Review

1993 brachte Spielberg die Geschichte von Oskar Schindler ins Kino - bedrückend, emotional, teilweise manipulativ (und mit einer peinlichen Schlussszene, nicht die Steine, das Auto). Das hier ist eine Art deutsche Antwort darauf. John Rabes Geschichte ist weniger bekannt, aber ähnlich beeindruckend. Der Vertreter von Siemens in China, selbstverständlich Parteimitglied, gerät 1937 beim Angriff der Japaner auf China mehr oder weniger zufällig in die Situation, 200 000 chinesische Zivilisten schützen zu müssen.Die Bilder, die der Film für die Taten der Japaner findet (in Japan wurde der Film übriogens nicht gezeigt), sind angemessen drastisch und entsprechen wohl den Ereignissen (wenn ein Panzer an Kriegsgefangenen vorbei fährt, um sie nieder zu metzeln, oder Offiziere sich vor den abgeschlagenen Köpfen ihrer Gegner freudestrahlend fotografieren lassen, kann einem nur schlecht werden). Die Bilder von Flüchtlingen sind dagegen erschreckend aktuell - Menschen flüchten mit dem nackten Leben in die scheinbare Sicherheit, wo man darüber diskutiert, ob man so viele aufnehmen kann. .
Insgesamt also ein Film der über das Thema trägt. Ulrich Tukur als Rabe spielt die Roplle als Krämer, der tut, was eben zu machen ist - bei dem Leid kann er nicht wegschauen, also verwaltet er, weil er das kann. Steve Buscemi (mit einer schrecklichen Synchro) gibt den (am Ende bekehrten) zynischen Arzt. Reingeworfen wird auch Daniel Brühl, mit einer völlig überflüssigen Lovestory, die niemand gebraucht hätte, aber wohl dazu gehört.
Was bleibt, sind die bitteren Ironie der Geschichte - die Hakenkreuzflagge, die chinesischen Arbeitern das Leben rettet. Die Hoffnung, das Hitler Leid lindern könnte (was nicht geschieht). Das ein Deutscher einem internationalen Komitee vorsteht, das chinesische Leben rettet. Das ausgerechnet John Rabe erst von der Gestapo verhaftet, dann aber die Entnazifizierung verweigert wurde.
Trotz einiger (teils massiver) Probleme (vor allem die Darstellung der Japaner bleibt extrem einseitig) ein Film, der den Blick auf eine fast vergessene "Fußnote" der Geschichte lenkt - der "gute Deutsche von Nanking", der gegen den Willen seiner Regierung geholfen hat, 200 000 Menschenleben zu retten, was für diese Menschen, sicher mehr als eine Fußnote war.

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