Five Minutes of Heaven
(Koch Media)
Wir schreiben das Jahr 1975 und befinden uns mitten im Nordirland-Konflikt. Der Bürgerkrieg zwischen der katholischen IRA, die für die Unabhängigkeit Irlands kämpft, und auf der anderen Seite die protestantische UVF, welche treu auf britischer Seite steht, erlebt seinen Höhepunkt. Der Schauplatz ist die Stadt Lurgan, nahe Belfast, und die Kämpfe sind der Alltag der dortigen Einwohner. Auch der 16 Jahre alte Alistair Little will sich an den Kämpfen beteiligen, und schließt sich der protestantischen Seite an, welche von ihm fordert, als eindeutiges Zeichen den Katholiken James Griffin zu töten. Dies wird von ihm auch sofort ohne Zögern ausgeführt, jedoch lässt er den kleinen Bruder des Opfers Joe Griffin, der zeuge der Tat war, am Leben. Hier springt die Geschichte in die Gegenwart, und wir erleben die Vorbereitungen eines Fernsehteams, welche ein Treffen zwischen dem Täter Alistair Little (hier nun dargestellt von Liam Neeson), welcher seine Strafe für den Mord verbüßt hat, und dem Bruder des Opfers Joe Griffin (James Nesbitt) vor laufender Kamera inszenieren wollen. Dieses erste Treffen der Beiden 30 Jahre nach der Tat soll ein Zeichen des Friedensprozesses sein. Doch schnell wird deutlich, das die erlebte Gewalt nicht aus den Köpfen der Opfer verschwindet, und Versöhnung nicht so einfach inszeniert werden kann.
Oliver Hirschbiegel ist zurück. Hatte er nach den überaus erfolgreichen Filmen Das Experiment und Der Untergang das Problem mit seinem amerikanischen Debüt Invasion die Zuschauer ins Kino zu holen, so war es über einen längeren Zeitraum still um ihn geworden. Nun erleben wir mit der vorliegenden Veröffentlichung des schon 2008 gedrehten Five Minutes of Heaven aus dem Hause Koch Media, das er mit diesem Polit-Drama zu alter Wucht zurückgefunden hat. Auch wenn der komplette Film noch einige Schwachstellen aufweist, wie zum Beispiel das aufsplitten in drei Teile, ist es erfreulich intelligentes und mitreißendes Kino. Teil 1, die Zeit des Bürgerkrieges im Jahre 1975 ist sehr stimmig, packend und mit viel Liebe zum düsteren Detail inszeniert. Da erwischt es einen als Zuschauer hart, wenn dann der Wechsel in die Gegenwart stattfindet, wo plötzlich viel Wert auf das Innenleben unserer Protagonisten gelegt wird, und wir ihre Gedanken als Voice Over vorgetragen bekommen. Dies wirkt an vielen Stellen zäh und unbeholfen, und zeigt einen deutlichen Bruch zu dem vorangegangenen Part. Erst das Finale, wo die Protagonisten gewaltvoll aufeinandertreffen, bringt ein wenig Schwung in die Inszenierung. Hier werden Stilmittel eines Western verwendet, so dass es dann zu einem klassischen, ein wenig kitschigen Showdown kommt.
Five Minutes of Heaven zeigt deutlich, was erlebte Gewalt den überlebenden Opfern und ihrer Psyche antun kann. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob es Vergeltung für erlittenes unrecht geben kann, und ob Rache den persönlichen Seelenfrieden wiederherstellen kann.
Im Bonussektor werden in einem Making of und Interviews mit Cast und Crew näher auf diese Fragen eingegangen.
Five Minutes of Heaven ist ein bewegendes, teils schon kammerspielartiges Drama. Intelligentes und über beinah die gesamte Lauflänge packendes Kino!
CFS