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Die sympathische, hübsche aber verklemmte Jody (das sie verklemmt ist, spielt später eine sehr wichtige Rolle), gespielt von Leelee Sobieski, studiert erfolgreich an einer Filmhochschule mit gutem Abschluss. Schnitt: ein Jahr später in Los Angeles hat sie ihren zigsten Aushilfsjob und ungefähr 1000 erfolglose Bewerbungen verschickt, ohne jemals eine positive Antwort zu erhalten. Nachdem sie sich als Cutterin bei einem kleinen Filmstudio beworben hat, wird sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen und in ihrer Euphorie merkt sie zu spät, dass es sich um ein Pornofilmstudio handelt. Man bietet ihr den Job an, um die weibliche Perspektive in der Branche zu verstärken, aber zunächst ist sie angeekelt und will absagen, aber dann merkt sie, dass sie ja tagsüber Pornos schneiden kann und nachts ihr erstes Drehbuch mit dem Equipment des Pornostudios realisieren könnte. So beginnt das Chaos...

Der Film "Finding Bliss" der Amerikanerin Julie Davis ist tatsächlich eine romantische Komödie im Pornobusiness (oder wie es im Film so schön heißt "Adult Entertainment! We don't use the P-word here!") und, ein noch erstaunlicherer Widerspruch: sie funktioniert recht gut. Hauptgrund dafür ist es (so finde ich), dass es Julie Davis vermeidet, die Pornobranche als das dunkle Monster hinter den Hollywood-Hügeln zu verdammen, wo ausschließlich Ausgebeutete und gänzlich dumpfe oder zynische Charaktere arbeiten/enden (Ausgebeutete gibt es dort ganz sicher, aber eben nicht nur!). Die Pornodarsteller in ihrem Film - sogar ein paar echte wie Stormy Daniels und Ron Jeremy tauchen auf - sind manchmal wirre, liebenswerte oder ehrliche Charaktere, aber eben keine Freakshow.
Dass der Film eine romantische Komödie mit dem obligatorischen Happy End ist, ahnt man schnell, der Weg dahin ist aber unterhaltsam, witzig und nicht (nur) von den üblichen Klischees gepflastert. Und eine Liebeserklärung auf der Bühne der AVNs in Las Vegas (der Porno-Oscars gewissermaßen) hat man in diesem Genre auch nicht alle Tage.
Positiv an dem Film sind die Schauspieler, allen voran Denise Richards (von der ich seit diversen Scheidungskriegen mit Ex Charlie Sheen nichts mehr gesehen hatte) und Leelee Sobieski. Ihr gelingt es, das allmähliche Auftauen der Hauptfigur Jody glaubhaft darzustellen, ihre Entdeckungsreise in diese Schmuddelwelt, in der es naive, aber auch selbstbewusste Frauen gibt, verändert auch sie und lässt sie erahnen, dass Enthaltsamkeit aus Angst vor Verletzungen und etwas falsch zu machen, keine Dauerlösung ist.

Kurzum: kein Meisterwerk, aber eine sympathische, unkonventionelle Romantikkomödie, die man sich auch als Mann angucken kann (und ich hasse Romantikkomödien sonst), der es gelingt, ihren Schauplatz, die XXX-Industrie, nicht zu denunzieren, sondern sie vielmehr in das Geschehen amüsant mit einzubeziehen.

PS: Nein, Frau Sobieski macht sich nicht nakkich. Skandal:-))

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