Eine sehr interessante Kollaboration stellt dieser 21minütige Schwarzweißfilm dar. Das norddeutsche Black Metal-Projekt FÄULNIS liefert die Filmmusik zu diesem Projekt. Produziert haben die Macher im Endeffekt eine Mischung aus extravagantem Musikvideo, Experimentalfilm und Videokunst.
Der isolierte Protagonist arbeitet an einer rätselhaften Maschine, welche ihm gegen Ende seiner Mühen eine Art Parallel-Leben bzw. eine Vision eines besseren Lebens aufzeigt. Was ihn wirklich antreibt, ob er aus freien Stücken handelt und wer oder was sein wirkliches Ich ist, werden wir nicht erfahren.
Der Film bietet natürlich breite Interpretationsmöglichkeiten. Die grundlegende Fragestellung, was ist Reflektion, was Abstraktion, transportiert der Inhalt auf recht verständliche Weise. Eine Mystifikation oder überladene, erzwungene Intellektualisierung hat man also umschifft. Trotzdem ist das Werk nicht zu plump ausgefallen. Die Bildsprache ist primär expressionistisch und zeigt Parallelen zum Stummfilm auf. Dieser Eindruck wird natürlich durch die Tatsache, daß im Film kaum gesprochen wird, noch verstärkt. Der einzige Darsteller im Geschehen meistert seine Aufgabe recht professionell, auch, wenn er in einigen Szenen noch zu exzessiv agiert. Der zentrale Monolog wird von ihm überzeugend dargeboten. Inhaltlich schwankt der Text zwischen lyrisch gehaltvoll, banal und etwas prätentiös.Anfangs erscheint der Metal-Soundtrack von FÄULNIS wie ein akustischer Fremdkörper, bildet aber schon nach kurzer Zeit eine eindringliche Atmosphäre im Zusammenspiel mit den bewegten Bildern. Trotzdem fällt leider auf, daß der Rhythmus des Films zuweilen nicht zur Musik paßt. Dies wirkt etwas konträr. Handwerklich ist der Schnitt jedoch gelungen. Auch die Kamera ist für eine Produktion mit diesen Budgetausmaßen gut, auch, wenn einige Perspektiven sorgfältiger hätten gewählt werden können. Der einzige echte Kritikpunkt wäre für mich der zweite Teil der „Alternativen Realität" Sequenz. Das profane Biergelage in der Küche erscheint doch recht unpassend. Insgesamt erreicht der Kurzfilm sein Ziel jedoch vollkommen und stellt ein gelungenes Experiment dar. Nichts wirkt trashig oder überladen.
Das Gesamtpaket weiß also absolut zu überzeugen und sollte jedem Filminteressierten, Musikfreund und Liebhaber des Ungewöhnlichen nicht enttäuschen. Als Anhänger ungewöhnlicher Filme gebe ich somit 8/10.
MovieMadness