Nachdem er aus einem Hubschrauber gefallen ist, wird der ehemalige Auftragskiller Chev, gespielt von Jason Statham, von einer Gruppe Asiaten verschleppt, die ihm sein Herz entnehmen und ihm ein batteriebetriebenes Implantat verpassen, um seinen Körper für weitere Organtransplantationen am Leben zu erhalten. Doch Chev kann entkommen und macht sich prompt auf die Jagd nach seinem Herz, muss sich jedoch so einiges einfallen lassen, um seine aktuelle Pumpe, der ständig der Saft ausgeht, immer wieder aufzuladen.
"Crank" war grotesk, extrem schnell, brutal, witzig und unverschämt, erreichte aber gerade deswegen den Kultstatus und erzielte mit eben diesen Zutaten einen hohen Unterhaltungswert. Aber mit Zutaten ist es nun einmal so, dass sie nur dann zu einer guten Gesamtkomposition, zu einem sehenswerten Film führen, wenn sie nicht überdosiert werden und dies ist bei "Crank 2", der nicht an den ersten Teil heranreicht, leider der Fall.
Dies beginnt schon bei der Story. Zwar hatte auch der erste Teil keinen sonderlich raffinierten Plot zu bieten und die Charaktere gewannen keinesfalls an Profil, aber das Geschehen war in sich stimmig, zu keinem Zeitpunkt unübersichtlich oder überladen und überzeugte letzten Endes nicht zuletzt wegen der innovativen Grundidee, die den Film auszeichnete. Diesmal werden zu viele Figuren in das Geschehen integrierte, der Plot ist vollkommen wirr, dramaturgisch absolut unschlüssig, noch sinnfreier als beim Vorgänger und zudem dermaßen konfus aufgebaut, dass keinerlei Spannung erzeugt werden kann und da hatte der Vorgänger definitiv mehr zu bieten.
Auch "Crank 2" bricht so ziemlich alle bestehenden Tabus, versucht aber allzu sehr politisch unkorrekt, frech und respektlos daherzukommen. Angefangen beim offensichtlichen Sexismus (So ziemlich alle Frauen im Film sind Prostituierte oder Stripperinnen), über die vollkommen menschenverachtende Grundhaltung, die selbst "John Rambo" bei Weitem übertrifft, bis hin zu den unnötig dreckigen, brutalen, mitunter arg geschmacklosen Gewaltspitzen, ist der Film deutlich überzogen und stellenweise nicht mehr im Bereich des guten Geschmacks. Teilweise sind dabei durchaus gute Gags vorhanden und ein ordentlicher Unterhaltungswert, der aus diesen gewagten Einlagen resultiert ist auch nicht abzustreiten, aber auf Dauer ist der Film einfach zu krank und geht zu sehr in die extreme. Spätestens ab der Mitte beginnt das Konzept, das sowieso schon vom Vorgänger übernommen ist, dann Verschleißerscheinungen zu bekommen, die beinahe pornografische Fleischbeschau verliert irgendwann an Reiz, die Gewalt- und Ekel-Einlagen entfalten nicht mehr ihren schockierenden Charakter und verkommen zur Routine. Einige Gags zünden, einige aber auch nicht, manche sind sogar direkt peinlich und eine derart mittelmäßige Trefferquote war beim Vorgänger noch nicht vorhanden. Wenn am Ende schließlich ein Kopf, der in einer Art Aquarium am Leben gehalten wird auftaucht, Statham und sein Kontrahent im Zweikampf mit Man-in-Suit-Effekten, wie man sie in japanischen Monsterfilmen zu sehen bekommt, ein Miniaturkraftwerk zerlegen oder eine hysterische Hure zusammen mit einem Tourette-Patienten auf der Straße herumzuckt, ist es einfach zu viel des Guten und der Bogen eindeutig überspannt, auch wenn sich der Film an Computerspiele anlehnt und cartooneske Züge entwickelt. Außerdem werden die letzten Möglichkeiten, so etwas wie einen Sinn zu entfalten, oder Spannung zu erzeugen nicht ausgeschöpft, da sich der Film im Grunde einzig und allein auf den Tabu-Bruch konzentriert.
Inszenatorisch haben sich Mark Neveldine und Brian Taylor, die Macher des ersten Teils, ebenfalls einiges einfallen lassen. Erneut wird das Tempo sehr hoch gehalten, auf hektische Handkamera gesetzt und dabei ein ziemlich schneller Score gespielt, um den Adrenalin-Spiegel konstant hoch zu halten und auch wenn keine echte Spannung erzeugt wird, ist der Film so doch zumindest anregend und unterhaltsam. Die Action-Szenen wissen ebenfalls zu überzeugen und bestechen vor allem durch ihre enorme Geschwindigkeit und die gelungene Choreografie, auch wenn die Brutalität etwas zu hoch ist. Vieles, was über diese inszenatorischen Mittel hinausgeht ist leider überstilisiert, etwa das Einspielen eines Computerspiels, oder die zum Ende hin eingespielte Talk-Show und gestaltet den Film, der glücklicherweise eine relativ kurze Laufzeit hat, auf Dauer recht anstrengend.
Jason Statham ist dabei erneut hervorragend besetzt. Der Brite, der spätestens nach seinen drei "Transporter"-Auftritten und seinen Rollen in "Death Race", und "Crank" zu den angesagtesten Action-Darstellern gehört, macht sich hier erneut sehr gut, spielt seine Rolle gewohnt cool und charismatisch, erweckt trotz seiner kantigen Art Sympathie, leistet auch in den Action-Szenen gewohnt starke Arbeit und zeigt darüber hinaus ein hohes Maß an Eigenironie. Amy Smart, die erneut einiges fürs Auge zu bieten hat, spielt ihre Rolle überzeugend, genauso, wie die übrigen Nebendarsteller. Zudem sind noch einige recht amüsante Gastauftritte vorhanden.
Fazit:
"Crank 2" unterhält mit einigen respektlosen Gags, seinen knallharten und brutalen Action-Szenen und seiner extrem temporeichen, schnellen Machart durchgehend und bietet mit Jason Statham einen hervorragenden Hauptdarsteller auf, reicht aber dennoch nicht an den Vorgänger heran. Durch einige Geschmacklosigkeiten, eine mitunter überstilisierte Inszenierung und die extrem konfuse Story reicht es nämlich nicht zu mehr, als zu Mittelmaß. Vielleicht hätte man etwas mehr Wert auf den Aufbau von Spannung legen sollen, als den Fokus auf ein Maximum an Tabu-Brüchen in 96 Minuten zu legen.
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