Ja, wer sind sie denn nun, die Wilden?
Was lange währt, wird endlich gut. Auch diesen Satz kann man schlussfolgernd auf das Seherlebnis von Isle of the damned beziehen, denn verdammt lange wurde der deutsche DVD Release vor sich hergeschoben, sodass man, in all der ewiglangen Warterei allerlei Berichte, Erfahrungen und bzw. auch Erwartungen und Ansprüche ansammeln konnte, die dieses recht zwiespältige Werk mit Sicherheit verdient. Im Negativen wie auch im Positiven Sinne, denn es kommt darauf an, wie man es betrachtet, ist Isle of the damned aber genau das geworden, was man erwartete:
Ein Kanditat für den Trashtron.
Und genau dieses Unterfangen, diese eigentlich abwertende Bezeichnung nimmt dieser Schund auch nur allzugerne entgegen, muss man, und so wollte man es auch, hier eine absolute grenzdebile, aber genauso überzeichnete Hommage an den exploitativen Kannibelnfilm der 80er Jahre feststellen.
Was auf dem Horrormarkt mit Mondo Cannibale (1972) wie das ernste Gruselkabinett der Grausamkeiten begann, da man mit kritischem Auge das Aufeinanderprasseln zweier unterschiedlicher Völker, dem Zivilisierten Mann und einem Dschungelvolk, fernab gebildeter und technischer Gesellschaft inszenierte, dessen Aufeinandertreffen und der löbliche Ausgang, die humane Verbindung in Missgunst ausartete, unterbrach die unmögliche Möglichkeit in Form von andersartigem Wildenleben, kannibalismustendziellen Menschen, die die Symbiose zwischen unberührtem Leben und fortgeschrittener Mentalität aus evolutionären Grossstadtallüren störten, hatte man letztlich ein neues Feindbild im Horrorfilm: Der zurückgebliebene Kannibale.
Erst 1977 sollte Ruggero Deodato den Zwiespalt füllen, den Mondo Cannibale 1 begleitete, war dieses Werk im Entferntesten doch bloss ein mit Kannibalenszenen angereichertes Romantikabenteuer, indem sich Stadtmann und Dschungelfrau verliebten. Mondo Cannibale 2: Der Vogelmensch jedoch, stellte erstmals primitives Dschungelgeschöpf mit Menschenhunger und Stadtmensch, die scheinbar Gebildeten auf eine Stufe, zelebrierte man Seitens der "Gebildeten" gegen die weiblichen Kannibalinnen, Vergewaltigungsszenen in den Raum, die man, im Raum der Kannibalen, im Motiv ihrer Stammesrituale verachtete. Ist der Mensch, im Raum des Unbekannten, ebenbürtig?
All diese Fragen konnte man 1977 noch nicht beantworten, aber zumindest schaffte das 1980 Deodatos Nackt und zerfleischt aka CANNIBAL HOLOCAUST, welcher konsequent und eindringlich die Widersprüchlichkeit der sogenannten Zivilisierten entlarvte, entpuppte sich der Journalismus dieser Menschen, als selbstzweckhafter Schachzug, die sich im Raume dieser "Menschen", die sie als zurückgeblieben entlarven wollten, ebenso verhalten, wobei sie nicht mal registrieren, dass sie immer mehr ihre Wurzeln, ihre elitäre Erhabenheit und Verstand verlieren, schwappt dieser überlegende Glaube über wem zu stehen, schnell in das Grauen um, das man die Bestie im Menschen nennen könnte.
Doch CANNIBAL HOLOCAUST war im Gesamten widersprüchlich, prangerte an, beutete aber mit seiner eigenen Inszenierung selbstzweckhaft Faktoren aus, um ein Publikum zu schocken. That's Exploitation. Purer Ekel um jeden Preis.
Puren Ekel schafft Isle of the damned auch, aber zumindest in dem Sinne, dass es gewisse Intention der vorangeschriebenen Filme umkehrt, persifiliert sie scheinbar diese verlogene Alibi der kritischen Gegenüberstellung, welches sich durch eigentlich schundhafte Kannibalenreisser zog. Denn vielmehr waren sie nicht. Sie waren bloss Horrorfilme ihrer Zeit: Dreckig, blutig, abartig und absolut verstörend grausam.
Isle of the damned kann man, wenn man will als Hommage bezeichnen, als Parodie, oder doch bloss als absolut gewollter Trash, der sich so präsentiert, dass eigentlich ein absolut kleines Publikum angesprochen sein darf.
Der Freak, der abseitige Italofan, der Kannibalenfilmfan, und der Trashfan, der vor nichts zurückschreckt, wird vorallem schon einmal von der ganzen Werbemasche beeindruckt sein, zieren doch solch ironisch Sprüche wie "Banned in 492 Countries" und "The 1980 Cult Classic...for the first time in Europe" das comicartige Cover, was ganz bewusst und gezielt, mit immer während neckischen Seitenhieben, Bezug auf die in Deutschland beschlagnahmten Filme wie Cannibal Holocaust, Lebendig gefressen und Cannibal Ferox zu nehmen.
Es ist sonderbar sollte man meinen, schliesslich ist es das erste Mal, dass jemand versucht den Kannibalenfilm zu persifilieren, während das Zombiegenre schon so früh durch die Suppe gezogen wurde. Aber das macht alles nichts, denn wie lautet beim Fan, und der sollte das einzige Publikum für solchen "Schrott" sein, die Devise: Die Hommage, die Parodie soll zünden.
