Nach „Good Fellas“ war Ray Liotta mal das ganz heiße Ding in Tinseltown, aber leider wurde er alsbald auf zwielichtige oder psychopathische Rollen stereotypisiert. Ist trotzdem immer wieder eine Freude, ihm zuzusehen, wenn ihm nicht so undankbares Material wie in „Unforgettable“ vorgesetzt wird.
Eigentlich ein ordnungsgemäßes Polizeithrillergerüst, spielt in diesem Fall ein utopisch-phantastisches Element hinein, denn Linda Fiorentino (die auch nicht immer besonders gute Rollen bekommt), kann aus dem Gehirn eine Flüssigkeit abziehen, die es ermöglicht, die Erinnerungen von Menschen auf andere zu übertragen, sofern man das Serum injiziert.
Natürlich ist sie noch dabei, das an Ratten zu üben, aber Liotta hat natürlich ein beachtliches Trauma (und Stigma) zu schleppen, denn er ist des Mordes an seiner Frau verdächtig, kann sich an nichts erinnern, da er betrunken war und ist nur wegen Formfehlers auf freiem Fuß.
Seltsamerweise arbeitet er aber immer noch als Polizeiarzt (allein das verursacht Kopfschütteln), doch als sich ihm diese unbegrenzten Möglichkeiten offenbaren, organisiert er einen Selbstversuch nach dem anderen....
Nicht nur, daß es dem kundigen Polizeifilmkenner hier entgegenschreit, daß der Täter letztendlich ebenfalls ein Staatsbeamter sein wird, sträuben sich hier der Logik die Haare, daß man den Punk neu erfinden könnte. Gehirnserum, von dem man noch nie gehört hat, setzt sich ein besessener Arzt mit Flachzangentheorie im Selbstversuch. Prompt stellen sich als Flashback alle Erinnerungen ein, die der Verlebte an dem Ort erlebt hat, an dem sich der Probant gerade aufhält. Ja...klar!
Zusammengehalten wird dieses Unlogikkonstrukt von ein paar superbilligen Erklärungen und streckenweise Action der ordentlichen Sorte. Natürlich hat das alles einige medizinische Nebeneffekte, aber das dient ja nur der Spannungssteigerung...
Natürlich verwandelt sich Liotta in einen Memory-Junkie, dessen Herz- und Geisteszustand es bald möglich macht, mit den reichlich abgezapften Erinnerungen so ziemlich alles zu sehen, was nötig ist, um den Täter zu entlarven. Der tut derweil sein Möglichstes, um diesen SF-Ausflug zusätzlich zu torpedieren, obwohl allen klar sein müßte, daß die Erinnerungen eines Durchgeknallten vor Gericht wohl kaum Beweiskraft haben würden.
Vor der Nase wandert uns noch ein extrem ekliger Beamter herum, aber der ist es natürlich nicht (der Schlingel soll uns nur ablenken) – vielmehr reicht schon ein Blick in die Besetzungsliste, denn Semi-Promis ziehen als Bösewichter immer. Und letzterer inszeniert dann auch einen komplett verlaberten Zimmerbrand-Showdown, bei dem er wie weilend in Bond-Filmen solange seine Taten verklausuliert, bis Liotta seinen Infarkt verarbeitet hat und ihn angreifen kann.
Garniert ist das mit einem melodramatisch offenen Ende, weil alles andere wohl nicht aufregend genug gewesen wäre.
Nein Leute, die Darsteller sind zwar beachtlich, aber das Drehbuch gehört eingesargt und läßt sich auch mit technischen Fertigkeiten nicht ausbessern. Für alle, die bei Filmen grundsätzlich nicht nachdenken, ist das vielleicht sogar solide Kost. (3/10)