Ein guter Roman macht noch lange keinen guten Film und eine interessante Ausgangssituation ist bei weitem nicht genug, um 90 Minuten das Interesse zu befeuern, diesen Schluß muß man wohl nach Ansicht von "Walled In" mit einem leisen Gefühl der Enttäuschung konstatieren.
Der Reiz der Story, er liegt in den Eckpfeilern (sic!) der Erklärung begraben: ein abgelegenes, monumentales Gebäude eines exzentrischen Architekten soll abgerissen werden, nachdem vor 15 Jahren diverse Morde in dem monströsen Wohnpalast vorgekommen sind, bei dem die Leichen in das Gebäude integriert wurden. Die angehende Juniorchefin des Abrißunternehmens sticht also bei ihren Sprengungberechnungen in ein Wespennest, denn irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Düstere Gestalten huschen durch die noch düsteren Gänge; Geheimgänge durchziehen das Gebäude, man fühlt sich beobachtet und die paar Figuren, die sich noch vor Ort aufhalten machen die Angelegenheit nicht einfacher: eine schrullige alte Dame, ein kranker alter Mann, dazu die unterkühlte Hausverwalterin und ihr sexuell heranblühender, aber disfunktionaler Teenagersohn.
Woraus andere jetzt ein lecker abgründiges Süppchen rund um Macken, Marotten und Psychosen geknüpft hätten, garniert mit abergläubischer Architektenphantasie, monolithischen Abgründen und hinter dunklen Ecken lauernden Geheimnissen aus alter Zeit, bastelt Gilles Paquet-Brenner einen psychologisch motivierten Film, der zunächst das beackert, was man von der Bombenkulisse erwarten kann - nämlich rote Heringe ausstreuen - um dann für die letzte halbe Stunde von nicht mal anderthalb alles zu einer endlos wirkenden ausweglosen Zwangslage einzureduzieren, die man wirklich nur mit der Brechstange noch auflösen kann.
Was es an Erklärungen und Offenbarungen rund um Gebäude und Geschichte dann setzt, ist wahrlich nur das, was man anhand der fiesen kleinen "Fische" sich sowieso schon hätte zusammenreimen können, doch sobald man die Bestätigung der Vermutungen endlich hat, reitet die Geschichte einfach nur noch darauf herum. Immerhin verzichtet man auf den üblichen "torture porn"-Käse, aber die alte "Ausgeliefert"-Chose wird mit der Zeit immer mürber, vor allem weil Mischa Barton einfach das Charisma fehlt, um so eine Rolle wirklich anzufachen, dagegen genügen Deborah Kara Unger einige wenige Szenen als eisgekühlte Bohnermamsell, um ein Frösteln durch die Halle zu schicken.
Ein weiterer Hemmschuh ist auch die brachiale Aufteilung des letzten Drittels in ein Gemisch aus den architektonischen Hintergründen (die man dann schon zur Genüge kennt, weil sie schon bald nichts Neues mehr bieten) und der notdürftigen Abgründigkeit eines einsamen Jungen, der sich in eine schwierige Lage gebracht hat - und es ist schon eine enorme Dreistigkeit, mit welcher "Deus Ex Machina meets Hauruck"-Attitüde man aus der Sackgasse auf die letzten drei Minuten wieder rauskommt.
Schade drum, denn gerade der urbane Gebäudehorror ist ein im Film immer noch stiefmütterlich behandeltes Thema, während die sonstige Anlage des Plots mit der Story vom jugendlichen Delinquenten niemals auf gleiche Höhe mit den erzählerischen Möglichkeiten kommt, nicht mal die erzieherische Moral ist hier ausgetüftelt genug, um den Zuschauer wirklich zu berühren.
So mauert sich "Walled In" im wahrsten Sinne des Wortes selbst ein, verschenkt viel Potential und die guten, atmosphärischen Bilder der ersten Hälfte, die mit wenig Blut und viel Stimmung auskommen, um dann am Imbißstand der Küchenpsychologie zu stranden. Für die Weiblichkeit, die sich mal in Sachen weiblicher Ausweglosigkeit gruseln will, ohne daß das Essen dem Zuschauer aus dem Gesicht fällt, vielleicht dennoch delektabel, ansonsten aber sub par, wenn es um Sattmacher und Gaumenfreuden geht. (4/10)