Review

Man ist das ja von den Italienern gewöhnt: schnelle Ripoffs von Erfolgsfilmen und das mit schmalsten Budgets und noch kruderen Ideen, hastig heruntergewichst und reißerisch vermarktet.
Wie man auch auf stille aber kreativ aufsehenerregende Art und Weise scheitern kann, beweist der britische Fantasyfilm „Hawk, the Slayer“, der zu Beginn der 80er Jahre aus seiner Höhle kroch, wie man annehmen kann, um als Pilotfilm für eine eventuelle TV-Serie zu fungieren. Fantasy war zu dieser Zeit wieder groß im Kommen, nach Star Wars und der Zeichentrickversion des „Herr der Ringe“ erinnerte man sich wieder die Macht der Phantasie und so sollten in den kommenden Jahren eine ganze Reihe von Filmen die Kinos veredeln. „Hawk“ war so eine Art Vorreiter – einer, der uns zeigt, wie man es besser nicht macht.

Wer heute rückblickend auf die 80er schaut und eventuell Fan von Richard Carpenters legendärer Robin Hood-Serie mit Michael Praed ist, wird gewisse Parallelen entdecken in der Anlage, jedoch gibt es einen qualitativen Unterschied wie Tag und Nacht, als hätte man vier Jahre später plötzlich gewußt, wie es laufen muß.
Heute ist „Hawk“ bei uns ein Ladenhüter für das Nachmittagsprogramm geworden – in Großbritannien ist er ein sogenanntes „guilty pleasure“ – viele lieben den Film, obwohl sie wissen, daß sie sich dafür schämen müßten.

Was aber läuft hier denn so alles falsch: zunächst einmal der Abriß der Story, die hier einen 90-Minüter füllen muß.
Ein fieser Finsterling namens Voltan klaut einer Abtei die Äbtissin und erpresst so jede Menge Güldenes damit, was verwunderlich ist, denn sonst meuchelt er alles was nicht bei drei in den Büschen ist, so zwischendurch aus Spaß oder Wut. Seine Ritteraufmachung hat man sich praktischerweise bei Darth Vader entliehen, denn seine eine Gesichtshälfte ist schockgegrillt worden und das kriegt nicht einmal der böse Zauberer unter der Kutte hingeglüht, was ihn auch nicht weniger cholerisch macht.
Die restlichen Schwestern schicken notgedrungen einen verhackstückten und wieder zusammengeflickten Kämpfer zu dem Recken Hawk, der ein magisches Schwertelein hinter seinem Rücken mit sich führt, welches baumlang ist und eine Glühbirne im Knauf hat! Zufällig ist Hawk Voltans jüngerer Bruder (sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel jünger) und stolpert auf seiner Mission gleichwohl über eine blinde Zaubererin, die ihn mittels magischem Hulahop-Reifen zu seinen Kampfgefährten beamt: einem Riesen, einem Zwerg und dem letzten verbliebenen Elfen, welche selbstverfreilich alle gerade ein Problemchen haben.
Ist das geschafft, mischt man einen Sklavenhändler auf, um an die nötige Knatze zu kommen und reitet bei der Abtei ein, doch das tonangebende Schwesterlein ist dermaßen auf Rettung der Äbtissin bedacht, das sie die Heroen doch glatt verrät, als die auf Anfrage der Vasallen nicht ansatzlos das Gold rüberwachsen lassen, ohne einen ordentlichen Austausch zu basteln. Prompt schaut Darth Voltan mal persönlich vorbei und mischt ordentlich mit und am Ende sind die meisten ziemlich tot, bis auf Hawkie natürlich...

Man spürt es schon, das ist nicht eben abendfüllend, weswegen man zwischendurch auch häppchenweise die Vorgeschichte dieser Bruderfehde in Flashbacks erfährt, die mit der Meuchelung von Vati und Verlobter endet.
Ganz eine neue Storywendung!

Aber wie man diesen simplen Stoff auch noch so banane aufbereitet hat, ist schon bedenklich.
Starten wir mal mit den äußeren Reizen. Nahezu der komplette Film wurde in einem herbstlichen britischen Wald aufgenommen, also reichlich kahle Bäume, grauer Himmel und knapp außerhalb des Bildes steht wirklich in jeder Szene eine Nebelmaschine, um dem Forst sowas wie Atmosphäre einzuhauchen.
Im Unterholz ist aber jede Menge los, denn in diesen endlosen Wäldern steht offenbar an jeder Ecke mal so einer (oder doch mehrere) rum und gehen ihrer Arbeit nach. Mal ein fahrender Händler, neben dem sinnfrei fünf Soldaten rasten, dann mal eine Gruppe altsächsischer Harekrishnas, dann mal ein Schmied und jede Menge Halsabschneider, die umgelegt werden wollen. Städte oder Dörfer konnte man sich nicht leisten, also wurde alles auf zahlreiche Lichtungen verlegt.
Demzufolge präsentiert sich dann auch der Plot als eine endlose Abfolge von Einzelszenen: Hawk rettet die Hexe, Hawk holt den Riesen, Hawk retten den Elfen, Hawk rettet den Zwerg, usw! Das erzeugt Konstanz, super!

