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Rastlos geht es weiter mit überdrehter Action, knallhartem Zynismus, unzähligen Anspielungen auf TV, Filme und Popkultur überhaupt und statt Adrenalin braucht unsere pausenlos in Bewegung stehende Hauptfigur nun Stromstöße.

Chev Chelios hat man das Herz herausgerissen und jetzt muss er zusehen, wie sein batteriebetriebenes Plastikherz regelmäßig mit Strom versorgt wird und nebenher noch jeden Angehörigen der Triaden wegpusten.

Handlungstechnisch setzt man nahtlos am ersten Teil von 2006 an und beginnt praktisch mit dem freien Fall, der über Umwege in einem eher unorthodox eingerichteten Operationssaal endet. Doch wie man Chev kennt, kann der nicht lange ausharren, um sich fortan durch feindselige Grüppchen zu bugsieren.

„High Voltage“ legt tatsächlich noch eine Schippe drauf was Action, Tempo und visuelle Spielereien betrifft. Fast Forward, Freeze Frames, Split Screen, dazu zahlreiche Illustrationen, hinweisgebende Einblendungen, Achterbahn-Schwenks und mittendrin Jason Statham, der diesmal noch cooler agiert und noch weniger zu sagen hat, als es ihm im Vorgänger vergönnt war. Dazu darf natürlich die entsprechende Musik nicht fehlen, die fast durchweg jenseits der 130 Bpm daherkommt.

Wer hier Feingefühl, irgendwelche Logik oder einen Sinn für politische Korrektheit sucht, ist entsprechend fehl am Platz. Dafür sorgen jede Menge halbnackter Frauenkörper in Nahaufnahme, zahlreiche Anspielungen auf eventuelle Potenz und die Tatsache, es einmal mehr vor Publikum zu treiben, - diesmal auf der Pferderennbahn vor ein paar Tausend begeisterter Zuschauer, während die Rennpferde just zum Höhepunkt über das kopulierende Paar hinweg galoppieren.

Völlig abgehonkt sind schließlich so überdrehte Einfälle wie ein auf 50er-Godzilla getunter Zweikampf deformierter Giganten, die Direktheit, jemanden ein Gewehr in den Arsch zu schieben oder eine Talkshow-Persiflage, die die Kindheit des Helden in den Vordergrund rückt. Kaum eine Sekunde vergeht, bis die nächste abgedrehte Idee auf den Plan gerufen wird, blutige Einschüsse en masse zu verzeichnen sind oder ein weiterer Stromstoß unter Brüllen, Fluchen oder Schreien verabreicht wird, - hier stehen alle Beteiligten unter Strom.

Allerdings ist es teilweise etwas zuviel des guten, besonders der Overkill visueller Verfremdungen und Spielereien wird phasenweise arg ausgereizt, was als Umkehrschluss ein wenig ermüdet, zumal das Prinzip des ersten Teils schlicht kopiert und mit einer reichlich seelenlosen Story angereichert wurde.
„Crank“ ist eben keine gänzlich neue Erfahrung mehr.

Dennoch wird geneigten Fans ein gediegener Spaß geboten, der zumindest ein latentes Grinsen auf den von Anspruch und Logik befreiten Schädel transportiert.
Der Kerl aus „Transporter“ wie Chev von einem leicht betagten Opfer umschrieben wird, nimmt einen mit auf eine rotzfreche, tief schwarze, oft knallharte Odyssee, die keine Zeit zur Reflektion lässt.
Herrlich übertrieben, voll von schrägen Einfällen, wie ein Comic-Strip als Ego-Shooter.
Maximum Overdrive zum Abspacken,
8,5 von 10

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