Tut sie, denn allein der Vorspann, in dem man Protagonisten mit gefakten Künstlernamen einführt, die irgendwie auf alte Italoregiehasen anspielen, macht den Fett symphatisch, um dann als allererstes mit der absolut oberaffigen und partytauglichen Übersynchro aus dem Hause "Möglichst übertrieben, gewollt Scheisse" konfrontiert zu werden, um dann Charaktere zu sichten, die man wohl als anspruchsvoller Cineast als "überzeichnet, untalentiert und grottenschlecht" bezeichnen würde, schreit sich die Dame am Telefon so richtig übertrieben die Seele aus dem Leib, obwohl sie doch bloss ein normales Gespräch führt. Screamqueens hatte das Exploitationkino der 80er genug, doch tuckige Möchtegernmädels, die quiekend nervig ihre Phrasen schwingen eher weniger, scheint das doch diese gewollt übertriebende Provokation zu sein, die uns wohl den kompletten Film begleitet. Am anderen Ende spüren wir den geistigen Nebel, diese feste Intelligenz dahinter, denn die Charaktere agieren allesamt so, als wollten sie mit ihren aufgesetzten Kostümen (sie sind sichtlich so erkennbar, Faschingslike, passen sie einfach nicht zur Person), geradezu ein unwirkliches, unernstes Paradebeispiel der clownesken Inszenierung verkörpern, um den Konsumenten minütlich mit Dialognonsense und Flachköppergestiken zu belustigen.
Allerdings führt das Alles zu nichts, schliesslich ist das Minimum des Plots die Suche nach einem Schatz im Dschungel der Verdammten, wo wir uns sobald befinden. Mag wohl nur ein Wald irgendwo im Amiland sein, aber der Regisseur, Antonello Giallo (auch ein Künstlername), präsentiert das wohlwollend dilletantisch, das man da Einiges verzeiht. Zwar wird ein Stilmittel der 80er Anspielung total überreizt, nerven die nachträglich und absichtlich eingefilterten Filmrisse nur zu sehr, während die Optik wie ein Amateurfilm aussieht, den man oldschoolmäßig mit einer 8mm Kamera drehte.
Da hüpfen die Protagonisten Schnauzbärtig, tuckig, machohaft und ekelerregend durchgeknallt durch die Prärie, um dann von den Kannibalen allsbald attackiert zu werden. Im Grunde genommen, wären da nicht die Ausseinandersetzungen des schwulen Adoptivsohnes und seinem Vater, der dieses absonderliche Verhalten nicht versteht, beschränkt sich die Choose auf blutiges Gedärmehappening und zusammenhangloses Zitieren denkwürdiger Szenen altbekannter Vorbilder, wobei die Charaktere zwar tragend für den schrottigen Humor (??) sind, aber keinesfalls interessant sein dürften, um ihnen nach dem Tod nachzuweinen. Im Gesamten ist es das Piratenmassaker in Gut, chaotisch, doof, aber soooo gewollt doof und stellenweise ultrablutig, dass es einfach Spass macht, vorausgesetzt, dass man mit der Matschbirne nach Ansichten leben kann.
Die Intention dieses Umgangs ist die Anspielung auf die Ignoranz und die fehlende Toleranz für Andersartigkeit, ist die Homosexualität des Jungens sinnbildlich für die zurückgebliebene Primitivität der Kannibalen, aber so weit muss man dabei auch nicht analysieren oder interpretieren, ist es sogesehen auch egal.
Egal ist aber nicht zum Beispiel der dauernde Umgang mit Zitaten durch das Italokino, befindet sich auf der Insel nämlich ein einziger Mensch, der sich Kannibalen als Sklaven hält, wobei wir zurückerinnerd feststellen müssen, dass sich in Zombies unter Kannibalen (1980) der Mad Scientist Zombies als Sklaven hielt und auch die Villa ähnelt haargenau jener in Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies (1979). Zu Lachen hat man dabei Einiges, denn auch die Kannibalen agieren wie Claudio Fragassos Troll(s), während sie ab und an mit ihrem KISS - Make Up, wie degenierte Halloweenteilnehmer mit schlechter Haarhygiene aussehen. Desweiteren agieren sie nicht nur wie Trolle, sondern bratzeln undefiniere Kacke, die sich anhört, als hätten die Goblins und Orks gerade ein Rockkonzert.
Schlussfolgernd muss man eben feststellen, auch wenn hier desöfteren penetriert wird, auch anal, denn die Kannibalen sind scheinbar schwul, ist das der allergrösste Schrott, der mir untergekommen ist, filmtechnisch, visuell und vom Anspruch her sowieso, aber das gelingt dem Film, dem Team, den Darstellern und der ganzen Ausrichtung so gewollt exzellent, dass man diesen schwachmatischen Volltrash einfach nur mögen kann.
Doch Vorsicht:
Der Film enthält Szenen echten Kannibalismus, und auch die getöteten Darsteller hat man nie wieder gefunden.
Fazit:
Obertrashiger Vollschrott in jeder Sicht, der nur mit massig Alkoholika zu goutieren fähig ist. Kann man getrost bloss Trashspezialiserten Konsumenten empfehlen, die nebenbei noch Fan des europäischen Kannibalenfilmes und des Italohorrors sind.
Die Trashtrone gehört dem Film absolut, und auch wenn der Film erst bald offiziell releast wird (30.03.2010) ist das Teil für mich jetzt schon Kult - aufgrund fehlender Konkurrenz. Aber soviel gewollten Schwachsinn muss man erstmal überbieten.
Wir sind die Wilden, die Schnauzer, die Schwulen, die ignoranten Machos und Goldjäger. - Nur die Liebe zügelt unsere Gier, hach - oder doch nicht.
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