Die Popularität der „Street Fighter“-Franchise ist enorm, doch der gefloppte Realfilmversuch mit Jean-Claude Van Damme schob weiteren Projekten einen Riegel vor, ehe Andrzej Bartkowiak sein Glück wagte.
Steven E. de Souzas fehlgeschlagenem Versuch alle Figuren der Vorlage unterzubringen stellt Bartkowiak ein gegenteiliges Konzept entgegen: Die Konzentration auf einen Charakter. Chun-Li, ebenso begabt in Musik wie in Martial Arts, hat ein schönes Leben, bis der böse Bison (Neal McDonough) sich ihren Papi vorknöpft. Das traumatische Erlebnis prägt die Halbchinesin, die im Kindesalter noch gänzlich asiatisch aussieht, im Erwachsenenalter dagegen vollkommen amerikanisch aussieht – da wollte man dem US-Publikum wohl nicht zu viele Identifikationsschwierigkeiten bereiten.
Jahre später verdient die introvertierte Chun-Li (Kristin Kreuk) mit Leidenschaft Nr. 1, also La Musica, die Brötchen, doch als sie einem Fremden hilft, da schlägt Leidenschaft Nr. 2 durch und es werden Ärsche breitgetreten. Der Fund einer Schriftrolle führt auf die Fährte von Bisons Organisation Shadowloo – genauso wie die Cops Charlie Nash (Chris Klein) und Maya Sunee (Moon Bloodgood), die einer klassischen Erklärbär-Szene Spuren von Shadowloos Tätigkeiten finden und dann intradiegetisch füreinander, extradiegetisch für den Zuschauer noch mal alle Hintergründe aufrollen.
Bevor rachsüchtige Chun-Li aber als freischaffende Vigilantin auf Schurkenpirsch gehen kann muss noch trainiert werden – und zwar bei Meister Gen (Robin Shou). Das allerdings ruft Bison auf den Plan, der sowohl Chen als auch Chun-Li loswerden will…
Als mit „Cradle 2 the Grave“ 2003 der letzte Teil der Bartkowiakschen Hip-Hop-Trilogie in die Kinos kam, da war man das Wirework-Gefuchtel noch nicht ganz leid, aber 2009 hatte man sich schon erschöpfend daran satt gesehen – viel schlimmer jedoch ist bei „Street Fighter – The Legend of Chun-Li“, dass das Wirework oft lieber eine Choreographie ersetzen als diese unterstützen soll. Dabei hat Kristin Kreuk sogar nicht zu knapp Kampfsporterfahrung, doch auf der Leinwand sieht man erschreckend wenig davon. Noch dazu sind die Kämpfe recht kurz, blanker Hohn ist es, wenn Vega (Taboo) als Superkiller angekündigt wird, nach ein paar ausgeteilten Tritten aber schon die Segel streicht. Vor das Finale enttäuscht in Actionhinsicht, dabei zeigen einige der vorhergehenden Kampfszenen durchaus Potential, wenn nicht gerade wieder Drahtseilexzess angesagt sind.
Freunde des Videoclipstils, den Bartkowiak schon in seinen Filmen für Joel Silver einsetzte, kommen hingegen auf ihre Kosten, denn visuell hat der Mann nichts verlernt, doch leider ist da wenig, was die edle Optik unterfüttert. Da will man also nominell die Legende von Chun-Li erzählen, doch die Protagonisten bleibt reichlich blass – ein wenig Kindheitstrauma mag ja Anlass genug im Rachefilm sein, für tiefergehende Charakterdramen muss aber schon mehr dahinterstecken. Doch leider kann sich die Mär von Chun-Lis Legende nicht zu straighter Genreware durchringen, der Plot plätschert dahin um die Zeit bis zum Finale zu füllen.
Gerade an den Subplots lässt sich die Lustlosigkeit des Drehbuchautors ablesen, gerade Nash und Sunee haben fast nichts zu dem Film beizutragen (sieht von ihrer erwähnten Funktion zu Beginn des Films ab, aber das hätte man auch anders lösen können). Gen ist der runtergekommene Meister, der natürlich durch seine Schülerin noch einmal aufblüht, ehe ihn das Schicksal sympathischer Meister im Keilereifilm ereilt, was die Schurkenorganisation denn nun genau macht und will, das bleibt ein Mysterium und über diverse Logiklücken wie Chun-Lis Flucht aus der hermetisch abgeriegelten Damentoilette reden wir lieber gar nicht erst.
Darstellerisch können in erster Linie Michael Clarke Duncan als Boxer Balrog und Neal McDonough als durchgeknallter Schurke überzeugen, da die beiden mit entsprechendem Charisma aufwarten. Kristin Kreuk sieht gut aus, kann auch ganz gut kicken, wenn man sie nicht gerade an Drahtseilen durch die Luft wirbelt, schauspielerisch ist sie der Hauptrolle leider nicht gewachsen. Robin Shou ist dann doch noch etwas jung für den gebrochenen Altmeister und war auch noch nie ein großer Schauspieler, Moon Bloodgood wird verschenkt und Chris Klein als Prollochecker unter den Ermittlungsbeamten gibt eher Rätsel auf wie ernst seine Performance nun sein soll.
Der Look von „Street Fighter – The Legend of Chun-Li“ macht was her, wenn dann mal ohne nerviges Wirework aufs Maul gegeben wird, dann kommt Freude auf, doch angesichts des kaum vorhandenen Plots, der blassen Figuren und des Actionmangels ist Bartkowiaks Werk doch eine ziemliche Enttäuschung.