Review

KEINE Spoiler, nur Vergleiche mit anderen Filmen und eine Meinung zum Gesehenen, damit der geneigte Leser den Film inhaltlich voll auskosten kann.

Perlentaucher aufgehorcht! Gleich vorweg, DEADLINE (1980) Originaltitel: Anatomy of a Horror ist wirklich eine vergessene Perle des Horror Genres. Genau spezifiziert des Meta-Horror à la PEEPING TOM (1960), POSSESSION (1981) aber am nähesten kommt VIDEODROME (1983), mit dem er auch die partizipierende Produktionsfirma Canadian Film Development Corporation (CFDC) gemeinsam hat. Alle genannten Filme traf gleiches Schicksal, sie waren alle Flops an den Kinokassen. Aber ein Kassenflop war bekanntlich auch John Carpenters THE THING (1982), der heute ohne jeglichen Zweifel als Genre-Klassiker gelten darf und auf dem Videomarkt bis heute gutes Geld verdient. Leider gab es für DEADLINE auch keinen Erfolg auf dem Videomarkt. Das kann man sich aus der im folgenden beschriebenen, befremdlichen Vorgehensweise bei der Veröffentlichung, auf fehlendes / falsches Marketing zusammenreimen könnte.

Dem DEADLINE Regisseur Mario Azzopardi, welcher zuvor nur sein Debut an der Uni gedreht hatte, war nicht das Glück eines John Carpenter vergönnt, noch einmal eine Produktion von solcher Qualität abliefern zu können. Denn er arbeitete danach hauptsächlich fürs TV. Am ehesten kennt man hierzulande noch "Bone Daddy" von ihm. Geld verdienen, nennt sich das.

Gedreht wurde DEADLINE bereits 1979 um dann aber erst 1984, nach fünf Jahren, veröffentlicht zu werden. Offiziell datiert wird er auf 1980. Wie dem auch sei, seit der Sichtung von DEADLINE sehe ich mit anderen Augen auf das Schaffen von David Cronenberg. Denn mit James Woods wurde in VIDEODROME nicht nur ein ähnlicher männlicher Hauptdarsteller etabliert, auch Cronenberg arbeitete sich an Genregrenzen und Sehgewohnheiten des Publikums ab.

Leading Actor bei DEADLINE ist Stephen Young (sowas wie der Kanadische James Coburn von den rauhen Gesichtszügen her), welcher sich durch grosse Kinoerfolge wie PATTON (1970) und SOYLENT GREEN (1973) in den 1970er Jahren einen Namen erspielen konnte. Ja, es gab einmal ein so etwas wie intelligenten Mainstream. Young darf hier wahrhaftig die Rolle seines Lebens spielen. Leider war seine Karriere bereits über dem Zenit, in den 80ern dominierte ein anderer Männertyp und für Charaktergesichter war kein Platz mehr. Auch er arbeitete danach viel fürs TV.

Trivia am Rande: Die Filmtochter von Stephen Young ist übrigens Cindy Hinds, welche auch in David Cronenbergs BROOD (1979) und DEAD ZONE (1983) mitwirkt.

Selbst Abspann-Song "Everlasting Love (Theme From Deadline)" von Dwayne Ford & Patsy Gallant ist thematisch dem Film dienlich und gibt Raum zum Nachdenken.

Die eigentliche Filmmusik von Sam Bari ist eine eher experimentelle Score, die das Geschehen passend untermalt. 

Der Film war völlig zu unrecht bis zum Vinegar Syndrome Release in der buchstäblichen Versenkung verschwunden, denn dieser Slowburner brennt wirklich tief. Man kann Vinegar Syndrome gar nicht genug danken den Film 2020 als erste mit einer DVD/Blu-Ray Veröffentlichung den Sprung ins digitale Zeitalter ermöglicht zu haben.

Gedreht im im wunderbaren Seitenverhältnis 2.35 : 1 /Negativ und auch gedrucktes Filmformat in 35 mm Panavision (anamorphic) für gerade einmal 850.000 CA$ entstanden, laut IMDB (Der Kanadische Dollar war 1980 schwach damals, um die ~1,50 DM heute 0,75 EUR Wert).

Heute im Jahr 2023 entsteht seelenloser Hochglanzabfall wie EVIL DEAD RISE für geschätze 12 Millionen US-Dollar! So etwas kann man sich mit Inflation überhaupt nicht schönreden.

Hier vergebe ich 9 von 10 möglichen Punkten, weil David Cronenberg mit VIDEODROME (1983) dann doch etwas mehr Kino-Flair gezaubert hat.

Details
Ähnliche Filme