Review

Seitdem Genrebeiträge wie „Sieben“ oder „Schweigen der Lämmer“ zu den besten ihrer Art gezählt werden, fallen regelmäßige Nachahmer meistens nur durch das Kopieren der markantesten Muster auf. Auch „2:13“ besticht nicht gerade durch Originalität, kann das Geschehen jedoch auf seine starken Figuren verlagern, welche die Handlung, trotz mangelndem Suspense, bis zuletzt souverän tragen können.

Der Profiler Russel (Mark Thompson) hat ein Trauma bei einem zurückliegenden Einsatz zu bewältigen, das wiederum auf ein Ereignis in seiner Kindheit zurückzuführen ist.
Als die schlimm zugerichtete Leiche einer Frau gefunden wird, erinnern einige Merkmale an einen ungelösten Fall und schon bald schlägt der Killer erneut zu, bei dem Russel einige Parallelen zu sich selbst entdeckt…

Es handelt sich um einen dieser Täter, der ein perfides Katz - und Maus-Spiel mit den Ermittlern rund um Russel anzettelt. Er bedient sich einiger Zitate von Shakespeares „Wie es euch gefällt“, hinterlässt eine Maske am jeweiligen Tatort und arbeitet ansonsten überaus akribisch, so dass die Spurensuche regelmäßig im Sande verläuft.
Russel hat zudem mit seiner Alkoholsucht zu kämpfen und der Tatsache, dass er die geliebte Kollegin Amanda bei einem zurückliegenden Einsatz fast nicht hätte retten können.
Seither besucht er regelmäßig einen Psychologen, der bis in Russels Kindheit vordringen muss, um die Blockade um Schuld und Isolation zu durchdringen.

Derweil kommen die Ermittlungen nur langsam voran, was sich auch im Erzähltempo widerspiegelt. Die Dramenanteile sind gegenüber den Thrills enorm und nur selten durchbrechen ein paar überraschend brutale Szenen die ansonsten vorherrschende Konzentration um Hauptfigur Russel.
Dennoch verliert man so leicht nicht das Interesse, da man den zynischen Raucher und scheinbar endlos grübelnden Ermittler rasch ins Herz schließt, zumal Mark Thompson eine ungeheure Präsenz hinlegt.
Leider ist es demgegenüber um die Identität des Killers nicht so gut bestellt, denn den könnte man unter Umständen vorzeitig entlarven, zumindest bevor man ihm innerhalb der letzten zehn Minuten tatsächlich gegenübersteht.

Etwas beliebig wurden letztlich die Schauplätze ausgewählt, unauffällige Wohnungen, ein Wald, ein Friedhof, ein Fetisch-Club, häufig das Polizeipräsidium, - keine Orte, denen etwas ausgefallen Düsteres mitschwingt, auch wenn jene Kulissen in düstere Farben mit viel Schatten getaucht werden.

Das Puzzle um den Serienkiller gestaltet sich schlussendlich zwar nicht allzu spielfreudig und ausufernd clever, doch man streut in regelmäßigen Abständen interessante Aspekte ein, die das Täterprofil nach und nach erschließen lassen.
Im Gesamtbild erscheinen bei der Fallanalyse zwar einige Unwahrscheinlichkeiten und kleinere, nicht weiter entwickelte Unterpunkte, doch am Ende sind die meisten Ansätze einigermaßen in sich schlüssig, wobei der Ausgang mit leicht bitterer Note durchaus zu der ausweglosen Situation beider Kontrahenten passt.

„2:13“, das ist die Zeit, zu der der Killer haargenau einen bestimmten Ort aufsucht und der zum entscheidenden Hinweis für die Ermittler reift.
Der Streifen entwickelt zwar zu keiner Zeit die Größe der oben genannten Klassiker, weiß jedoch mit seiner leicht nachdenklich bedrückenden Note zu unterhalten, unterstützt von markanten und durchweg überzeugenden Mimen.
Kein Meilenstein des Genres, aber für eine Sichtung definitiv unterhaltsam genug.
6 von 10

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