Der Fluch geht weiter und jedes Mal, wenn man am Ende denkt, er sei endgültig besiegelt, wird er „überraschend“ fortgesetzt.
Folgerichtig erscheint nun die dritte amerikanische Verfilmung von „The Grudge“, mittlerweile mit deutlich geringerem Budget ausgestattet, aber im Mittelpunkt mit dem, was das Publikum erwartet, - spätestens, als nach rund 30 Minuten ein hellhäutiges Kind mit schwarzen Haaren und großen dunklen Augen zwischen einem Treppengeländer kauert.
Nachdem Jake, der einzige Überlebende aus Teil zwei in der Psychiatrie landete und wie von unsichtbarer Hand hingerichtet wurde, zweifelt Ärztin Sullivan (Shawnee Smith) an einer natürlichen Todesursache. Gleichermaßen ist das Mehrfamilienhaus in Chicago Dreh- und Angelpunkt des Fluchs, insbesondere des Apartments 305. Lisa (Johanna E. Braddy) und die kleine kranke Rose bekommen das alsbald am eigenen Leibe zu spüren, bis die geheimnisvolle Naoko auftaucht und ihnen die Geschichte über den Fluch von Kayako berichtet…
Überraschendes sollte man hier beileibe nicht erwarten, denn die geschmeidigen Opening Credits mit Einbindung einiger Vorgänger können auf visueller Ebene nicht kaschieren, dass sich Verlaufsmuster schlicht wiederholen und dem Ganzen komplett das Innovative fehlt.
Zwar verläuft der Plot wesentlich geradliniger als beim Vorgänger und ermöglicht Sympathieaufkommen für die Figuren, doch nach einem Ereignis ahnt der geneigte Fan direkt den nächsten Schritt. Der Ablauf folgt so routiniert, dass man direkt vorhersagen kann, wer auf jeden Fall noch den Löffel abgeben und wer die Chose höchst wahrscheinlich überleben wird.
Da sich die Handlung fast ausschließlich auf den Schauplatz des Wohnhauses beschränkt, mangelt es ein wenig an Abwechslung, - mal hier ein dunkler Flur, der den Eindruck eines gemiedenen Wohnkomplexes untermauert, dort mal ein bekanntes Knarzen, ein Gesicht im Puppenhaus, ein verschwundenes Spielzeug, das an anderer Stelle wieder auftaucht und lange Zeit wartet man auf Schockeffekte, die zunächst nicht über weiße Ärmchen und unsichtbare Mächte hinauskommen.
Indes kann man die drollige Rose natürlich lieb gewinnen und sich davon überzeugen, dass einer der jungen Männer auf jeden Fall noch zum Besessenen mutieren wird, - da sind weit im Vorfeld alle Vorzeichen gesetzt. Doch erst, als bei einer Malerin Handabdrücke mit Farbe auf dem Boden erscheinen und ein Gemälde förmlich zerfließt, an anderer Stelle die beliebte Wanne zum Ort des Dahinsiechens gewählt wird und die aus Tokio angereiste Naoko in Form von Flashbacks über Hintergründe berichtet, kommt Leben in die Bude.
Geistererscheinung Kayako wirkt dabei immer noch effektiv mit ihren verdrehten Armen, den abrupten Bewegungen und den holzig tiefen Todesatem, auch Dank der Sounduntermalung und des passablen Scores. Jedoch wirkt ihr Einsatz oft notgedrungen, wie der ihres Pendants des schreienden Jungen. Zu schnell enden manche Szenen, dessen Wirkung erst gar nicht entfalten werden kann, da man etwaige Blutszenen bis zum Finale aufspart und der Schrecken nie so recht auf die Spitze getrieben wird.
Die Schockeffekte sind zwar wohl dosiert, doch im Gesamtbild laufen sie zu unspektakulär ab.
Nach einem (weiteren) Leichenfund, dem befremdlichen Treiben eines Besessenen und der kurzfristigen Auferstehung Totgeglaubter fließt zum Showdown doch noch etwas Blut, mit Säbelklinge durch die Kehle und einem Biss in den Hals, doch die Logik, welchen Gesetzmäßigkeiten der Fluch folgt, wirkt ein wenig verwirrend. Da trinkt jemand im Zuge eines Rituals Blut und wird dennoch vom Geist eingenommen und jemand, der eigentlich aus dem Rennen ist, wird bemüht, einen letzten konsequenten Schritt auszuüben.
Ziemlich nach Belieben konstruiert, aber zumindest mangelt es nicht an Bewegung.
Jedoch an Überraschungen und das macht diesen Streifen zu einem austauschbaren Produkt.
Hauptdarstellerin Johanna E. Braddy beispielsweise macht ihre Sache recht gut, wirkt aber dann doch wie eine optische Drittbesetzung für Naomi Watts, die wiederum in dem ähnlich gelagerten „Ring“ den Ton angab.
Die amerikanischen Remakes und Fortsetzungen vermischen sich ergo, sie können die Scares der asiatischen Originale nicht adäquat umsetzen, da die meisten Produktionen schlicht auf das schnelle Geld aus sind, anstatt sich Gedanken über abwechslungsreiche Abläufe zu machen.
„Grudge 3“ ist so ein typisches Beispiel dafür. Der ist solide inszeniert, passabel besetzt und dramaturgisch okay, aber irgendwie kann den vorangegangenen Streifen auch nichts Neues hinzugefügt werden.
Den sieht man, wird dabei phasenweise ordentlich unterhalten, doch in der Schnittmenge zwischen unzähliger Originale und Remakes bleibt er zwischen wenig markant und akzeptabler Massenware in der Bedeutungslosigkeit hängen.
5 von 10