Der ewige Kampf zwischen Mensch und Natur, die Angst vor dem Altwerden und das stetige „es sich beweisen müssen“ stehen im Vordergrund bei „Der alte Mann und das Meer“. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Hemingway, der dafür den Literaturnobelpreis einheimste, verfilmte John Sturges den Stoff nur wenige Jahre nach Erscheinen der Novelle.
Hemingway, der einige Zeit auf Kuba verbrachte, war mit einem einheimischen Fischer befreundet, der für die notwendige Inspiration sorgte: Ein alternder Fischer, 84 Tage ohne nennenswerten Fang, begibt sich weit hinaus aufs Meer, bis er einen riesigen Schwertfisch an der Leine hat. Drei Tage und Nächte liefert er sich einen erbitterten Kampf, der noch lange nicht ausgestanden ist, als der Schwertfisch erlegt ist.
Für die Hauptrolle konnte Sturges Spencer Tracy gewinnen, der für die Rolle des alten Fischers Santiago die Idealbesetzung ist.
Es fällt dem Zuschauer nicht schwer, mit der Figur warm zu werden und es macht Freude, seinen Selbstgesprächen in purer Einsamkeit zu lauschen.
Auch seine Unterhaltungen mit dem Jungen Manolin, der sich um den Alten kümmert, bringen Sympathiepunkte. Sie diskutieren über Baseball, gerne über den großen DiMaggio, der Junge bringt ihm Kaffee aus der Taverne und er kümmert sich liebevoll um ihn, als er von seiner kräftezehrenden Fahrt zurückkehrt.
Tracy ist in jeder Hinsicht ein alter Seebär zum Liebhaben.
Sturges liefert farbintensive Bilder, die von ausgezeichneter, streicherbetonter Musik unterlegt werden. Wenn die Fischer in rötlicher Morgendämmerung an den Strand gehen und Santiago von Afrika träumt, kommt eine Atmosphäre auf, die pures Fernweh auslöst.
Etwas konträr sind demgegenüber die Szenen mit Tracy auf dem Meer ausgefallen, da hier mehrfach die Künstlichkeit auffällt und die Tatsache, dass Mann und Fisch nicht gleichzeitig gefilmt wurden.
Doch die Einsamkeit, die der Zuschauer mit dem Fischer und seiner Gedankenwelt, durch eine angenehme Erzählstimme angereichert, teilt, ist simpel, aber effektiv. Es wird nicht langweilig, weil man als unsichtbarer Passagier im kleinen Boot des Fischers ist und man gerne seinen Gedanken lauscht. Wenn er an ein Duell im Armdrücken zurückdenkt, über die Tiere im und über dem Wasser sinniert oder zu seiner Hand spricht, die im entscheidenden Moment verkrampft. Hinzu kommen Bilder von jungen Löwen, die der Alte in seinen Träumen sieht.
Es gibt nur wenige Szenen, in denen Tempo aufkommt, wenn Santiago zu seiner Harpune greift oder die Leine in seinen Händen tiefe Risse verursacht. Sonderlich dramatisch erscheinen diese Momente nicht, wohl auch, weil sie ansonsten zu kontrastreich zur ruhigen Erzählweise stünden.
Es ist ein stiller und zugleich kraftvoller Film, einer zum Zuhören, einer für einen heißen Sommertag.
Und wie die Gedankenwelt des Fischers ist er positiv einfältig und dabei dennoch faszinierend.
9 von 10 Punkten