Robin Wright Penn spielt die 50jährige Pippa Lee, die mit einem wesentlich älteren Verleger, gespielt von Alan Arkin, seit Jahren glücklich verheiratet ist und ein bodenständiges, ruhiges, gewissermaßen perfektes Leben führt. Da ihr Mann bereits seinen dritten Herzinfarkt bekommen hat, ziehen die beiden in eine Rentnerstadt, wo die Hausfrau schließlich von ihrer nicht ganz so glatten Vergangenheit eingeholt wird.
Rebecca Miller, die den gleichnamigen Roman verfasste und bei ihrem Film "Pippa Lee" sowohl für das Drehbuch als auch für die Regie verantwortlich war, zeichnet in ihrem Werk das Portrait einer Frau in den Wechseljahren, die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist, als Teenager am Leben zu scheitern drohte, schließlich aber einen intelligenten und wohlhabenden Verleger heiratete, mit dem sie nach wie vor glücklich ist und zwei erwachsene Kinder hat.
Und sicherlich hat die Charakterstudie einen gewissen Reiz, weil die Hauptfigur und ihr Lebensweg nicht schlecht konstruiert sind. Die schlechte Mutter und der Selbstmord der damaligen Ehefrau ihres Mannes, wobei sie an Letzterem selbst nicht ganz unschuldig war, prägten die Frau, die sich Mühe gibt, glatt und makellos zu erscheinen, die versucht, die perfekte Ehefrau, Mutter, Freundin und Nachbarin zu sein. Nach Jahren hat aber auch dieses allzu bemühte Verhalten, fehlerlos zu sein, üble Nachwirkungen auf ihren Mann und auch auf sie selbst. Die unterdrückte Wut ist vermutlich Ursache für ihr Schlafwandeln. Was folgt, sind Episoden aus der Vergangenheit, die zunehmend Vieles erklären und der Ausbruch aus ihrer selbstauferlegten Bürde, perfekt zu sein.
Letztlich ist "Pippa Lee" trotz einiger guter Ansätze leider kein guter Film geworden, zu viele narrative Fehler unterlaufen Rebecca Miller bei der Inszenierung ihres Stoffs. “Pippa Lee“ ist ausgesprochen monoton und höhepunktslos erzählt, es fehlen dramaturgische Spitzen und die wirklich großen Momente. Diese werden auch nicht dadurch kompensiert, dass "Pippa Lee" allzu überemotional erzählt ist und Miller ihre Figuren in jeder zweiten Szene in Tränen ausbrechen lässt. Manches wiederholt sich dabei, sodass der Film unterm Strich auch etwas zu lang geworden ist und immer wieder Längen entstehen, wenn er mal wieder auf der Stelle tritt. Manche Szenen wirken zudem überflüssig oder aus dem Zusammenhang gerissen, wobei man Miller zu Gute halten muss, dass der Erzählstil auf zwei Ebenen das Ganze unterm Strich doch zumindest etwas interessanter erscheinen lässt, als es bei einer linearen Wiedergabe vermutlich gewesen wäre. Im Hintergrund sind lediglich ein paar melancholische Klänge zu hören, die letztlich auch nicht für mehr Spannung oder Dramatik sorgen. Vielleicht liegt dies auch daran, dass der gesamte Film ein bisschen zu brav und bieder erscheint.
So ist "Pippa Lee" letztlich ein mäßiger Film geworden, der vor allem von seinem hervorragenden Cast lebt. Robin Wright Penn wird ihrer Figur dabei jederzeit gerecht, spielt ihre Rolle sehr gelassen und die perfekte Ehefrau und Mutter ausgesprochen authentisch, überzeugt aber auch dann, wenn größere Emotionen gefragt sind, wobei sie immer im Bereich des Glaubhaften agiert. Daneben zeigt auch Alan Arkin einmal mehr, dass er ein ausgezeichneter Charakterdarsteller ist und hat in der Rolle des Verlegers auch einige amüsante Momente, wenn er gelegentlich mal zynisch werden darf. Daneben sind eine überragende Winona Ryder, eine ebenfalls hervorragende Maria Bello und ein solider Keanu Reeves zu sehen, während die Auftritte von Julianne Moore und Monica Bellucci leider etwas kurz ausfallen, da auch die beiden durchaus auftrumpfen.
Fazit:
Rebecca Miller hat ein ordentliches Portrait einer relativ interessanten Frau konstruiert und ein hervorragendes Darstellerenssemble an ihrer Seite, das bis in die Nebenrollen kaum besser sein könnte, leistet sich aber besonders erzählerisch allzu viele Fehler. Monoton, höhepunktslos und mitunter etwas redundant plätschert “Pippa Lee“ seinem Ende entgegen und ist damit leider nicht allzu unterhaltsam.
52%