Es ist schwer, die Helden seiner Kindheit, die unweigerlich mit dem Medium Hörspiel verankert sind, in einem Film wieder zu finden.
Eine adäquate Umsetzung ist von daher unmöglich, da jeder Hörer (im Weiteren natürlich auch Leser) seine eigene Phantasie hat, in der sich im Laufe der Zeit feste Bilder manifestieren.
Dennoch hat sich Regisseur Florian Baxmeyer im Vergleich zum Erstling noch einmal gesteigert und vor allem die grundlegenden Charaktermerkmale von Justus, Peter und Bob besser hervorgehoben.
„Das Gespensterschloss“ war seinerzeit das erste Buch vom Erfinder Robert Arthur, als Hörspiel ist es Folge 11.
Justus soll zum Geburtstag überrascht werden, doch die Freude wird rasch getrübt, als ein Fremder im Clownskostüm ein Videoband zu stehlen versucht. Der Clown flieht, doch das zurückgelassene Band zeigt Justus` verstorbene Eltern mit einer Videobotschaft.
Die Spur führt die drei Detektive zu einem einsam gelegenen Gruselschloss im Wald Nordkaliforniens. Was hat der Erfinder Terrill hier ausgeheckt und warum will Sheriff Hanson die Drei??? unbedingt loswerden?
Justus Jonas, dem eigentlichen Motor des Heldentrios, wird im zweiten Teil der Verfilmungs-Trilogie eine annehmbare Charakterisierung zugesprochen, vor allem ein Hintergrund, auf dem sich bauen lässt.
Anhaltende Trauer um den scheinbaren Unfalltod der Eltern, gleichzeitig ein daraus resultierender Ehrgeiz, die mysteriösen Hintergründe aufzuklären und nicht zuletzt diese Kombinationsgabe, die den Kopf der drei Detektive auszeichnet.
Auch Peter wirkt wie in seinem Element: Stoffelig, als er im Gespensterschloss alles Mögliche im Raum in einen Trümmerhaufen verwandelt, grundlegend ängstlich, aber mit einem Dietrich zur Hand, wenn es darum geht, essenzielle Puzzleteile zu beschaffen.
Bob hingegen ist zwar nicht mehr so babyhaft wie im ersten Teil, dafür bekommt er den wesentlichen Part für Situationskomik zugesprochen, denn Caroline, die merkwürdige Tochter des Sheriffs hat definitiv ein Auge auf ihn geworfen und versucht ihn mit orakelhaften Geschwafel von Kleopatra und Marcus Antonius an sich zu binden.
Gefällige Figuren, die im Hinblick auf die Hörspielreihe einen gewissen Widererkennungswert aufeisen.
Beim Kern der Geschichte hält man sich hingegen weniger an die Vorlagen.
Schön ist noch, dass Chauffeur Morton ins Spiel kommt und tatsächlich (wie in der Hörspielreihe) von Andreas von der Meden gesprochen wird und am Ende ein Song während des Abspanns markante Parts von Carsten Bohns Titelmelodie einbindet, doch auch hier gilt wie beim Erstling: Fans der „Drei ???“ sind im Schnitt um die Mitte dreißig und erwarten ein etwas deutlicheres Herauskristallisieren der Grundelemente und weniger eine kindgerechte Umsetzung mit künstlich angereicherten Storyelementen, die im Endeffekt zu konstruiert und manchmal auch albern wirken (Stichwort Hugenay, Erzfeind unserer Helden).
Dennoch weist das Ambiente des Gruselschlosses eine gewisse Atmosphäre auf; nette Gimmicks des Erfinders Tirrell reichen vom Flurteppich mit Rolltreppeneffekt über ein angehendes Kaminfeuer beim Öffnen einer Tür und die hanebüchene Tatsache, dass ein bestimmter Drink feuerfest macht, könnte tatsächlich eine Idee der früheren Hörspielausgaben sein.
Die Ausstattung bietet also insgesamt einige Schauwerte mit einfallsreichen Details, das Erzähltempo ist konstant hoch und kleine Gags, wie der Song „I´m proud to be a redneck“, der aus dem Auto des Sheriffs schallt, sorgen immer wieder für kleine Aufheiterungen.
Deutlich flüssiger und runder wirkt also das Gesamtbild der zweiten Verfilmung der Drei???.
Hier und da kann man über Logikfehler hinwegsehen (wer sendet denn eine geheime Videobotschaft vorm Hintergrund des Brandenburger Tores?), doch die drei Hauptdarsteller performen mittlerweile deutlich besser, für „Insider“ wird definitiv mehr getan und man darf gespannt sein, ob der Abschluss „Die silberne Spinne“, sofern er denn zustande kommt, Hörspiel - und Filmfreunde gleichermaßen zufrieden stellen wird.
7 von 10