Review

„Crank“ war anno 2006 ein Überraschungshit, irgendwie anders, politisch inkorrekt und sehr unterhaltsam – keine einfachen Vorraussetzungen für ein Sequel.
„Crank 2“ hat zumindest in den ersten Minuten keine Probleme anzuknüpfen, inhaltlich wie stilistisch: Chev Chelios (Jason Statham) schlägt auf – wie am Ende von Teil 1 bereits gesehen – wird direkt von Gangstern via Schneeschaufel in einem Van gepackt, ein Nachrichtensprecher gibt einen selbstironischen Kommentar gen Kinopublikum ab und Chev erwacht, um festzustellen, dass man ihm ein elektronisches Herz eingepflanzt hat und nun sein bestes Stück haben will. Alles überdreht, aber im Stile des Vorgängers.
Chev kratzt die Kurve und will sein Herz zurück, was erneute Raserei durch die Stadt bedeutet. Anstelle von Adrenalinkicks braucht er nun Elektroschocks um die Pumpe am Laufen zu halten, aber ansonsten ist die Schnitzeljagd quasi die gleiche…

Naja, fast die gleiche, denn „Crank 2“ lässt beinahe sämtliche Qualitäten missen, die den Vorgänger ausmachten. Der war schon simpel und nicht immer logisch, aber hier hat storytelling gar keinen Wert. Man muss bereits akzeptieren, dass Chev einem Herz nachjagt, das an sich im Vorgänger vergiftet wurde und Problemquelle war, außerdem hat er noch weniger Anhaltspunkte, wen er warum sucht, aber egal: Selbst nach Monaten weg von der Bildfläche kann er direkt einen Kumpel zwecks Ratschlag anrufen.
Nun wäre man ja geneigt über derartige Kanten hinwegzusehen, wenn „Crank 2“ immerhin so eine Gaudi wie der Vorgänger wäre, aber auch das machen die Regisseure zunichte, da man krampfhaft in jeder Beziehung einen drauflegen will. Das fängt auf inszenatorischer Ebene an, was noch hektischeren Schnitt, noch wilderes Kameragewackel und ähnliche Übersichtskiller bedeutet. Wo dies in Teil eins noch als Stilmittel zur Bebilderung eines Adrenalinrausches durchging, so wirkt es hier nur noch aufgesetzt, anstrengend und nervig.
Neben solchen Ideen versucht man noch zu beweisen, dass Witzigkeit keine Grenzen hat, doch scheitert daran ebenfalls. Vollkommen idiotische Einlagen wie ein „Godzilla“-Duell im Stromkraftwerk oder eine Talkshow-Traumsequenz sind unnützes Beiwerk der style-over-substance-Klasse und ähnlich aufgesetzt wie im vergleichbaren „Natural Born Killers“, jedoch nicht witzig. Sowieso gehen die meisten Witze gründlich in die Hose, denn beim Versuch die austarierte political incorrectness des Vorgängers weiterzutreiben begibt man sich nur auf das Terrain des primitiven Schenkelklopfers: Durchschossene Silikonbrüste und barbusig ballernde Babes begeben sich auf Trashgefilde, stumpe Gags um Verletzungen im Genitalbereich erfreuen bestenfalls das simple Gemüt. Das Ganze geht mit einer widerlichen Frauenverachtung einher, Chevs Freundin Eve (Amy Smart) wird nur noch zum Objekt der Triebabfuhr abgewertet und von der nervigen Ria (Bai Ling) redet man besser gar nicht, deren Ende die frauenfeindliche Haltung des Films nur auf den Punkt bringt.

Bleibt dann als letzter Rückzugspunkt noch die Action und auch da ist „Crank 2“ alles andere als ein Überflieger. Die Nahkampffähigkeiten des Helden sieht man kaum (die größte Prügelei im Behelfsbordell findet offscreen statt), die vorhandenen Shoot-Outs und Verfolgungsjagden sind nichts weiter als ordentliche Standardware, die durch die hektische Inszenierung aber teilweise ordentlich kaputtgemacht wird. Allenfalls die Parkhausszene hat was, das Finale ist hingegen eine unglaubliche Enttäuschung. Hart geht es zur Sache, doch Nickligkeiten wie abgeschnittene Nippel und derbe Einschüssen entschädigen nicht für das Fehlen guter Action.
Jason Statham ist da immerhin in gewohnt guter Form und kann als Ruhepol noch etwas gegen den überkandidelten Rest halten, aber das war es dann auch. David Carradines Gastauftritt ist nett, aber kaum der Rede wert, Amy Smart bemüht sich noch ein wenig Restwürde in ihrer Rolle zu behalten, während Bai Ling mal wieder eindrucksvoll beweist, dass sie mittlerweile nur noch zur Trashqueen taugt. Der Rest vom Fest ist ähnlich mau, darf in blöden Klischeerollen rumvegetieren, die weitere Vorurteile gegen Minderheiten produzieren, aber das ist angesichts der vielen Ärgernisse kaum der Rede wert.

Trotz der Konstanten bei Besetzung und Regie ist „Crank 2“ unterm Strich ein wahrhaft ärgerliches Sequel, das beim Versuch den Vorgänger den zu übertrumpfen übers Ziel hinausschießt und kläglich versagt. Stathams Präsenz und ein paar solide Actionszenen retten das Teil noch vorm Totalausfall, ansonsten ist der überkandidelte, primitive und unlustige Abklatsch echter Schrott.

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