Isle of the damned - ein verschollener Kannibalenschocker, ein goriges Splatterfest, ein ultra-trashiger Amateufilm oder eine liebevolle Hommage der 80er Cannibal-movies á la Ferox oder Holocaust?
Ich war mir nicht wirklich sicher, was mich bei diesem Film erwarten wird. Doch mal eines vorweg: ich war begeistert.
Gleich zu Beginn werde ich per Texttafel darüber informiert, dass der Regisseur Antonello Giallo (!!!) das Land verlassen musste, da die in seinem Film gezeigten Grausamkeiten, große Proteste verursachten. Gleich darauf warnt mich eine resolute Frauenstimme, bitte den Saal zu verlassen, wenn ich mit barbarischer Folter, unzivilisierten Grausamkeiten und kannibalischen Abartigkeiten Problem haben sollte. Schon fallen mir die reißerischen deutschen Trailer von z Cannibal Ferox und Co. ein. (also doch ein Kannibalenschocker?)
Und dann geht's los....
Akteure mit schlechten Perücken und noch schlechteren Bartatrappen begegnen mir (gut, also ein trashiger Amateurfilm?). Doch dann vernehme ich die ersten Dialoge und mir wird ganz schnell klar, welches Konzept dieser Film verfolgt: er ist eine liebevolle Hommage an die Kannibalenfilme aus den 80ern!!! Solch wunderschöne lippenunsynchrone Dialoge gehören zu Kannibalenfilmen mindestens genauso, wie die Kannibalen selbst.
Dieser Film strotzt nur so von liebevollen kleinen Szenen, welche einen an Ferox und Konsorten erinnern.
Ein kleines Beispiel:
Wir kennen doch alle die Trantel-Szene aus Deodato's „Cannibal Holocaust". Hier sitzt eine Tarantel auf der Schulter der Protagonistin. Ganz klar: die Frau befindet sich in akuter Lebensgefahr - immerhin reden wir hier von einer TARANTEL(!). Ihr Begleiter reagiert völlig zurecht mit höchster Vorsicht - jetzt darf man keinen Fehler machen, denn Taranteln sind für ihr unberechenbares, tödliches Verhalten unter Zoologen gefürchtet. Dies erkennt auch der Protagonist, indem er sie ganz vorsichtig mit der Machete ablöst und die fliehende Spinne zerteilt (widerlicher Snuff-Teil).
In „Isle of the damned" landet ebenfalls eine Trantel (in diesem Fall eine aus Plastik) auf der Schulter eines Protagonisten, welcher dem Nervenzusammenbruch nahe ist. Sein Kollege lässt sich jedoch auf diesen Quatsch nicht ein, schnappt die Spinne gleichgültig und zertritt sie (man beachte die zerplatzende Attrappe).
Es folgen im Sekundentakt bekannte Szenen (Stichwort: Penis oder die Zerlegung eines bösen Weißen). Und schon bin ich bei einem weiteren Pluspunkt: die Effekte. Gerade im Splatterbereich sind diese für eine Independentproduktion einfach hervorragend. Die beiden oben genannten Szenen sind dafür ein gutes Beispiel: nicht nur, dass sie handwerklich super gemacht sind, nein sie übertreffen im Gore-Bereich sogar die Originale (also wohl auch ein Splatter-Fest?)!
Fazit: Isle of the damned ist mehr als nur ein Kannibalenfilm. Er ist ein Splatterfest, ein ultra-trashiger Amateufilm und eine liebevolle Hommage der 80er Cannibal-movies in einem. Und das macht ihn zu einem tollen Film, welcher einfach nur Spaß macht. 9 / 10
Ein paar Worte noch zu der tollen VÖ von ILLUSIONS UNLTD. films: der Film kommt in einem Pop-up Digipack mit Soundtrack-CD. Neben dem anstrengenden Originalton, existiert eine sehr passende deutsche Tonspur und wirklich interessante Extras.
Klare Kaufempfehlung!