Mit Amateurfilmen ist es immer so eine Sache - einerseits hat man keine großen Erwartungen, andererseits finden sich manchmal veritable Perlen unter diesen Low-Budget-Filmen. Voodoo curse, eine deutsche Produktion von Stefan Vahn, ist jedenfalls wesentlich besser geraten als dessen 2006er Streifen Blutrausch, über den man besser den Mantel des Schweigens deckt.
Der junge Christoph wird von merkwürdigen Zombie-Alpträumen geplagt, seit er vor ein paar Tagen mit einigen Gruftie-freunden eine okkultistische Seance abgehalten hat; der Arzt vom Klinikum Bremen Nord verschreibt ihm Tabletten, die aber nicht helfen. Sein Freund Tom überredet ihn, abends mit der Gruftie-Clique etwas zu unternehmen, und so gehts dann zu fünft (in einem Nissan Micra ^^) zu einem abgelegenen Waldfriedhof. Unterwegs wird noch kräftig Schleichwerbung für eine ortsansässige Rockband gemacht ("Das neue Lied von Helliön - das geht richtig ab") bevor dann im Schein einer Baustellenlaterne der eigentliche Plot ausgebreitet wird: Ein kleines dickes Buch (das verdächtig nach einer alten Bibel ausschaut) beinhaltet Beschwörungsformeln, nach deren Rezitation man angeblich Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen kann. Was das alles mit Voodoo (Titel) zu tun hat spielt dabei ebensowenig eine Rolle wie der seltsame Umstand, daß ein Taschendiktiergerät mitlaufen muß, um irgendwas aufzuzeichnen - aber immerhin interessant, was so alles in alten Büchern steht ^^. Christoph, noch verängstigt von seinen Träumen, erweist sich als Spaßbremse und will im Auto warten, also ziehen die Grufties die Sache erstmal alleine durch.
Jetzt wirds für einen Moment wirklich trashig, denn die Gruftie-frau, eine völlig talentfreie Darstellerin vom Typ "Seekuh" bringt die wenigen lines die sie hat mit einem derartig aufwühlenden Temperament rüber, daß sämtliche Zombies im Umkreis von hundert km sofort in tausendjährigen Schlaf fallen müssten. Oh je...
Zuerst aber passiert gar nichts, bis einer der Grufties mal pinkeln muß. Und da man sowas auf Friedhöfen nicht macht, verliert er zuerst sein bestes Stück, noch bevor ihm ein Auge rausgerissen wird von den Zombies, die sich mittlerweile aus den Gräbern erhoben haben. Es kommt, wie es kommen muß: Die dunklen Gestalten, ganz in der Fulci/Romero-Tradition (grau, behäbig, langsam) dargestellt, gewinnen die Überhand und metzeln was das Zeug hält, nur Tom kann sich zum Auto retten, wo Christoph schon wieder Alpträume hat. Die restlichen 2 Drittel des Films bestreiten die beiden nahezu alleine, der Rest der Nacht zieht sich fast bis zum Filmende hin.
"Wir müssen irgendwie versuchen die abzulenken, aber wie... mit Feuer, das hab ich mal im Film gesehen "
Die handgemachten SFX, um deren Darstellung sich der ganze Film mehr oder weniger bewegt, fallen fast alle gut aus und werden auch durch entsprechend lange Kameraeinstellungen gewürdigt: Da wird ein Kopf halbiert, ein anderer geviertelt, da wird eine Fackel in Auge und Stirn gebohrt, Maden in einer offenen Wunde gibts ebenso wie das obligatorisch von der Decke tropfende Blut. Der Höhepunkt ist dann ein Zombiekopf, der sich aus langsam aus einer Bauchdecke herausarbeitet, während dessen Besitzer Blut kotzt.
Die Kameraführung ist ebenso wie der Schnitt ordentlich, hält meist auf die Gesichter der Akteure und vermittelt einen direkten Draht zum Geschehen; das Script vermeidet allzu hölzerne Dialoge, Tom und Christoph sprechen einigermaßen(!) normal ohne aufgesetzt zu wirken und man kann dem Film durchaus folgen. Die musikalische Untermalung sorgt für dezent schaurige Stimmung und passt ebenfalls. Ein paar technische Unzulänglichkeiten wie zu laute Nebengräusche (in der Küche oder das Froschquaken im Wald) sowie Toms Augenbemalung (die mal verwischt, dann wieder konturiert erscheint) sieht man dem Amateurstreifen gerne nach.
Natürlich sind hier keine Innovationen zu erwarten, und Beklemmung kommt auch keine auf, vielmehr deuten Grabsteininschriften wie "Oswald Kolle" und "Roy Black" oder der Umstand, daß sich Christoph Splattervideos anschaut um sich von seinen Horrorträumen abzulenken darauf hin, daß sich Voodoo curse selbst nicht so ganz ernst nimmt. Dafür weiß der Film aber durchaus mit den bekannten Stilmitteln zu unterhalten, und das auf einem für Amateurverhältnisse recht ordentlichen Niveau. 5 Punkte.