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Revival oder Hommage, das ist hier die Frage...


Der Kannibalenfilm war lange Zeit tot, oder besser gesagt, hatte ausgedient. Noch bis Mitte der 1980er durfte das Subgenre sich austoben und stillheimlich ausklingen lassen. 2008 belebte Mark Colegrove das klassische Menschenfressergenre neu, mit eher mittelmässigen bis lauen Erfolg,brachte aber bereits einen neuen Stein ins rollen, der weitere Abkömmlinge folgen liess und so kamen viele Beiträge aus allen Ecken der Welt, die das Thema Kannibalismus "verinnerlichten". Jeder wollte mal Italiener der 70er spielen. Von der Brutalität und dem Gewaltniveau her, konnte aber nur "Isle of the Damned" dem totgesagten Genre Tribut zollen.

Privatdetektiv Jack Steele wird von einem äusserst skrupellosen Geschäftsmann angeheuert, einen Schatz von einer Insel zu bergen. Zusammen mit Jack's Adoptivsohn Billy gelangen sie auf die Insel, ohne zu wissen, das der gesuchte Schatz von Kannibalen bewacht wird. Bis Geschäftsmann Thompson von den Menschenfressern gefasst wird, geht es nur noch ums nackte Überleben.

Regisseur Colegrove sponn im Vorfeld ein Mysterium um den Streifen, welches besagt, das der Film ein verschollenes Relikt des italienischen Regisseurs Antonello Giallo sei, der wieder aufgetaucht und in 492 Ländern der Erde verboten sei (wobei es jetzt mal im Ernst nur 195 Länder aktuell weltweit existieren).

Der Film schaffte es aber in der BRD, beschlagnahmt zu werden; kein Wunder, bei all den Grausamkeiten und Extrem Tötereien, detailreich und blutig in Szene gesetzt, die hier offengelegt werden.

Colegrove inszenierte das Gesamtpaket als eine Art Hommage an den Spaghetti- Mondo, trotz des trashigen Grundtons und der recht billigen Darstellung, was man den 20000 Dollar Budget ansieht, die wohl grösstenteils in die Blut-und Gewalteffekte einzuflossen schienen. Sozusagen, der amerikanische Bruder von unserem Olaf Ittenbach aus Fürstenfeldbruck. Auch der Score lässt italienisches Flair anmuten und erschafft den Gesamteindruck, als würde es sich bei dem US Underground Amateurvehikel um einen echten "Kannibalengiallo" handeln.Zu sehen auch, wenn eine Komplettpfählung (aus Cannibal Holocaust), Fötusverspeisung (Man-Eater) und weitere Szenen aus berüchtigten §131 Italoklassikern zitiert werden.

Auch auf die deutsche Synchronisation gab man nicht so viel, woraus sich resultieren lässt, das kein geringerer als Oliver Krekel dafür verantwortlich war. Dies und das lässt "Isle of the Damned" im Lichte eines schrottigen Trashtorsos erscheinen, bei näherem Betrachten aber versteht es der Genrebeitrag, zu unterhalten, auch wenn leidlich bis kaum spannend, da der Augenmerk auf die Ausweidungen und Vergewaltigungen liegen. Auf die drehbucharme Story sollte man wenig geben, genauso verhält es sich bei der hölzern- biederen Schauspielleistung der Akteure, die sich unter "Goldener Himbeere" Niveau bewegt.Selbst die rotzigen Perücken und Bartatrappen vermitteln den Eindruck, als wollte man am falschen Ende sparen und hat den letzten Faschingsfummel raugekramt.

Also spricht dafür, das "Isle of the Damned" als Hommage und gleichzeitig auch als Wiederbelebung des Subgenres funktioniert und das auch so erdacht wurde. Kleines Budget, grosse Wirkung; allenfalls für Kannibalenfans interessant und bevorzugt, gesetzt den Fall, das hier nur noch schwer erhältliche Werk zu erwerben. Allen anderen Mainstreamlern sei abzuraten!


Ist die Beschlagnahme gerechtfertigt? Ja, das schwer zugängliche Filmwerk, nur für einen kleinen Fankreis gedreht, zelebriert und glorifiziert im Höchsten Maße menschenverachtende Gewalt auch in sexuell motivierenden Bereich.


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