Der Sprung von „Rotkäppchen“ zur klassischen Horrorgestalt des Werwolfs scheint nicht sonderlich groß: Gab es mit „Zeit der Wölfe“ doch bereits eine wunderbar verträumte Parabel, während die Reihe um „Ginger Snaps“ eher den Teenie-Horrorfilm bediente, dabei aber ebenso das Thema der Unschuld und der verführenden Sexualität hervorhob.
Die wesentlich schlichtere Variante bringt der Debütant B. Scott O`Malley ins Spiel, in der es um einen Werwolf in Menschengestalt geht, dessen Fluch von seinem leicht ausgeflippten Love Interest gebrochen werden könnte.
Der Wolf in Menschengestalt leidet scheinbar unter Amnesie, als er in der Villa der Schauspielerin Rachel erwacht, die er in der vorherigen Vollmondnacht gebissen hat.
Über Umwege landet das flippige Punk-Girl Audie als Fleischlieferantin in der Villa und versucht dem Mann, den sie fortan John Doe nennt, an seine Wurzeln heranzuführen.
Dabei erkennt Joe, dass die Frau, die er zu lieben beginnt, in höchster Lebensgefahr schwebt…
Schade, dass der Streifen als Horror-Komödie angepriesen wird, denn als reiner Werwolf-Trash hätte er fast schon funktionieren können.
Doch die bemühte Art, dumme Grimassen und alberne Verhaltensweisen witzig erscheinen zu lassen, erstickt das Vorhaben im Keim.
Schon allein, weil die Figuren keinerlei Sympathiepunkte einfahren können, das Hundeverhalten von Joe mit Kratzen, in die Ecke pinkeln und Verzehr rohen Fleisches auf Dauer ermüdend albern wirkt und das Treiben im Haus zur reinen Einfältigkeit verkommt.
Der stets unsicher agierende Joe weilt in der Villa, nach und nach klingeln Bekannte der Schauspielerin an der Tür oder Typen, die irgendwie als Opfer dienen könnten, wie ein versoffener Arzt oder ein schwarzmagisches Exorzistenpaar. Die Besucher werden gebissen, was in seiner Darstellung meistens nicht allzu explizit ausfällt und anschließend landen sie im Keller des Hauses, wo sie als Untote ab und an gegen die Tür hämmern.
Dazwischen lernt Joe durch Audie ein wenig vom wahren Leben kennen, doch die Villa wird infolgedessen nicht verlassen, was der Abwechslung nicht gerade dienlich ist.
Opfer kommt, wird niedergestreckt und anschließend versteckt, während Audie etwaigen Hilferufen zu keiner Zeit nachgeht: Überraschungsfrei und altbacken aufgebaut bis zum Ende.
Dazu passen auch irgendwie die billig klingenden Songs Richtung 80´s Pop und die biedere Inszenierung, die sich zu keiner Zeit traut, auch mal brachiale Szenen einzubinden oder zumindest auf Dialogwitz zu setzen, welcher allenfalls ein bis zwei Mal zündet.
Dadurch resultiert im Gesamtbild vor allem Bewegungsarmut, mangelnde Spannung und ausbleibende Originalität, während die wenigen Splatterszenen zwar passabel gestaltet wurden, über Bisswunden, vorzugsweise in der Halsgegend, jedoch kaum hinauskommen.
So besucht man einen katholischen Priester am Tropf hängend, entdeckt ein schützendes Amulett, schickt die Geliebte mehrfach aus dem Haus, wischt das Blut vom Boden, versucht durch TV Erinnerungen hervorzurufen und empfängt einen Indianer, der zumindest noch einen halbwegs originellen Hintergrund zum Werwolf-Fluch liefert.
Ansonsten kommt der Stoff kaum in die Gänge und ermüdet primär mit seinem überraschungsfreien und eindimensionalen Ablauf.
Eine derart angelegte Horror-Komödie hätte eventuell noch in den Sechzigern begeistert, doch die Sehgewohnheiten erwarten letztlich doch etwas mehr als einen Typen im Haus, der seine Triebe nicht unter Kontrolle halten kann und ein paar Leute relativ unspektakulär um die Ecke bringt.
Zumal: Von einer Verwandlung zur Bestie sind wir bei diesem Streifen so weit entfernt wie Rotkäppchen vom Puff und somit bedarf es schon einer Menge Wohlwollen, der uninspirierten Geschichte auf Dauer etwas Positives abzugewinnen.
Knapp
3 von 10