Weil man an Drehorten und Kohle arm war, gibt’s dann noch für die Flashbacks ein sonnengeflutetes Bachufer (that’s it!), ein Mattepainting des Abtwohnsitzes, welches anscheinend ein Vorschüler gezeichnet hat, und eben die Klosterkulisse, die auch nur aus einem Set besteht (so eine Art Vor- und Eßhalle). Da findet dann alles statt, was unter Dialoge fällt.

Ach ja, Dialoge. Die sind von besonderer Güte. Nicht nur besonders überflüssig, flau und eckig, sondern auch extrahölzern aufgesagt und mit der emotionalen Glut eines Poolreinigers artikuliert. Dabei geht es in der Regel nur darum, alle davon zu überzeugen, daß Voltan eine fiese Möpp ist, was aber niemand so recht glauben will. Nebenbei kabbeln sich Riese und Zwerg und der Elf gewinnt den Weltmeistertitel in der Kategorie monotonste Einsilbigkeit jenseits von Orlando Bloom.

Wo wir denn schon bei den Figuren sind, ziehen wir gleich noch über die Darsteller her: da wäre die optimalste Ausnutzung von trickfreiem Casting aller Zeiten.
Beim Riesen nahm man einen Darsteller, der einen Kopf größer als Hawk ist, beim Zwerg einfach einen Kopf kleiner, fertig ist der Zores. Dem Elfen hat man ein paar Gummiohren angeklebt und Spock hat nen Cousin im Märchenland.
Diese Make-Up-Künste sind aber noch gar nichts gegen die Hauptdarsteller: Da wäre zunächst der bei der Besetzung erstgenannte Altmime Jack Palance als faltenreicher Bösewicht, der wie eine Raupe mit Rüstung wirkt und vom Leder zieht, als gäbe es kein Morgen. Eine hinreißende Darbietung, der Mann spuckt geradezu Gift und Galle, während er seine eigenen Reihen lichtet.
Leider ist er für das Brüderle von Hawk ungefähr 35 Jahre zu alt, was vermuten läßt, daß Papi noch mal sehr spät einen weggesteckt hat. Und zwar mit einer Schaufensterpuppe, denn John Terry, der Darsteller des Hawk, unterbietet die mimischen Qualitäten aller Bewohner der Augsburger Puppenkiste lässig mit seinem starren Nullbock-Gesicht. Man erschreckt sich glatt, wenn er sich denn wirklich mal bewegt und seien es auch nur die Lippen, kein Wunder, daß dem keiner was zutraut.

Aber wenn er dann die Keule schwingt, dann geht’s zur Sache, denn sein Masters-of-The-Universe-Brotmesser kann alles und kehrt nach erfolgter Schlachtung auch schon mal per Jedi-Tricks ins Händchen zurück. Bewerkstelligt wird diese magische Fähigkeit durch den ältesten aller Tricks: den Stop-Trick. Also Film anhalten, harter Schnitt, Schwert wieder in der Hand, dazu ein Sausen auf der Tonspur.
Und ihr glaubt es nicht, fast alle Tricks funktionieren nach diesem Prinzip: der Elf schießt Pfeile Stakkato: Stoptrick hintereinander montiert. Der versehrte Recke aktiviert seine Maschinenarmbrust (!!!): das Gleiche. Es zappt und zischt und entflammt und wird gebeamt: alles mit Stoptrick, warum nicht, wenn es sonst auch funktioniert!

Auch die restlichen Griffe in die Trickkiste sind Rock’n Roll: da reitet man sinnfrei einfach mal durch eine Art Totenwald, um den Weg abzukürzen und muß also durch einen rückprojezierten Bettlakenforst, in dem sich Monsterhandpuppen tummeln. Oder man will Voltan überraschen und bläst einen magischen Wirbelschneesturm zum Angriff in die Abtei, das sieht dann aus wie gut beleuchtete Tischtennisbälle mit Konfetti und war es dann auch. Blut gibt’s dabei natürlich keines, dafür am Ende aber eine Fortsetzungswiedererweckung, zu der es zum Glück nie kam.

Den finalen Rettungschuß kriegt der Film jedoch durch seinen Score eines gewissen Harry Robertson. Obwohl das alles im finstersten Fantasymittelalter spielt, donnert über jede Szene ein billigst dahin donnernder Synthiscore, der sogar „Der Tag des Falken“ oscarverdächtig aussehen läßt, wie überhaupt bei jeder Erscheinung oder Wendung ein ominöses Pfeifen drohendes Unheil verkündet. Aber nichts geht über die nebelverhangenen Reitszenen in Zeitlupe, während das Synthirockbrett jeden Sechsjährigen niederknüppelt.

„Hawk the Slayer“ ist also eine definitive Angelegenheit für Partyhütchen und Pizza und sollte unbedingt nicht nüchtern genossen werden, auch wenn John Terry irgendwann das Mimische für sich entdeckte (er spielte u.a. in „Lost“ den Vater des Arztes Jack). Hier allerdings ist jeder MDR-Abendgruß lebhafter, wenn Pittiplatsch sich mal richtig flott mit Moppi einen Tee kocht. Ein echter Burner! (2/10)

Details
Ähnliche Filme