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Nach dem Erfolg des ersten Teils war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ein Sequel des norwegischen Slashers Cold Prey folgte. Fast nahtlos an das Ende des ersten Teils anschließend, wird die immer noch geschockte einzige Überlebende Jannicke (Ingrid Bolsø Berdal) von einem Straßenwacht-Fahrer aufgelesen und in ein Krankenhaus in der Nähe gebracht. Die sie verhörende Polizei glaubt ihr zunächst nicht, rückt aber schon in der folgenden Nacht aus, um in der Gletscherspalte nach den Leichen ihrer Freunde zu suchen. Sie finden sie auch, daneben allerdings auch den vermeintlich getöteten Bösewicht, und nachdem alle im Keller desselben Krankenhauses untergebracht sind, fängt der Horror von Neuem an...

Prinzipiell spricht ja nichts dagegen, ein einmal erfolgreiches Konzept um ein paar Nuancen zu verändern und dann noch einmal abzuspulen - zahlreiche Sequels arbeiten nach diesem Muster. Bei Cold Prey II funktioniert diese Wiederholung  allerdings nicht ganz so reibungslos wie zunächst vermutet: Statt des verlassenen Hotels in den verschneiten Bergen ist es nun ein in wenigen Tagen schließendes Krankenhaus, das entsprechend wenig Personal bzw. Patienten beherbergt. Wieder jagt der Killer in dunklen Gängen nach den wenigen Opfern in seiner Reichweite und wieder ist vorhersehbar, wer am Ende übrigbleibt und wie der Killer das Ende erlebt.

Während sich der erste Teil noch ausführlich Zeit nahm die Protagonisten einzuführen, geht es im zweiten Teil relativ schnell zur Sache. Jannicke bekommt die Krankenschwester Camilla (Marthe Snorresdotter Rovik) zur Seite gestellt, die mit dem Straßenwacht-Fahrer liiert ist; eine andere Krankenschwester kümmert sich im Keller des Krankenhauses um die angelieferten Leichen. Während ein sehr junger Polizist vor Jannickes Krankenzimmer aufpassen soll (der übrigens viel zu nett und naiv dargestellt wird, sodaß man schon darauf wetten kann, wann er niedergemetzelt wird) sitzt der örtliche Polizeichef am Computer und forscht in alten Akten über den Killer, den er zu kennen glaubt. Zwei weitere Polizisten müssen nachts in der Gletscherspalte nach noch mehr Leichen suchen, wobei einer oben steht und der andere unten alleine herumläuft, was ich dann schon als eher unrealistisch empfand, da anscheinend auch niemand auf die Idee kommt, Verstärkung anzufordern obwohl es sich um einen augenscheinlich sehr großen Fall handelt. Neben zwei Patienten (einer davon ein klischeebetont kleiner Bub, dem sich Jannicke auch sogleich verpflichtet fühlt) und einem diensthabenden Arzt sind dies alle vorhandenen Darsteller - angesichts der Größe des Krankenhauses und der umgebenden Ortschaft (eine Kleinstadt) eine eher überschaubare Zahl.

Die Jagd des erneut vermummten Killers auf seine Opfer verläuft dann ähnlich wie im ersten Teil - das ist zwar spannend gemacht, wie sich die einzelnen Leute verstecken in den dunklen Gängen, auch der unbekümmerte kleine Junge mit seinem verräterisch leuchtenden Computerspiel oder eine blutige Hand an einer Glasscheibe fehlen nicht in der aufziehenden Gruselatmosphäre, dennoch vermisst man das gewisse Etwas, wie ein zusätzliches Überraschungsmoment oder dergleichen. Stattdessen läuft alles wie zu erwarten. Dazu kommen gegen Ende des Films einige gravierende Logiklöcher, wie beispielsweise die nach einer Waffe im Kofferraum suchende Jannicke, der dies verwehrt wird ("Keine Waffen an Zivilisten"), während sie etwas später, als es dringend geboten wäre, nicht mehr an die Waffe im Kofferraum denkt. Auch ein gegen die Polizisten angewendeter Fallenstellertrick des Killers scheint mehr als zweifelhaft - über ihn selbst erfährt man leider wieder gar nichts, außer daß er früher einmal bereits für tot erklärt wurde und dann doch wieder ins Leben zurückkehrte.

Cold Prey II ist zwar immer noch ein ordentlich durchgezogener  Slasher, aber doch ein ganzes Stück entfernt vom sehr guten ersten Teil. Wegen der stets vorhandenen gruseligen Atmosphäre gerade noch 7 Punkte.

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