Zum großen Regisseur des Thrillergenres hat es John Dahl es nie geschafft, doch ein guter Handwerker ist er schon wie Filme wie „Unforgettable“ zeigen.
Hauptfigur ist der Gerichtsmediziner David Krane (Ray Liotta), der unter dem Mord an seiner Frau leidet und immer noch hofft eines Tages mal den Killer zu finden. Pikantes Detail ist allerdings, dass er damals selbst wegen des Mordes angeklagt wurde und es nur wegen eines Formfehlers zu keiner Anklage kam. Derartiges kennt man zwar schon, aber immerhin wirkt David nicht wie strahlende Heldenfigur, sondern hat angenehmerweise einige Flecken auf der weißen Weste.
Derweil testet die Wissenschaftlerin Martha Briggs (Linda Fiorentino) ein Serum mit dessen Hilfe man Erinnerungen einer anderen Person in Schlüsselmomenten nacherleben kann. Das ist schon mal eine abgedrehte Idee und man muss sie akzeptieren, um Spaß an „Unforgettable“ zu haben, denn dadurch geht der Film schon in Richtung Sci-Fi. So hat das Gedankenübertragen seine eigenen, nicht immer ganz logischen oder unbedingt nachvollziehbaren Regeln und kann bestenfalls als pseudowissenschaftlich bezeichnet werden.
Durch Zufall stößt David auf Martha Forschungen und entwendet eine Ampulle des Zeugs mit dessen Hilfe man auch die Erinnerungen Toter erleben kann. Er ist fest entschlossen auf diese Weise den Mörder seiner Frau zu finden, ohne Rücksicht auf die Nebenwirkungen des noch nicht am Menschen getesteten Mittels…
Wenn man „Unforgettable“ eines zugute halten kann, dann ist es die sehr dichte Atmosphäre. Mit stimmigen, meist sehr düsteren Bildern beschreibt Dahl Davids verzweifelte Tätersuche, wie dieser sich an Mordschauplätzen das Serum spritzt, um die richtigen Erinnerung der Ermordeten hervorzurufen und mit diversen Hinweisen, egal ob normal gesammelt oder durch das Serum erworben, dem Ziel immer näher kommt. Dabei machen sich körperliche Nebenwirkungen bemerkbar, welche dem Ganzen einen noch brisanteren Touch gibt, denn mit jeder Anwendung kommt David nicht nur des Rätsels Lösung, sondern auch dem eigenen Exitus näher.
Von der Idee mit dem Serum mal abgesehen ist „Unforgettable“ jedoch eine fast schon klassische Whodunit-Geschichte. Natürlich erweist sich der erste Verdacht als falsch, Zeugen werden ermordet und der wahre Täter ist jemand, von dem man es nicht unbedingt erwartet. Allerdings könnte der Kreis der Verdächtigen etwas größer sein, denn in der Endphase sind es nur noch wenige Figuren, die für die Fieslingsrolle in Frage kommen, und so lässt „Unforgettable“ ein wenig Überraschungspotential vermissen. Ansonsten ist die Story jedoch solide und gut durchdacht, zumal auch die Motive des Täters erst gegen Ende wirklich geklärt werden und man so die Spannung noch bis zum Ende aufrechterhält.
Woran es „Unforgettable“ jedoch mangelt, das ist eine wirklich aufregende Erzählweise. Schauwerte sind dünn gesät, denn die Actionszenen sind von geringer Zahl und Dauer. Zwar gibt es in den kurzen Actionmomenten teilweise schon recht blutige Einschüsse zu sehen und die paar Verfolgungsjagden sind ganz nett, aber meist ist die Chose schon vorbei bevor sie richtig angefangen hat. Auch die Subplots, wie z.B. das Verhältnis zwischen David und Martha, die bald zusammen mit ihm ermittelt, sind allesamt wenig überzeugend ausgearbeitet und stören oft eher als dass sie die Geschichte sinnvoll erweitern.
Das ist insofern schade, denn Ray Liotta verkörpert den zerfressenen Helden, der mit seinem krankhaften Ehrgeiz auch die eigene Suspendierung riskiert, wirklich sehr überzeugend. Linda Fiorentino verkommt da eher zur Stichwortgeberin und Kim Cattrall als Schwester der ermordeten Ehefrau hat auch kaum was zu tun. Immerhin sind die Nebenrollen mit David Paymer, Peter Coyote, Kim Coates und Christopher McDonald gut besetzt.
Bleibt unterm Strich ein relativ spannender, atmosphärisch dichter Thriller, der seine Geschichte einfach zu unspektakulär erzählt und der einige Schauwerte mehr gebrachen könnte (gerade der Showdown könnte brisanter sein).