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Im Grunde genommen ist schon das Vorhandensein von Forbidden Legend: Sex and Chopsticks eine Meldung, wenn nicht gleich die kleine Schlagzeile wert, greift es doch in einer die letzten Jahre so nicht existierenden Art und Weise eine Thematik auf, die entweder als Schmuddelware fern der Öffentlichkeit gehandelt oder von vornherein wegen behördlicher Bestimmungen unterlassen wurde.

Nach der Machtübergabe an China und dem allmählichen Verschärfen der dortigen Zensur, was neben der Einflussnahme auf etwaige der politischen oder gesellschaftlichen Meinungshoheit widersprechende und somit brisante Aussagen auch eine angezogene Kontrolle auf die graphischen Details von Sex und Gewalt einschloss, verschwanden in rascher Konsequenz ein Gutteil der Cat III Produktionen erst in die Unwirklichkeit von DTV Existenz und bald darauf in das Luftschloss des Nichts.
Aus den Augen der Administration als leidiges Problem für Bildung, Moral und Kultur in die Verbannung entlassen und die Zivilisation so neu definiert, musste sich gerade auch die lange florierende Erotikbranche mit herben Imageverlust und stagnierenden Einbußen abfinden. Das ansonsten todsichere Verkaufsargument von Neugiermotiv, Erregung und Verführung in leidenschaftlichen Träumen äußerer Reizen wurde zum Erschöpfungszustand gewöhnlicher Erinnerungsvorstellungen.

Die letzte Hochkonjunktur als zuckendes Aufbäumen vor dem prompt folgenden Einbruch lässt sich deutlich auf 2003 konstatierten, Forbidden Legend greift in seiner Herangehensweise an Stoff und die Umsetzung in der Machart sowohl da als auch noch gute zehn Jahre zuvor bei dem alles entscheidenden Auslöser der Erregung an. Das Ideal in Intention und Effekt ist natürlich Sex And Zen, welcher mit nichtvorhandenem Budget nicht bloß selber ein durchschlagender Erfolg an den Kassen im Lande war, sondern sich auch bei den Kritikern bewähren und noch wichtiger auch umfassend in das Ausland verkaufen konnte. Fortsetzungen und unzählige Lesarten später steht das Werk immer noch als Synonym für die Gemütsart vom Traum im Traume als Befriedigung des Wunsches und der eigentümlichen Art des Bewusstwerdens von Illusionen, als episodisch gesponnene Gedankenschleife über das Höchste der Hingebungen in der körperlichen Welt. Auch der vorliegende Fall zielt im berechtigten Vorstoß auf Wollust, Sinnenrausch und Triebhaftigkeit als reine Erhöhung des Gemütes und verbindet die seligen Empfindungen bevorzugt mit paradoxem Humor und der period piece Loslösung vom natürlichen Prozess. Während man sich dort bei Li Yus „Jou Pu Tuan“ [ „The Prayer Mat of Flesh“ ], einem erotisch-moralischen Roman aus der Ming-Zeit bediente, griff man sich hier als Grundtext für freie Bearbeitung den gleichfalls bewährten, ebenso aus der Zeit stammenden „Jin Ping Mei“ [ „The Plum in the Golden Vase“ ] auf:

Simon Qing [ Oscar Lam ] wurde bereits als Kind von seinem an Reichtum, Macht und Potenz überströmenden Vater Simon Tate [ Norman Chu ] in der Theorie der Liebe und dem Stählen des Körpers und vor allem des Gliedes unterrichtet. Erwachsen geworden und durch die Prostituierte Violetta [ Kaera Uehara ] der Jungfräulichkeit entledigt und in die Praxis eingeführt, streift er auf der Suche nach Mehr mit seinem Diener Bamboo [ Samuel Leung ] für einige Zeit durch das Land, um bald darauf mit der aus einem Nonnenkloster befreiten Moon [ Hikaru Wakana ] in die heimischen Gemächer zurückzukehren. Die Heirat hält Ihn allerdings nicht davon ab, sich zusammen mit seinem Freund Hua Zi-Xu [ Tam Kon-Chung } sowohl in das Bordell von Madame Goose [ Yui Morikawa ] zu begeben, als auch in die noch kindliche Lotus [ Hayakawa Serina ] zu verschauen, die allerdings bereits dem Straßenhändler Wu Da-Lang [ Frankie Ng ] versprochen ist.

