Wie sollte man anno 2009 noch Exploitationfilme drehen? Die Retro-Grindhousewelle nahm gerade mit „Death Proof“, „Planet Terror“ und zahlreichen Epigonen Fahrt auf, also versuchten sich Rick Jacobson (als Regisseur und Drehbuchautor) und Eric Gruendeman (als Drehbuchautor) ebenfalls an dem Sujet.
Ganz ohne Referenzen geht es aus ihrer Sicht jedenfalls nicht, weshalb ihre Russ-Meyer-Hommage direkt mit Szenen aus „Coffy“, „They Call Her One-Eye“ und natürlich Russ-Meyer-Filmen in der Creditsequenz loslegt, ehe man drei Grazien in die Wüste folgt: Die Stripperin Trixie (Julie Voth), die verdeckte Ermittlerin Hel (Erin Cummings) und die Killerin Camero (America Olivo). Alle leicht geschürzt, mit lesbischen Tendenzen, teilweise gewaltbereit und in Cameros Fall auch noch voll auf Drogen, womit man die Exploitationcheckliste von Sex, Gewalt, Drogen und heiklen Themen schnell abhaken kann.
In der Wüste wollen die drei einen ganz besonderen Coup durchführen, für den sie einen Gangsterboss gekidnappt haben und nach seinem dort befindlichen Geheimversteck befragen. Gleichzeitig wird mit zahlreichen Rückblenden in die Vergangenheit geskippt und gezeigt, was die Figuren hierhin führte und was sie tatsächlich im Schilde führen…
Eines muss man „Bitch Slap“ lassen: Trotz Verweisen auf Vorbilder und trotz ironischer Einlagen überträgt er die Billigproduktion echter Grindhouse-Ware durchaus adäquat in die Neuzeit: Eine Wüstenlocation, wenige Darsteller, alles andere wird mit kostengünstigem Greenscreen sowie klobigen CGI-Waffen eingebaut, was zwar teilweise wie von der „Sin City“-Restrampe ausschaut, aber dadurch auch modernen Billigcharme hat. Stimmiger dürfte man Exploitation heutzutage kaum noch anrühren können, denn sich naiv stellen und so tun als gäbe es die Grindhouse-Tradition vergangener Jahrzehnte nicht, das funktioniert im Informationszeitalter einfach nicht mehr.
Das große Actioninferno wird dabei freilich nicht entfesselt, da zu teuer und außerdem muss man ja bei so wenigen Figuren haushalten. Wenn es dann auf die Fresse gibt, dann sind die von Zoe Bell choreographierten Raufereien zumindest im Schlussdrittel recht wuchtig. Natürlich sind hier keine Martial-Arts-Meister am Werke, weshalb man Eleganz eher klein schreiben muss und die Schießereien mit meterhohen Luftsprüngen, CGI-Wummen und Greenscreen-Locations (etwa ein bizarr überzeichnetes Alm-Szenario) sind nicht mehr comic-, sondern schon cartoonhaft.
Insofern updatet „Bitch Slap“ den Grindhouse-Spirit fürs Jahre 2009, importiert aber gleich auch mehrere Probleme diverser Vorbilder: Handlungsarmut, diverse Längen und zerdehnte Szenen, sich wiederholende Handlungsmuster und begrenzt spektakuläre Action. Das mag näher dran sein am Real Shit als „Planet Terror“ und „Death Proof“ (auf welche die Plakatgestaltung ebenso anspielt wie auf „Sin City“), aber nicht unbedingt besser. Denn schon damals waren Szenen, in denen sich knapp geschürzte Frauen Wasserschlachten liefern oder sadistische Freaks ihre (vermeintlichen) Opfer stundenlang volllabern, nur Mittel zur Streckung von Lauflänge und Budget auf Spielfilmmaß
Doch immerhin feuert „Bitch Slap“ teilweise schon aus allen Rohren, wenn die Balla-Balla-Hintergrundgeschichte(n) und die absurden Rückblenden den entsprechenden Trash-Touch haben. Dass natürlich eine der Figuren, die besonders harmlos erscheint, sich am Ende als großer Superdupergangsterboss entpuppt, das versteht sich fast schon selbst. Ebenso, dass das Figureninventar möglichst durchgeknallt ist, von der Schuldmädchenkillerin über ihren Punkfreund bis hin zum prolligen Gangsterboss-Schmierlappen. Die Inszenierung gibt sich möglichst grell und versucht mit lauten wie preiswerten Schauwerten zu überdecken, dass es kaum etwas zu erzählen gibt, was aber nur so halbwegs klappt – wie bei vielen anderen Exploitationfilmen auch.
Der Philosophie des Genres entsprechend sind die Hauptdarstellerinnen dann auch eher nach Aussehen denn nach Schauspieltalent gecastet, wobei America Olivo als durchgeknallter Killerbitch mit sadistischer Ader und Stehaufmännchenattitüde Akzente zu setzen weiß. Ex-Herkules Kevin Sorbo ist in Rückblende als Hels Partner zu sehen und auch Ex-Xena Lucy Lawless gibt sich die Ehre – Rick Jacobson hatte als Regisseur einige Folgen beider Serien inszeniert. Kampfchoreographin Zoe Bell selbst hat einen Gastauftritt und der Rest vom Fest spielt sich begrenzt talentiert einen Stiefel zusammen.
Insofern ist „Bitch Slap“ ein nicht uninteressanter Versuch den Billigfilm von dereinst in ein modernes Gewand zu packen und schafft diese Modernisierung ohne ständig augenzwinkernden Retro-Trash vom Kaliber eines „Machete“ zu produzieren. Allerdings schließt das auch diverse Schwächen, von mangelndem Budget, schleppender Minimalhandlung und durchwachsenen Darstellerleistungen mit ein und man kann nicht jede Schwäche als Hommage werten.