Review

Es zeugt schon von einiger Liebe zum Film, wenn sich ein Regisseur, der sich bisher kaum einen Namen mit wirklich bedeutenden Gruselfilmen gemacht hat, einem Remake widmet, von dem die breite Masse der Zuschauer nicht wissen wird, daß es überhaupt eins ist.
„Long Weekend“, ein australischer Thriller aus den fortgeschrittenen Siebzigern ist ein obskurer Film gewesen, der Mystery-Elemente mit Versatzstücken des damals populären Tierhorrors paarte und so ein kleines, nicht allzu deutliches Moralstück über die Zerstörung der Natur, deren Rache und die Zerstörungskraft des Menschen schuf, bei dem das Verhalten des einzelnen Menschen, speziell eines Ehepaars im Vordergrund stand (und nicht wie noch beliebter, der Frevel an der Natur im großem Stil).

Jamie Blanks, ein bisher eher talentierter Handwerker für den Heimkinomarkt, aber durchaus mit guten Ansätzen, nahm sich jetzt gut 30 Jahre später des Films an und verpaßte ihm einen Neuanstrich.
Wobei der Name Programm ist, denn selten wurde an einer Vorlage für einen Regisseur wohl so wenig verändert wie im Falle von „Long Weekend“, bei dem nicht nur diverse Einstellungen paßgenau wiederholt wurden, sondern auch sonst allenfalls dramaturgische Trimmungen den Unterschied machen.

Also kann man jetzt schon vermelden, daß es sich wieder um ein Zweipersonenstück handelt, um den von vornherein zum Scheitern verurteilten Campingwochenendausflug von Peter und Carla, bei dem er sich als „Mann“ mal der Natur stellen (und über sie herrschen) möchte und sie sich lieber an einem luxuriösen Urlaubsstrand ausstrecken möchte. Doch die beiden teilen natürlich noch ein anderes schreckliches Erlebnis, das auch im Remake lange Zeit als dunkles Omen über den beiden schwebt, bis es irgendwann aus Peter heraus bricht, sollte man die Zeichen bis dahin noch nicht verstanden haben.

Bis dahin sind beide jedenfalls definitiv am falschen Ort. Carla weiß das immerhin, begegnet jedoch den Tücken der Natur mit den Hilfsmitteln der Zivilisation, ihre Teilnahmeversuche an diesen zwei Tagen beschränken sich auf Sonnen und Lesen und manchmal macht sie den Abwasch, aber sonst ist ihr alles eher zuwider, attackiert sie doch sogar die Ameisen auf dem Boden mit Spray.
Peter jedoch, unterliegt dem wesentlicheren Irrtum, als er sich, mit reichlich Alkohol und Knarre in die Natur zurückzieht, um dem Entdeckerdrang zu frönen; er ballert auf Enten und Wellen ein und killt ohne Gefahr einen vermeintlichen Hai, der sich als harmloses Dugong entpuppt.
Später wird ihm sein Entdeckerdrang mehr einbringen, als er je zu finden gewollt hätte, doch er ignoriert in seinem Machismo, daß seine Ehe eigentlich schon lange zuende ist, weswegen er auch seinen Hund besser behandelt als seine Frau.

„Long Weekend“ ist auch jetzt ein leiser Film geworden, für oberflächliche Naturen ein leerer Film, der nur sehr zögerlich seine Geheimnisse preisgibt. Es bedarf schon der Konzentration auf das zerstörerische Verhältnis der Ehepartner, das von Zeichen der natürlichen Destruktion begleitet wird: Peter überfährt ein Känguruh, die Ameisen werden angegriffen, eine Schlange sucht Futter, ein Adler rächt sich für die Entführung seines Eis.
Später wird der Dugongkadaver eine bemerkenswert morbide Anhänglichkeit beweisen, nur einen Beweis dafür, daß sich die Natur wirklich rächt, gibt es nicht, selbst als die beiden diverse Leichen finden – alle scheinen sich gegenseitig umgebracht zu haben.

Sucht man nach wirklich relevanten Unterschieden, wird man nur sehr dezidiert suchend fündig. Das Remake ist knapp 10 Minuten kürzer als das Original und setzt mehr auf ein modernes dramaturgisches Verständnis. Das heißt, der Film wirkt wesentlich straffer, läßt aber das ausgewalzte Mysteriöse, die Verloren- und Abgeschiedenheit der 70er missen, setzt mehr auf den Gegensatz Naturidylle – Schreckenslandstrich.
Dadurch wird der Film tatsächlich, wenn auch kaum merklich, schneller und offensiver, verliert aber einiges von seinem Terror des Nicht-Erwartet-Habens, liefert dafür aber in Form von drei Leichen einiges Bildmaterial mehr. Auch im Finale greift man stärker nach den Blutbeuteln, da hat offenbar jemand seinem Stoff nicht genug vertraut, wirklich störend ist das jedoch nicht.
Flöten gegangen ist leider die Ökobotschaft des Ursprungsfilms (dort werden schon Tierübergriffe gemeldet, als das Paar noch die heimische Wohnung verläßt), dafür gibt es ein paar Hinweise auf moderne promiskuitive Paare und das Verständnis von Familiensinn, doch das bleibt fragmentarisch.

Was beide Filme gemeinsam haben, ist die Atmosphäre der Unsympathie, denn keinen der beiden Charaktere mag man wirklich leiden, sie „bitcht“, er „prollt“ und eigentlich findet man beide ziemlich scheiße, so daß man auch niemandem die Daumen hält, wobei Jim Caviezel und Claudia Karvan wirklich saubere Leistungen bringen.

Wo der Film vollkommen falsch ist, ist dort, wo man ihn finden wird: im Horrorregal der lokalen Videothek, wo man ihn blöderweise mit Bezug auf „Düstere Legenden“ und Soloansicht von Caviezel bewirbt, der jedoch aussieht, als wäre er ein Attentäter kurz vor dem Amoklauf in Miami Beach.
„Long Weekend“ ist auch in dieser Fassung sehr gut gemachte Mystery ohne Erklärungsanspruch, was das moderne Publikum noch mehr haßt als volksverblödende Inhalte, ein lohnenswerter Film, dem man neben tollen Bildern aber etwas mehr Breite hätte schenken sollen, weil er im entscheidenden Moment dann doch zum Effekt greift, wo das Unheimliche nicht faßbar bleiben soll. (7/10)

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