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Frieder Wittichs Spielfilm-Regiedebut "13 Semester" ist ohne Frage ein Film, der dann am meisten Spass bereitet, wenn man selbst einmal am studentischen Leben teilhaben durfte. Aber auch alle anderen Neugierigen werden an diesem heiter-unbeschwerten Schnelldurchlauf durch turbulente 13 Hochschul-Semester an der Uni Darmstadt ihre helle Freude haben.
Wittich zelebriert auf gut 90 Filmminuten genüsslich so ziemlich jedes Studentenklischee von der chaotischten Siff-Wg über ausufernde Saufgelage bis hin zur Prüfungs-Vollblamage vor dem chronisch grießgrämigen Wirtschaftsmathematik-Professor.
Sind die ersten Semester noch von lockerer Leichtsinnigkeit und dem puren Partyvergnügen geprägt, so machen sich in späteren Prüfungssemestern alsbald auch Frust, Pleiten und durchgelernte Nächte breit. Nicht selten liegen dann Tragik und Komik sehr nahe beieinander, Beziehungen zerbrechen, wird die Suche nach Rückhalt zur Mammutaufgabe.
Der Wiedererkennungswert ist dabei wirklich beachtlich und so mancher Spruch klingt auch gleich wohlvertraut. Bestes Beispiel: "Schauen sie sich ihren Sitznachbahr gut an! Es ist statistsch absolut wahrscheinlich, dass sie ihn zum Diplom nicht mehr wiedersehen". So oder so ähnlich jedenfalls, eine tolle Szene! (auch selbst erlebt in Mainz)

Doch "13 Semester" verkommt trotz aller Späße und Peinlichkeiten nie zum platten Klamauk. Immer wieder schimmern auch nachdenklichere Töne durch, ohne jedoch der guten Laune Abbruch zu tun. Gerade das auf tolle Weise relativierende wie motivierende Ende sei in dieser Hinsicht hervorgehoben.
Zum Gelingen des ohne Frage weitgehend realistisch dargestellten Leinwandtreibens tragen bei einem solchen Film natürlich vor allem die sympathischen Charaktere bei - und "13 Semester" gibt sich in diesem Belang wahrlich keine Blöße. Das hier versammelte Ensemble funktioniert einfach wunderbar: Angefangen bei Ex-"Napola"-Schüler Max Riemelt über die ausdrucksstarke wie unerschütterliche Claudia Eisinger bis hin zum indischen Mathematikergenie und Partymonster in Personalunion Amit Shah.
Es ist die reine Freude, diesem um so manchen lustigen Nebencharakter ergänzten Gespann durch Höhen und Tiefen zu folgen. Auf die Uhr gesehen habe ich dabei jedenfalls kein einziges Mal, was defintiv ein Gütesiegel für einen absolut unterhaltsamen Kinofilm ist.

Im Gegenteil sogar hätte ich mir durchaus noch 20 Minuten mehr Spielzeit gewünscht. Knapp 100 Filmminuten sind für 13 Semester schon ziemlich knapp bemessen wie ich meine und an vielen Stellen kommt geradezu unweigerlich der Gedanke auf, dass es da sicherlich noch mehr Material gibt, mit welchem die ganze Angelenheit noch runder erscheinen dürfte. Wer weiss, vielleicht kommt da ja noch was Längeres fürs Heimkino? Insbesondere würde ich mir von einer eventuellen Extended-Fassung zusätzliche Uni- bzw Hörsaal-Szenen wünschen. Die, die es bisher in den Film geschafft haben, zählen ganz ohne Frage zu den großen Highlights des Films. Da geht noch was!

Fazit:
Technisch liebevoll umgesetzt, glaubwürdig gespielt und ohne Frage absolut sympathisch wie humorvoll inszeniert: Frieder Wittichs "13 Semester" setzt dem schillernden Studentenleben mit all seinen Abgründen und Glanzpunkten ein würdiges wie facettenreiches Denkmal, das den Spagat zwischen lockerer Komik und einer angemessenen Ernsthaftigkeit sehr schön hinbekommt. Für viele Zuschauer ist es dann auch ein einerseits wehmütiger, aber andererseits auch erheiternder Blick in die eigene Vergangenheit...

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