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1998 erschien der erste Film des Regisseurs, der in den Jahren danach mit Memento, Insomnia, Batman Begins, The Prestige und The Dark Knight auf sich aufmerksam machte. Die Rede ist natürlich von Christopher Nolan, einem hochtalentierten und innovativen Regisseur, der sich bereits nach seinem zweiten Film Memento, der übrigens nur dank der zahlreichen Spenden auf der Following-Premiere zustande kam, einen Namen in Hollywoods Haifischbecken machte. Following ist jedoch ein britischer Low Budget-Film mit unbekannten Schauspielern und eher bescheidenen Mitteln. Dennoch hat es Christopher Nolan bereits mit seinem Erstling geschafft, ein beeindruckendes Film Noir-Werk auf die Beine zu stellen.Following handelt von einem Schriftsteller, der es sich zum Hobby gemacht hat, Menschen zu folgen. Dabei läuft er seinen Zielpersonen aus reiner Neugier einfach hinterher bis diese zu Hause oder am Arbeitsplatz angekommen sind. Bill, so stellt sich der Schriftsteller im Verlauf des Films vor, vergleicht seine Besessenheit mit dem Aufenthalt in einem Fussballstadion, in dem man hin und wieder den Blick auf die Menschenmenge richtet und dann meistens bei einer Person hängen bleibt, die aus der Menge heraus sticht und dann als Individuum nicht mehr Teil der Masse ist. Schon bald merkt ein junger, elegant gekleideter Herr namens Cobb, dass der Schriftsteller ihm seit geraumer Zeit folgt. Die Frage, ob Bill schwul ist, beantwortet der Schriftsteller mit energischem Kopfschütteln. Es geht ihm beim Folgen um keinen sexuellen Aspekt wie bei einem gewöhnlichen Spanner, sondern um das Interesse an der Zielperson, das aus unterschiedlichen Motiven erfolgen kann. Bei einem gemeinsamen Kaffee erzählt Cobb seinem Verfolger von seinem Beruf: Er ist Einbrecher. Sofort lässt sich Bill dazu überreden, bei einem Einbruch mitzuwirken, wodurch er die raffinierten Methoden von Cobb kennen lernt. Cobb selbst ist ebenfalls ein spezieller Charakter, denn ihm geht es nicht darum, die teuersten Gegenstände aus den Wohnungen zu stehlen, sondern die Bewohner durch die Wohnungsinspektionen anhand der Einrichtung kennen zu lernen, ihre persönlichen Wertsachen mitzunehmen und ihnen das Gefühl des Verlusts zu vermitteln. So bevorzugt er es beispielsweise bei einem Einbruch, ein Glas vom Wein des Eigentümers zu trinken oder stiehlt bei einem Einbruch bei einer jungen Dame nur einen der beiden Ohrenringe auf der Kommode. Bill lässt sich von der Arbeit seiner neuen Bekanntschaft inspirieren und schliesst sich fortan bei den Einbrüchen an. Doch es dauert nicht lange, bis Bill mit Fehlern beginnt und schon bald mächtige Probleme hat. Dieser schwarzweisse Film wird wie auch Memento nicht chronologisch erzählt. Allerdings spielt der Film die Geschichte nicht rückwärts ab, sondern kreuz und quer durcheinander. Er beginnt am Ende, als Bill einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Person von den Anfängen seines Beschattens erzählt. Immer wieder wechselt der Film in diese Erzählperspektive und erst am Schluss wird aufgeklärt, wer Bills Gegenüber ist. Die vielen Zeitsprünge erfordern zwar eine gewisse Aufmerksamkeit, sind aber anhand vom Aussehen des Hauptdarstellers leicht einzuordnen, da er zuerst lange Haare und Bartwuchs trägt, sich anschliessend die Haare schneidet und am Schluss übel zugerichtet aussieht. Ohne diese Merkmale wäre es vermutlich ein bisschen anstrengender gewesen, dem chronologischen Verlauf der Geschichte zu folgen. Allerdings machen gerade diese vielen Puzzleteile, die wie auch bei anderen Filmen von Christopher Nolan erst am Schluss zusammengesetzt werden, den Film speziell. Technisch gesehen merkt man natürlich, dass dieser Film kein grosses Budget zur Verfügung hatte. Die Kamera wirkt gerade bei den Verfolgungsszenen sehr wackelig, was zwar einerseits eine authentische Sichtweise bietet, andererseits aber auch enorm hektisch wird. Glücklicherweise ist das nur ein Problem der ersten zehn Minuten, danach wird der Film ruhiger. Die Schauspieler sind alle unbekannt, der Herr, der Cobb verkörpert, hat so zum Beispiel auch nur in diesem Film mitgewirkt und eine Figur wird von Christopher Nolans Onkel besetzt. Das ist aber nicht schlimm, da sie alle ihre Arbeit ausgezeichnet machen. Jedenfalls ist auch das ein Anzeichen dafür, dass diesem Projekt nicht allzu viel Geld zur Verfügung stand.Christopher Nolan hat mit seinem Erstling ein Werk kreiert, das nur 70 Minuten dauert, was aber nichts Negatives ist. Zwar braucht der Film eine gewisse Zeit zum Einstieg, doch spätestens nach der Halbzeit wird mächtig aufgedreht und aus dem vorher noch ruhigen und intelligenten Film wird ein sehr spannender und perfekt durchdachter Thriller. Following hat wie bereits erwähnt auch einige wenige Schwächen, doch das Drehbuch gleicht diese mindestens doppelt aus. Am Ende wartet natürlich ein grossartiger Twist, wie man es aus Filmen von Nolan gewohnt ist. Auf der DVD gibt es eine Möglichkeit, den Film in chronologisch richtiger Reihenfolge zu schauen, wovon jedoch abzuraten ist. Gerade die vielen Zeitsprünge und dadurch entstehenden Wendungen machen ihn zu einem packenden Filmerlebnis. Zum Schluss kann gesagt werden, dass der Film bedenkenlos an alle Nolan-Fans empfohlen werden kann, da er sich qualitativ mühelos in die Reihe der Nachfolger eingliedern lässt.

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