Gerade auch für Hauptdarsteller Lam, der getreu seiner unzüchtigen Position als polygamer Vasall der Libido die Beckenmuskulatur in Trab halten muss, ist weder das softcore Sujet noch das Setting eine ungewohnte Umgebung; dergleichen beständig die Ausdauer und Manneskraft verlangende Aufgabe ging er die Jahre davor bereits in den nicht nur auf den ersten Blick genauso aussehenden Filmreihen Dynasty Tong, Four Beauty - Xi Shi oder Love Story nach.
Das Drehbuch dessen kommt trotz geadelter literarischer Vorlage, deren ehemalige Zugehörigkeit an den Kanon der vier klassischen Romane der chinesischen Literatur und dem entsprechenden Bekanntheitsgrad natürlich auch nicht an das prosaische Sittenbildnis selber heran und weist auch nie nur das Bemühen auf, anders als seine zahlreichen Nebenbuhler wenigstens die assoziativen Ansätze bezüglich allgemeiner sozialkulturellen Quelle, der Philosophie über die Vergänglichkeit oder der ausweitenden Konfrontationen, in denen auch der kaiserliche Hof analysiert und kritisiert wird, in nähere Wahrnehmung zu setzen. Auch die Konstruktion moralischen Verfalls einhergehend mit der Verletzung des konfuzianischen Postulat der Gegenseitigkeit wird nicht mit Akribie und Akkuratesse, sondern hauptsächlich nur indirekt über die außerhäuslichen Affären und damit dem Lotterleben des Protagonisten in Augenschein genommen. Trotz vielleicht dreier erstaunlich großflächig inszenierter Prunkszenen – während einer Prozession, der Vorstellung der Magistrates und dem ersten Besuch des ortseigenen Bordells – und einer gewissen verklärenden Deutung von Farben und Tönen ist man niemals eine mondäne Angelegenheit, sondern immer Kulisse für eine mehr oder minder gleichgültige Handlung und somit immer mehr Fabel als Milieu.

Wichtiger und entscheidender als Studieren und Reklamieren ist demnach der Lustcharakter daoistischer Sexuallehre, die Nährung der Vereinigung von Mann und Frau [ und Frau und Frau ] in einer positiven Funktion, im Yin und Yang, fern von jeglichem Hintergrund als auch Sünde und Perversion.
Als geeigneter Regisseur für das Treiben im Garten fleischlicher Appetenz wurde dabei Cash Chin ausgewählt, der sich bereits als Assistent von Li Han-Hsiang, dem prädestinierten Vorzeigebeispiel für derlei anrüchigen Stoff bewährt, und in seiner eigenen Karriere auch mit reifenden oder geschwollenen Früchten der Versuchung und nackten Giften probiert hat.

Chin geht die Angelegenheit mit einer zuletzt beispiellosen Offenherzigkeit, ansteckendem Bekennermut und einer aufrichtigen und gar nicht nervösen Witzigkeit an. Aufgrund dessen, dass das Geschehen nahezu von Beginn weg mit Übertreibungen bis hin zur phantasievollen Unmöglichkeit sowie überraschend treffsicheren Klamauk in rauen Mengen angereichert und so eine sachliche Darstellung der Praktiken zugunsten von Vergnügen und Abenteuer ausgespart wird, ist das unverblümte Navigieren durch fremde Schlafzimmer und andere Gelegenheiten für stetigen Wechsel der Geschlechtspartner auch niemals ausschweifend explizit oder gar moralisch anstößig. Zwar hat man angesichts der um sich greifenden Verklemmtheit heimischer Darsteller oder sicherlich auch zusätzlich mit dem Blick auf den erweiterten Markt bei der Besetzung der weiblichen Rollen auf japanische adult video idol zurückgegriffen, wandelt aber trotz sinful confession, sensual pleasures, illicit desire, full frontal nudity, Masturbationseinlagen, Flottem Dreier, einer reichlichen, noch vom Vater vererbten Dildoauswahl, indirekt eindeutigen Anzüglichkeiten und akrobatischem Einsatz zwecks der Erleuchtung durch den Koitus nie auf pornographischen Spuren. Schlüpfrigkeit ja, Pikanterie oder Laszivität nicht und entsprechende Detailfreudigkeit wird geflissentlich ausgespart.

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