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Die junge Isabella hat es nicht leicht. Ihr Eltern sind beide tot, und ihr großer Bruder, für den sie größere Gefühle hat, als nur Geschwisterliebe ist bei den Marines. Also wohnt sie alleine in ihrem Haus, und ist sozusagen die Mutter für ihren kleinen Bruder. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Freund Big Bernie, der offenbar versucht, dem kleinen so gut es geht den Vater zu ersetzen. Das Problem an der Sache ist, dass Isabella mit ihrer Lage komplett überfordert ist, was sich in grausamsten Gewaltexzessen gegen Schlägertypen, Prolls und Modepüppchen, die sie allesamt in ihrer Scheune gefangen hält und quält, bemerkbar macht. Isa verliert immer mehr das Bewusstsein für Richtig und Falsch, und gegen Ende eskaliert die Lage.

Sick Girl ist ein ziemlich kranker, kurzweiliger und ambitionierter Indie-Sicko aus dem Land der Remakes und des Fast Foods. Man sieht dem Film an, dass er definitiv mit wenig finanziellen Mitteln bewerkstelligt wurde, aber das tut den Qualitäten keinen Abbruch!

Die Handlung ist mal was ganz neues, und fesselt den Zuschauer, aufgrund der traurigen Lage, in der sich die beiden Geschwister befinden. Am Anfang lernt ma Isa als labiles Wrack kenne, dass im Schulbus eine Nonne verprügelt und anpinkelt (!), Leute abknallt, einem Autofahrer die Kehle aufschlitzt und die Überlebenden kidnappt. Man ist geschockt darüber, als man sie als liebende Ersatzmutter kennen lernt, denn man sieht sie am Anfang als komplett duchgeknallte Soziopathin. Dass sie den Job zu ernst nimmt, äußert sich in einigen Szenen, in denen sie die Schlägertypen, die ihren Bruder hänseln zur Besinnung ruft. Irgendwie ist sie eine verantwortungsbewusste Person, doch die Grenzen zwischen richtig und falsch verschwimmen bei ihr irgendwann, und sie verliert die Kontrolle über ihr Handeln. Und da liegt der Hund begraben: Sick Girl ist eine gelungene Mischung aus Drama, Sicko und Torture Porn, und der Regiesseur macht seine Sache wirklich gut, denn die Innovation zeigt sich in jeder Sekunde.

So wird es zum Beispiel nie langweilig, und auch die Qualität  des Films, sowie die schauspielerischen Leistungen sind sehr gelungen! Dabei schafft der Film das, was sehr wenige Indie Filme aus dem extren Bereich schaffen, nämlich gleichzeitig eine konstante Härte, Spannung, eine gute, traurige Geschichte und interessante Charaktere zu zeigen, und die Mischung ist wirklich etwas sehr neues, und mit den meisten Horrorfilmen kaum vergleichbar. Der Film pendelt durchgehend zwischen ernstzunehmendem Drama, und sicken Torture Szenen, und die Rechnung geht voll auf. In diesem kurzweiligen Werk bekommt man wirklich gehobene Unterhaltung geboten, die auch wirklich eine Geschichte erzhält, statt sich nur auf Grausamkeiten zu verlassen.

Dies soll aber nicht heißen, dass Sick Girl harmlos ist. Nicht nur der psychische Aspekt ist sehr mitreißend, auch die graphische Gewalt ist sehr hart und überzeugend dargestellt. So zwingt Isa zum Beispiel den Anführer der Rowdys, seinen einen Freund im Fluss zu ertränken, und den anderen abzustechen. Ihn selbst knebelt sie in ihrer Scheune, haut ihm eine Schippe über den Kopf, zieht ihm einen Sack darüber und steckt eine ausgehungerte Ratte in den Sack, die ihm das gesamte Gesicht zerfrisst. Dann bekommt er die Arme gebrochen, und wird mit Weihnachtskerzen geschmückt. Sehr krank, vor allem da es sich quasi um ein Kind handelt, und alles sehr detailgenau und realistisch gezeigt wird, ohne dabei in Selbstzweckhaftigkeit zu versinken. Auch wird einem Mann der Penis abgeschnitten, dieser am Ende eines Nagels besestigt, und Isa benutzt diesen Selbstgebastelten Strap-On um die gefesselte Freundin des Opfers zu penetrieren, was natürlich den Tod zur Folge hat. Eine wirklich kranke Szene, die so manchem Sicko-Freund die Augenbrauen hochziehen dürfte. Allerdings wirken diese Szenen nie gekünstelt oder übertrieben, und reihen sich perfekt in die Grundhandlung ein, die sich auch viel Zeit damit nimmt, ihre Charaktere zu beleuchten, und ihre Motive zu erklären.

Schlußendlich bleibt ein grandioser, harter, aufrechter und ehrlicher Independent Film, der viel Wut, Sozialkritik und Feingefühl zeigt, und sich damit durchgehend auf sehr hohem Niveau bewegt, aber auch diverse Abartigkeiten und Perversionen bietet. Mit diesem Film macht man echt nichts falsch, und er wäre es wirklich wert, dass man ihn in Deutschland veröffentlichen würde (zur Zeit gibt es nur die ungeschnittene Code 0 DVD von Synapse).

Fazit: Sehr überzeugender, intensiver und harter Film, der zu fesseln und zu schockieren vermag, und sich nicht vor anderen Genrevertretern zu verstecken brauch, obwohl er noch nicht die Anerkennung genießt, die er eigenlich verdient hat. Dieser Film zeigt, dass es noch einen funktionierenden, extremen Untergrund in Amerika gibt, zu dem ich auch solche Leute wie Eric Stanze, Toe Tag und Filme wie Hanger zählen würde. Fernab des Mainstreams, echt und gut, klare Empfehlung!

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