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Vincent Perez spielt einen ehemaligen Mitarbeiter der Bergwacht, dessen Beziehung zerbrach, als bei einem missglückten Rettungsversuch der Bruder seiner Frau, gespielt von Desiree Nosbusch, in den Abgrund fiel, woraufhin er das Tiroler Dorf verließ. Jahre später wird der Leichnam gefunden und eine Beerdigung vollzogen, zu der er schließlich zurückkehrt. Zu seiner Verwunderung muss er feststellen, dass er einen Sohn hat, doch die Freude darüber hält nicht lang an, da eine Lawine den Ort von der Außenwelt abschneidet.

Und noch ein Katastrophenfilm von RTL, diesmal, wie es schon bei "Tarragona" der Fall war, nach wahrer Begebenheit, die Handlung orientiert sich grob an der Lawine, die 1999 in Galtür 38 Todesopfer forderte. Mit "Tarragona" kann der Film jedoch bei Weitem nicht mithalten, er fällt sogar deutlich unter durchschnittliches deutsches TV-Niveau ab und hat selbst mich als Fan des Genres enttäuscht.

Wie bei jedem schlechteren Bergfilm beißt am Anfang jemand bei einer Rettungsaktion ins Gras und einer der Retter zerbricht daran, bis er sich Jahre später seinen Dämonen stellen muss. Bereits hier, nach diesem Anfang, der dem von "Cliffhanger" und anderen vergleichbaren Filmen mehr oder weniger 1:1 entspricht, ist klar, dass es sich auch bei "Die Jahrhundertlawine" um ein klischeehaftes Fernsehfilmchen ohne eigene Ideen handelt und genauso geht es dann auch weiter. Die Charaktere sind unglaubwürdig und meist übertrieben sympathisch gestrickt, sind aber dennoch so seelenlos konstruiert und auch nicht sonderlich gut gespielt, sodass kein emotionaler Zugang möglich ist.

Und im Mittelteil geht es leider auch nicht anders weiter. Die Lawinen sind zwar für eine deutsche TV-Produktion überraschend gut animiert und auch die Landschaftsaufnahmen sind ganz gut gelungen, aber das war's dann leider auch schon. Die Filmmusik ist absolut unauffällig und baut nicht einmal ansatzweise eine gespannte Atmosphäre auf und so bleibt der Film auf unterirdischem Unterhaltungsniveau. Regisseur Jörg Lühdorff, der unter Anderem "Ratten" und "Ratten 2" inszenierte, versucht zwar seinen Film auch ohne oberflächliche Effekte spannend zu gestalten, setzt in der zweiten Hälfte eher auf klaustrophobische und ausweglose Situationen, in denen die Figuren meist in halb eingestürzten Gebäuden in Schnee und Eis nach Überlebenden suchen, aber bei dieser lieblosen, stereotypen Machart, wie sie hier an den Tag gelegt wird, baut der Film so leider überhaupt keine Spannung auf und enttäuscht auf ganzer Linie. Eine gespannte Atmosphäre kann trotz der soliden Kameraarbeit leider nicht erzeugt werden.

Darstellerisch ist "Die Jahrhundertlawine" solide, aber auch nicht wirklich gut. Desiree Nosbusch spielt halbwegs souverän, aber die Erfahrung sollte sie allmählich auch haben, dafür ist Vincent Perez nicht sonderlich überzeugend. Der restliche Cast fällt weder positiv noch negativ auf.

Fazit:
"Die Jahrhundertlawine" hat außer ein paar ganz netten Effekten und der einen oder anderen halbwegs gelungenen Landschaftsaufnahme nichts zu bieten, außer einem mittelmäßigen Cast, einer vollkommen klischeehaften Handlung und einer lieblosen Inszenierung die das Fließbandprodukt von RTL zu keinem Zeitpunkt unterhaltsam werden lassen.

22%

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