Rund fünf Jahre hielt der Boom der Kannibalenfilme an und startete 1980 mit Deodatos „Cannibal Holocaust“ erst so richtig durch. Da die Geschichten jedoch häufig in einseitigen Bahnen verliefen, war dem Genre schon bald nichts Innovatives mehr hinzuzufügen.
Diese Hommage versucht hingegen alle gängigen Zutaten damaliger Exploitation-Filme unter einen Hut zu bringen und durchkreuzt dabei leider oftmals den niveaulosen Ekel-Humor, anstatt die parodistischen Züge gezielter auszuspielen.
Die Geschichte klingt entsprechend vertraut: Drei Typen um Jack Steele stranden auf „Cannibal Island“ irgendwo in Argentinien. Auf der Insel hoffen sie den berühmten Schatz von Marco Polo zu finden, doch neben den dort wohnenden Kincaid stoßen sie auf Kannibalen, die ihnen weniger freundlich entgegentreten…
Das Vorwort erinnert in seiner Form bereits stark an „Cannibal Holocaust“, denn man will uns tatsächlich weiß machen, dass folgendes Bildmaterial aus den Achtzigern stammt und der italienische Regisseur nur knapp einer Verhaftung entgangen sei.
Doch spätestens als man Hauptfigur Jack Steele erblickt, der mit Sonnenbrille, falschem Bärtchen und blonder Perücke zum Telefon greift, wird klar, dass einem hier reichlich trashiges Material erwartet, welches mit künstlichen Filmstreifen und abgedrehten Verkleidungen, einfachsten Synthie-Klängen der Gruppe Kobold (!) und übersteigert billiger Synchro im Gesamtbild wie eine Groteske auf Amateurniveau rüberkommt.
Das stört, bis auf die schrille Tonhöhe von Jacks Adoptivsohn (der natürlich nicht viel jünger ist als Jack selbst) nur selten.
Im Gegenteil. Die billigen und oftmals völlig unpassenden Verkleidungen sorgen für einige Schmunzler, die vielen Zitate des Genres für Aufheiterungen und einige Fakten, die im Kontext überhaupt keinen Sinn ergeben, sogar für Lacher.
Allein die Tatsache, dass auf der kleinen Insel (natürlich ein amerikanischer Wald um die Ecke) Nashorn, Krokodil, Gepard und überdimensionale, fleischfressende Pflanzen beheimatet sind oder der stumme Diener von Kincaid ein Spezialist der Yakuza sein soll, aber mit seinem Afro wie alles andere als ein Japaner aussieht, bleibt einige Zeit hängen.
Demgegenüber bietet die eigentliche Handlung kaum Spannung, geschweige denn Überraschungen. Sobald man auf Kannibalen trifft, wird ein wenig gerannt und gerangelt, es kommt zu einigen, durchaus detailfreudig in Szene gesetzten Splatterszenen (Schwanz ab, diverse Ausweidungen, abgetrennte Körperteile…) und Reminiszenzen durch Kannibalenrituale, doch innerhalb jener Szenen hört der Spaß auch auf, denn gerade bei den Konfrontationen geht man recht ernst zur Sache und der Humor bleibt innerhalb solcher Szenen völlig auf der Strecke.
Hier verpasst man die Chance, die Originale ad absurdum zu führen, indem man die grausame Vorgehensweise beider Parteien nicht nur mit Zitaten spickt, sondern sie auch der Lächerlichkeit preisgibt, was in nur einer Sequenz gelingt.
Zum Manko gerät auf Dauer ebenfalls ein wenig die Geschwätzigkeit, die sich aus den Nebenhandlungssträngen ergibt. Die latent mitschwingende Homosexualität fördert im Verlauf kaum eine Pointe zutage und auch die vielen Ausführungen Kincaids ermüden mach einiger Zeit, denn die wesentlichen Aussagen (wer sind hier die Wilden) werden vorzeitig getroffen und nicht nur einmal.
Dennoch kann man mit der skurrilen Mixtur seine Freude haben, da muss man nicht zwangsläufig ein Freund klassischer Kannibalenstreifen sein, obgleich man sich auf teilweise deftige Blutszenen gefasst machen sollte.
Der billige Look mit seinen lächerlich verkleideten Darstellern im Overacting könnte kaum treffender sein, die simple Ausstattung und das Einfügen einiger Tieraufnahmen wurde adäquat von den Vorbildern übernommen und auch wenn im Gesamtbild ein wenig der Nährwert zu kurz kommt, - für anspruchslose Unterhaltung und ein wenig Nostalgie-Feeling wird immerhin gesorgt.
6 von 10