Am Tag an dem "seine" Katze "ihren" Kanarienvogel fraß und kurz darauf vom Auto überfahren wurde, verloren der Autor des Buches und seine Frau nicht nur ihre Lieblingstiere, sondern gerieten darüber derartig in Streit, dass sie sich trennten. Leider blieb die Schwiegermutter bei ihm und Bier war auch keins mehr im Kühlschrank.
So war er denn in der richtigen Stimmung um die Vorlage zu einer der effektivsten Tragödien der Filmgeschichte zu schreiben.
Handlung:
Er erfand eine Story, die sich um eine Familie dreht, in der die Frauen über Generationen hinweg Böse, vor allem aber "Abgehauen" waren - dabei ihre unschuldigen Kinder in den Fängen der verhassten Gatten lassend. Diese - fast alle ein wenig rassistisch eingestellt - vererben den ehrenwerten Beruf des Henkers von Vater zu Sohn und teilen sich sogar die gleiche Nutte.
Ihre Welt ist also quasi in Ordnung.
Doch dann passiert das Unfassbare: Der jüngste Spross hat "farbige" Freunde, schlimmer noch - ist nicht in der Lage sich der Familientradition anzupassen und übergibt sich bei einer Hinrichtung. Vom Papa aufs Härteste gescholten tut er, was jeder gute Henkersaspirant in dieser Situation tun würde - durch Suizid stellt er die Familienehre wieder her.
Doch im Gegensatz zum Opa versteht Papa dieses Opfer falsch - quittiert seinen Job, kauft eine Tankstelle und versucht kurz darauf sogar einem "Nigger" das Leben zu retten, verliebt sich in dessen Mutter und - Oh je - macht mit ihr Dinge, die eines aufrechten Südstaatlers einfach unwürdig sind. Einmal zum Verräter an der "weißen" Sache geworden erdreistet er sich gar die Freunde seines Sohnes - die er recht schaffend noch vor Wochen mit Schüssen von seinem Grundstück jagte - bei seiner Tankstelle einen Job zu geben.
In einem letzten Aufbäumen versucht Opa - der klar die geistige Unzurechnungsfähigkeit seines Sohnes erkennt - das Flittchen, welches seinen Sprössling offensichtlich verhext hat, wieder loszuwerden und erzählt ihr einige "Wahrheiten" über das körperliche Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß. Kurz scheint es als würde das Fruchten, doch sein Sohn erkennt diese Hilfe nicht an, ist sich nicht nur zu Schade der Tussi weiter hinterher zu hecheln, sondern schiebt auch noch seinen wohlmeinenden Erzeuger flux in ein Altersheim ab.
Dabei hat der doch Recht - die Alte ist das Allerletzte: Ihr Mann verurteilt und hingerichtet, ihren Sohn - Lebensunfähig, Strohdoof und Süßigkeitensüchtig - konnte sie auch nicht ordentlich erziehen und fällt dann - noch nicht mal eine Woche nach dessen Tod - geradezu vergewaltigend über unseren ehemals aufrechten Südstaatler her. Selbst als sie erfährt, dass genau Jener ihren Männe vom Leben zum Tode beförderte, ficht sie das nicht lange an.
So bleibt sie zum Schluss denn auch die lächelnde Siegerin - und der verhexte Fehlgeleitete lächelt mit ihr.
Aber nur weil Schwiegermutter dem Autor endlich sein Bier besorgte.
State:
Vorab möchte ich um Verständnis für die Art meiner Filmbeschreibung bitten - die absolut negative Tendenz des Streifens forderte das geradezu heraus:
Abgesehen von der Schlussszene wird den Protagonisten im Film kein einziges Lächeln, kein wirklich glücklicher Moment gegönnt. Selbst der Austausch von Körpersäften findet entweder in tiefster Verzweiflung oder ohne jede emotionale Regung statt.
Tumbes freudloses Leben nach überholten Regeln - vielfältige Arten der Einsamkeit - Tod eines Sohnes/Enkels - Tod eines Ehemannes - Sucht eines Kindes - Hoffen und Bangen vor dem Tod eines weiteren Sohnes - Sex aus purer Verzweiflung und Einsamkeit - Zwangsräumung - Abgrundtiefe auf stupiden Rassenhass basierende Beleidigungen - Ein Sohn der seinen Vater ins Altenheim bringt, ein letztes "Machs gut Paps" und es ist klar, dass der Alte seinen Sohn nie wieder sehen wird.
Der Zuschauer stürzt mit den Protagonisten von einer Depression in die Nächste. In dieser massiven Summe ist das einfach unglaubwürdig - überfrachtet den Film, überlastet den Zuschauer, der tatsächlich - wir sahen den Film zu viert - froh ist (alle vier), wenn das Trauerspiel endlich ein Ende hat.
Doch "MB" ist nicht wirklich schlecht. Obwohl man einen dicken Kloß im Hals hat und gelegentlich am liebsten die Kiste ausschalten würde, siegt schließlich doch die Neugier (Was widerfährt den armen Schweinen denn jetzt noch? Werden Sie sich kriegen?).
Auch die schauspielerische Leistung aller Darsteller ist topp, wenn auch m. E. eher Billy Bob Thornton als Halle Berry den Oscar verdient hätte. Er gibt den sich langsam wandelnden Charakter des zutiefst vereinsamten und emotionsgehemmten rassistischen Einzelgängers mit einer durchgehenden Intensität, der man nur ein dickes Lob zollen kann. Halle Berry dagegen spielt zwar (wie immer) routiniert und ohne Schwächen, hat aber nur eine wirklich gute Szene, in der ihr Charakter, kurz nach dem Tod des Sohnes - sich das T-Shirt herunterreißend - bettelnd "Mach das ich mich wieder gut fühle" geradezu über den einzigen Menschen der (anscheinend) in den letzten Jahren nett zu ihr war, herfällt. Doch selbst in der folgenden sehr langen Erotikszene wird sie von Billy Bob getoppt. Achtet man hier weniger auf die Körper, und mehr auf Gesichter und Handlungsweise der Verzweifelten, erkennt man, dass sein Charakter offensichtlich erstmals im Leben jenseits der "Hundestellung" agiert. Das und die inneren Zweifel über die Vereinigung mit gerade "dieser" Partnerin bringt Thornton perfekt rüber.
Fazit:
Wer gerne mit dem Taschentuch vorm Fernseher sitzt, sich für die Ungerechtigkeiten der Welt interessiert, nicht genug oder zu viel eigene Probleme hat - kann sich "Monster's Ball" durchaus zu Gemüte führen. Und natürlich werden auch Filmfans, die auf brillante Darstellungen stehen auf ihre Kosten kommen.
Action Puristen, Suizidgefährdete und Ex-und-Hopp Konsumenten dagegen sollten einen großen Bogen um die DVD machen.
Wirklich empfehlen kann ich diesen Film aber allen Zeitgenossen, die sich nach dem (gemeinsamen) Anschauen gerne noch über einen Film unterhalten und diskutieren.