Womit sein Erzrivale Bela Lugosi seine Karriere einst auf Zack brachte, beendete Boris Karloff seinen Lebensabend: Zombies und Voodoo-Kult. Während “White Zombie” von 1932 aber sogar mehr oder minder das Zombie-Genre begründete, käut “Cult of the Dead” bloß Fragmente desselben mit seiner rituellen Ausgangsposition uninspiriert wieder und kann nichts weiter als Schlüsselbilder bieten, die typisch für den Subgenre-Vertreter sind: blau angelaufene, torkelnde und stöhnende Willenlose, haufenweise Schlangen, kryptische Bastrocktänze, sehr viel Feuerchen und jede Menge Gesäusel über Flüche, dunkle Magie und uralte Bräuche. Dabei revolutionierte ein gewisser George A. Romero den Zombiefilm noch im gleichen Jahr mit seinem legendären “Night of the Living Dead” - das alleine sollte den absolut nichtigen Stellenwert von der Zelluloid-Entwürdigung beweisen, die der mexikanische Stümper Juan Ibanez - diesmal in Kooperation mit einem US-Regisseur (Jack Hill, “Foxy Brown”) - unchristlicherweise verbrochen hat.
Boris Karloff mal wieder mittendrin und aufgrund seiner Doppelrolle vermutlich nicht mal wissend, was er da eigentlich tut. Von den Leiden seines Alters gezeichnet, wird er sich in allen vier Teilen seiner fatalen Mexiko-Reise ohnehin nur gedacht haben “Leckt’s mi doch am Arsch”. Er schwebt eher über der Belegschaft anstatt zu chargieren, doch immerhin, in einer Szene, in der er einen jungen Burschen mit dem Stock verprügeln darf, da kommt der Spaß zurück. “Du wagst es, eine Göttin mit deinen irdischen Lüsten zu besudeln?”, keift er, als er den Wicht dabei erwischt, wie er eine blau angelaufene Zombiefrau begatten will, und dann gibt’s Haue von Onkel Frankenstein.
Im Vergleich mit “Alien Terror” oder “Dance of Death” fällt immerhin die etwas abwechslungsreichere Location positiv ins Auge; die altertümlich ausgestatteten Anwesen und die selten dämlichen Pappkulissen mitsamt der geschmacklosen Kostüme der Darsteller gingen doch arg auf den Senkel und da ist es erfreulich, diesmal ein paar spärlich bekleidete Bauchtänzerinnen durch Dschungelgebiete, Höhlen und provisorische Siedlungen Westlicher tanzen zu sehen. Ein paar nette Schnittmontagen gibt es auch noch. Die Erweckung der Schlangenfrau (fragt mich aber nicht, was die für eine Funktion hat und warum sie als Zombie-Bauchtänzerin wie Dracula in einem Sarg liegt) kommt richtig psychedelisch - da steht sie und steckt sich - wie gruselig - eine Schlange in den Mund, und huch - Schnittmontage sei Dank ist sie auf einmal nicht mehr da. Zauberei! Hexenwerk! Und einen Wimpernschlag später steht sie doch wieder an gleicher Stelle, schlabbert an der Schlange herum, geht auf die Heldin zu und schiebt ihr herzhaft ihre Zunge in den Mund. Immerhin, eine Lesbenszene hat in so einem Film nun niemand erwartet.
Kein Grund jedoch für Jubelstürme, schließlich bleibt es im Kern bei der alten Leier - abgesehen davon, dass eben gewisse Klischees postuliert werden, Signalreize, mit denen die Genrefans angelockt werden sollen, gibt es nicht wirklich eine Geschichte, die “Cult of the Dead” seinen charakteristischen Verlauf geben könnte. Die “Idee” des Films ist das optische Nachstellen der Klischees mit einer Untermalung anhand von konstativen Äußerungen (“Diese Schlange ist gefährlich. Sie ist die Schlange des bösen Geistes.”) - das war’s. Eine Inhaltsangabe zu verfassen stellt deshalb auch ein gewisses Problem dar - man würde unweigerlich in die gleichen Feststellungsorgien verfallen wie die Darsteller (“In dem Film gibt es Magie. Es gibt Zombies. Es gibt Rituale. Es gibt...”).
Die technische Unhaltbarkeit versteht sich von selbst und insofern fällt das Fazit leicht. Lieber Filmfreund: Nein! Aus! Finger weg! Guckst du lieber Barbara und Johnny, alles klar?