines der vielen neumodischen und aalglatten Hochglanz-Movies, bei dem Regisseur Scott schnelle Schnitttechnik und endlose Zeitlupen-Sequenzen bis zum Erbrechen ausreizt.
Während das Original mt einem Minimum an Action und technischem Aufwand ein Maximum an Spannung und Thrill herausholte, setzt Scott hier auf unnötig blutige Shoot-Outs und übertriebenen High-Tech-Firlefanz. Bei allem Aufwand wirkt dann vor allem das zweite Kernstück des Films - die führerlose Irrfahrt des Zuges - ideenlos und unspektakulär.
Dass das Endergebnis trotz einiger schwerwiegender Kritikpunkte mit einer hohen Punktzahl belohnt wird, liegt dabei weniger an Scotts selbstverliebtem Inszenierungsstil, sondern an Autor Brian Helgelands wirklich nervenaufreibenden Duell, dass bis auf einige geschmackliche Entgleisungen in den Dialogen für ausreichend Spannung und Dramatik sorgt.
Dank erstklassiger, darstellerischer Leistungen kann auch über die teilweise eindimensionalen und klischeehaften Rollen großzügig der Mantel des Schweigens gelegt werden - trotzdem bleiben Walter Matthau und Robert Shaw unerreicht und das Original einzigartig!