Jason Statham hat derzeit ein kleines Problem: Er spielt fast überall mit, egal ob der Film was taugt oder nicht, sei es ein stylisher Banküberfall, der in einem üblen Staatskomplott gipfelt (Bank Job), eine stylishe Rachethrillervariante, die in einem esoterischen Metafilm mündet (Revolver), ein einfach nur Hirn aus, Bier rein Männeractionpflaume (Death Race) oder einfach nur Sondermüll (Doktor Uwe Boll-Filme, deren Namen hier verdrängt wurden). Natürlich darf man seine Auftritte in Transporter und demnächst im Stallone-Vehikel Expendables nicht vergessen, wo er auf seinen Co-Star aus War (ebenfalls eine Pflaume) und The One (etwas besser,aber auch mies) Jet Li trifft. Bei so einem vollen Terminkalender, verwundert es natürlich nicht im Geringsten, dass sein Schauspiel mittlerweile hinten ansteht, Story sowieso, das einzige, was ihn immer mehr auszeichnet, ist sein Waschbrettbauch.
Und seine ewige Grimasse, wenn er angeblich in tierisch mörderischem Stress ist.
Zu seinem Glück landet er bei dieser Vielzahl an Filmen immer mal wieder einen Kracher und so ist er derzeit auch tatsächlich der einzig tragbare Action-Superheld des neuen Jahrtausends (soll jetzt nicht so superlativ klingen, sondern sich lediglich etwas vom Begriff Jahrzehnt absetzen, da wir ja schon am Ende dieses Jahrzehnts angelangt sind).
Solche selbsternannten Ikonen wie Schwarzenegger und Stallone zählen mittlerweile ja seit über 10 Jahren zum alten Eisen, Bruce Willis ist in Ehren ergraut, Nicholas Cage war nur für ein paar Jahre so etwas wie ein Action-Titan. Und solche B-Movie-Action-Giganten wie Steaven Seagal, Jean Claude-Van Demme und Dolph Lundgren laufen seit Jahren mit in Bulgarien und Rumänien am Fließband abgefertigten Direct-to-Video-Produktionen ihrer Form hinterher. Bliebe noch Wesley Snipes, der aus Finanznöten in denselben Gefilden fischen mujß und Vin Diesel, der gerade eine Art Mini-Comeback versucht. Dwayne Johnson gibt sich mittlerweile als braver Smartie. Wer bleibt also für die harten Männerfilme noch übrig: Jason Statham. Und der dreht derzeit wirklich jeden Scheiß, der ihm Geld in die Schatulle spült, ohne Rücksicht auf Verluste.
So kam es auch nicht von ungefähr, dass ich erstmal gar keine Lust hatte, Crank 2 überhaupt zu gucken, zu wenige seiner neuen Filme hatten auch nur ansatzweise etwas, das mich ansprach, vier seiner jüngeren Filme konnte ich nicht mal bis zum Ende durchstehen, und ich muß sagen, dass ich gelegentlich so ziemlich jeden Trash mal schaue.
Und genau hier muß man Dreck von Trash abgrenzen: Dreck ist ungenießbar und langweilig, Trash ist die unterste Ebene von Humor, so weit unten angekommen, dass es schon wieder am oberen Ende anklopft.
Und glücklicherweise ist Crank 2 ein erstklassiges Trash-Produkt: Eine sinnlose Zerstörungsorgie, ohne politische korrekten Ambitionen, ohne Rücksicht auf Verluste, mit einem auf Autopilot wütenden zur Karikatur verkommenen Jason Statham.
Und erstmals seit Ewigkeiten ist das auch gut so.
Denn Crank 2 ist die Karikatur eines Action-Films, fast sogar die Karikatur von Crank 1.
Fragte ich mich teilweise in Crank 1, was hieran so cool sein soll, weil hier nicht konsequent genug zu Ende gesplattered wurde, so ließ Crank 2 diesmal keinerlei Wünsche offen.
Gegen Crank 2 stinkt Crank 1 genauso ab, wie der ohnehin schon total überbewertete Shoot em Up.
Während wir in Crank 1 noch einige Mainstream-Action-Jünger auch noch beglücken konnten, so rutscht Crank 2 nun völlig in die rote Zone ab, es werden keine Kompromisse gemacht.
Und in diesen Momenten erinnert Jason Statham auch endlich an den einzig wahren Macho-Action-Helden, der nicht aus der Trickkiste Hollywoods gegraben wurde, der späte Jean-Paul Belmondo, der irgendwann so sehr in seinem Macho-Stereotypen gefangen war, dass es teilweise nur noch lächerlich war, aber dem Zuschauer dennoch Spass machte (so etwas hinzukriegen ist leider sehr sehr schwer, wie man aktuell am todernsten und unerträglich schlechten Rambo4 ersehen kann).
Langer Rede wirklich kurzer Sinn:
Jason Statham ruiniert sich gerade sein Ansehen und seine Karriere mit mehr beschissenen als guten Filmen. Crank 2 bildet hier keine Ausnahme.
Aber im Gegensatz zu den anderen oben erwähnten Filmen ist Crank 2 so frisch wie ein warmer Hundehaufen in kalten Wintertagen.
Er ist sehr witzig (wenn man auf diesen Humor steht), sehr vulgär, sehr geschmacklos, sehr actionreich, sehr cool.
Besser als Teil 1? Wahrscheinlich nicht, da der Mainstreamfaktor einfach nicht mehr gegeben ist.
Cooler? Oh JA!!!!
6 Punkte