Nach gut eineinhalb Stunden hätte ich den Film beinahe entnervt abgeschaltet, aber gemäß der alten Fußballerweisheit: Ein Spiel dauert 90 Minuten habe ich bis zum Schluss durchgehalten und wurde schließlich mit einem der coolsten Filmenden überhaupt belohnt. Davor gibt es über zwei Stunden waschechte aber manchmal etwas zähflüssige Film Noir Kost zu bewundern.
Der Tagelöhner und Frauenheld Harry Madox (Don Johnson) verdient sich in einer Kleinstadt im tiefsten Texas als Gebrauchtwagenhändler. Sein besonderes Interesse gilt jedoch der schwach gesicherten örtlichen Bank und der durchtriebenen Dolly Harshaw (Virginia Madsen), die Ehefrau seines Chefs. Als er sich nach seinem Raubzug mehr und mehr der lolitahaften Gloria Harper zuwendet, wird er von Dolly mit beweisträchtigen Details über den Bankraub erpresst.
So wie es sich für einen Film Noir gehört, haben in dieser Geschichte alle wichtigen Figuren wenigsten ein dunkles Geheimnis und gehörig Dreck am Stecken. Auch sonst hat Regisseur Dennis Hopper und Drehbuchautorin Nona Tyson die Genreregel genau studiert. Als Folge gibt es eine Femme Fatal in Reinkultur, jede Menge verhängnisvolle Entscheidungen, keine wirklichen Identifikationsfiguren, moralisch äußerst fragwürdige Handlungen und –wenn es denn mal dunkel ist- finster ausgeleuchtete Locations und lange Schatten zu bewundern. Die Genrezitierei reicht sogar so weit, dass eine flackernde Neonreklame die Bude unseres Protagonisten ausleuchten darf.
Don Johnson, der aalglatte Sonnyboy, fügt sich, und das ist die eigentliche Überraschung, prima in diesen bitterbösen Reigen aus Erpressung, Intrige und Sex ein. Er darf hemmungslos den machohaften Womanizer geben, mit seinen (damals) Ende 30 ungeniert ein 19-jährige flachlegen, literweise Hochprozentiges trinken und in verschwitzten Unterhemden durch die Gegend laufen. Jennifer Connelly, in ihrer ersten größeren Rolle, bleibt hingegen ziemlich blass und spielt als scheinbar unschuldiges Love-Interest einen recht eindimensionalen und unscheinbaren Part. Die eigentliche Show hingen liefert Virginia Madsen als extrovertierte, sexbesessene, intrigante und vollkommen versaute Femme Fatal. Jedes Mal wenn sie auftritt knistert die Luft, gleichwohl man ihr die Pest an den Hals wünscht. Sie macht in ihrem Overacting nachvollziehbar, wie man Frauen hassen und gleichzeitig begehren kann.
Die schwülstige, fiebrige Atmosphäre des Films unterstreicht den gehörigen Erotikfaktor des Films aber auch das gemächliche Tempo. Passend dazu wurde ein cooler Bluessoundtrack als musikalische Untermalung gewählt.
Das gemächlich Tempo erweist sich allerdings als eine große Schwachstelle des Films. Ein etwas dilettantisch aber smart ausgeführter Banküberfall und sämtliche Szenen, in denen Virginia Madsen auftaucht bilden zunächst die Höhepunkte des Films. Dazwischen gibt es einigen Leerlauf, werden einige Storyelemente zu oft wiederholt, oder die Geschichte einfach zu abgehakt erzählt. Manche Szenenübergänge sind sehr abrupt und einfach schlecht getimt. 15 Minuten weniger hätten dem Film gut zu Gesicht gestanden ohne die Geschichte dadurch zu beschränken. So schleppt sich der „The Hot Spot“ über zwei Stunden seinem coolen Finale entgegen, dass zunächst wenig überraschend beginnt, aber mit einem Knalleffekt endet.
Daran werde ich mich noch lange erinnern:
Das bitterböse politisch sehr inkorrekt Finale.