Stars & Stripes & Neonlights
Nasse Straßen, gebrochene Nasen, nebelige Lokale,
genau wie in „Stormy Monday“ ich mir das Newcastle der späten 80er ausmale.
Mike Figgis' Gangster Noir-Semi-Klassiker, ein Gourmetstück für Fans des Genres und des Neonjahrzent,
selbst wenn er in Sachen Story den Geduldsfaden schon deutlich dehnt.
Doch hier dreht sich alles um Schatten, um Gullys, um toughe Typen und eine amerikanische Woche mitten in England,
sieht manch ein Bild hier aus, fein wie ein schmutziger Rembrandt.
Die Sonnenstrahlen brechen, die Schornsteine qualmen,
selbst ein Sting kann hier schauspielerisch einiges zermalmen.
Außerdem noch Sean Bean in jung und mal bis zum Ende lebendig (!),
ein melancholischer Marsch, stoisch und eher selten wendig.
„Stormy Monday“ tropft fast vor lauter Stil und Eleganz,
ich lege nieder für ihn, einen blutigen Rosenkranz.
Die Griffith verführt, Tommy Lee Jones konnte schon damals grimmig,
hier ist einfach jeder Blickwinkel und jedes Detail stimmig.
Und dass hier die meisten nur madige 5 von 10 Punkten geben,
kann mich durchaus zurecht ein Stück weit aufregen.
Der Soundtrack ist smooth, die Talisker rauchig,
nur zu gern dem Jazz und Klirren der Tumblergläser lausch ich.
Ein Sturm am Montag vertreibt scheinbar Kummer und Sorgen,
jeder Fan von „Thief“ oder „The Long Goodbye“ sollte sich diesen Unter-dem-Radar-Flieger unbedingt mindestens mal borgen.
Fazit: britischer Realismus trifft auf Neo(n)-Noir-Atmo deluxe - „Stormy Monday“ ist leicht auf der Handlung, aber ultraheavy in Sachen Style und 80er-Swagger. Newcastle, Sting, Zigarettenqualm, Neonlichter, Whisky, Gangster, Geschäftsmänner, Traumfrauen, Waffen, Nebengassen, Backsteine - ein heiß-kalter Krimi ganz nach meinem Gusto!